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Ruf nach schneller Umsetzung von Intersexuellen-Urteil

9. November 2017

Der Gesetzgeber müsse nun "zügig seine Hausaufgaben machen", fordert der Grünen-Politiker Beck. Dagegen will der Ethikrats-Vorsitzende Dabrock der gesellschaftlichen Debatte über geschlechtliche Identität mehr Zeit geben.

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Berlin (epd). Nach dem Intersexuellen-Urteil des Bundesverfassungsgerichts brandet eine Debatte über das Tempo der Umsetzung auf. Der Gesetzgeber müsse nun "zügig Anfang 2018 seine Hausaufgaben machen", sagte der Grünen-Politiker Volker Beck der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstag). Das dritte Geschlecht müsse entweder gesetzlich normiert werden oder es müsse generell auf Geschlechtseinträge verzichtet werden. Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, warnte hingegen vor gesetzlichen Schnellschüssen.

Das Urteil sei kein Ende, sondern müsse Anfang einer gesellschaftlichen Debatte über geschlechtliche Identität sein, sagte Dabrock dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Urteil berühre weit mehr Fragen als die nach der Gleichbehandlung intersexueller Menschen. Dafür müsse man sich Zeit nehmen. "Es ist nichts gewonnen, wenn wir das Urteil nach dem Motto 'Karlsruhe hat uns das von oben verordnet' einfach nur schnell umsetzen", sagte er.

Drittes Geschlecht

Beck sprach von einem "Meilenstein für die Rechte der Intersexuellen". Das Bundesverfassungsgericht habe "dem denkfaulen Gesetzgeber auf die Sprünge helfen" müssen. Das Bundesverfassungsgericht hatte am Mittwoch entschieden, dass es künftig die Möglichkeit geben muss, im Geburtenregister neben "männlich" und "weiblich" ein drittes Geschlecht eintragen zu lassen.

Dabrock erklärte, es gehe darum anzuerkennen, dass das Spektrum von Geschlechtlichkeit weiter reiche, als es die Dualität von Mann und Frau umschreibe. Diese Debatte werde sich am Ende nicht auf die Rechte intersexueller Menschen beschränken. Auch andere Menschen stellten die Frage nach ihrer geschlechtlichen Identität. Das werde letztlich ganz praktische Probleme aufwerfen "bis hin zur berühmten Toilettenfrage", sagte Dabrock und ergänzte: "Bei dieser Debatte gilt, die Aufforderung des Gerichtes zur Gleichbehandlung so umzusetzen, dass sie nicht in Gleichmacherei endet, sondern einer echten rechtlichen und kulturellen Anerkennung von Vielfalt dient."

Intersexuelle kämpfen bereits seit längerem für das Recht, auf der Geburtsurkunde ein anderes Geschlecht als "weiblich" oder "männlich" eintragen lassen zu können. Bislang gibt es nur die Möglichkeit, das Geschlecht offen zu lassen.

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Leser-Kommentare öffnen

Alwite, 9. November 2017, 12:04 Uhr


http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-11/intersexualitaet-bundesverfassungsgericht-urteil-geburtenregister-geschlecht

Jeder, der sich je in einer Ausnahmesituation befunden hat, kann wenn auch nur entfernt nachvollziehen, die betroffenen Menschen selbstverstanden in unsere Mitte zu nehmen.
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ellybe, 9. November 2017, 12:43 Uhr


Was wird jetzt aus 1. Mose 1, 27, wonach der Mensch durch GOTT als Mann und Frau geschaffen wurde, und aus 1. Mose 1,31, wonach alles "sehr gut" war? Was sagen unsere hohen EKD-Theologen und -Bischöfe dazu? Sola scriptura?
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Ruckzuck, 9. November 2017, 12:59 Uhr


Eine Sache, die schnell mal übersehen wird (in UK stand da mal vor längerer Zeit ein guter Artikel dazu), jetzt mal ganz unabhängig von Gender und so: "Und siehe, es war alles sehr gut" - das war die Schöpfungsgeschichte VOR dem Sündenfall. Wenn man da nicht ständig den fundamentalen Bruch bei Adam und Eva vergessen würde, käme man auch besser damit zurecht, dass die Welt alles andere als "sehr gut" ist. So war sie vielleicht mal gedacht. Aber jetzt ist es eine Schöpfung, die in ihrem tiefsten Innern sich nach Erlösung sehnt. Sehr gut wird es erst wieder sein, wenn der Wolf friedlich neben dem Lamm liegt und der Löwe Stroh frisst wie ein Rind.
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ellybe, 9. November 2017, 13:16 Uhr


Lieber Ruckzuck: Wie soll ich das verstehen?
Haben wir Menschen "das dritte Geschlecht" selbst verursacht? Gewissermaßen als Folge "unseres" Sündenfalles?
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Alwite, 9. November 2017, 18:58 Uhr


Strohvertilgende Löwen oder Wölfe sind bei Gott nicht vorgesehen. Dienen sie doch zum gesunden Gleichgewicht der Natur. Mit Bibelauslegungen der Realität dritter Menschenmöglichkeit zu begegnen und die Kirchenoberen um Antworten in die Pflicht zu nehemen, ist am Rande interessant, doch schlafen wir ja auch nicht mehr auf Bäumen und verantworten somit eine eigene Sicht!
Wesentlich ist doch, dass betroffene Menschen, unsere Solidarität erfahren.
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Matthäus53, 9. November 2017, 20:34 Uhr


Es gibt schon Gen manipulierte Tiere und Pflanzen , auch wurde schon ein Tier /Mensch Mischwesen in den USA geklont oder erfunden, aber das ein deutsches Gericht zu einem solchen Urteil kommt , zeigt deutlich auf, wie weit wir schon vom Weg des so oft gelobten, christlichen Abendlandes abgedriftet sind.
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Schallblech, 10. November 2017, 9:12 Uhr


Tatsache ist: Es gibt immer schon Menschen, die weder Mann noch Frau sind, auch wenn sie in der Bibel nicht vorkommen. Sollen wir sie deshalb nicht als Menschen achten und behandeln? Haben sie kein Menschenrecht? Wo bleibt da, wenn schon nicht die Achtung, die Barmherzigkeit?
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ellybe, 10. November 2017, 16:33 Uhr


Ich finde die Beiträge hochinteressant - vor allem, weil sie der Frage nach Gott ausweichen: Wie verlässlich ist das, was Gott (nach Aussagen der Bibel!) gesagt und getan hat - also "Gottes Wort" als "Gottes" Wort, wenn es nicht (mehr) gilt? Steht etwas über "Gottes Wort"? Wenn ja: Was? Und: Nach welchen Kriterien? Unseren eigenen, menschlichen?
Konkret, lieber Schallblech: Wenn es "immer schon" Menschen gegeben hat "die weder Mann noch Frau sind", was machen wir dann mit der von mir angeführten biblischen Aussage, nach denen Gott "im Anfang" den Menschen (ich füge ein: nur) "als Mann und Frau" geschaffen hat? Streichen wir sie? Versehen wir sie mit einem Kommentar, gemäß unserer höheren menschlichen Erkenntnis? Zum Beispiel: Gott wusste es nicht besser!? Oder: Da hat Gott sich aber geirrt!? Oder: Da hat Gott uns nicht alles gesagt!? Usw. - Ich fühle mich jedenfalls von meiner Kirche (Unserer Kirche) in dieser Frage - nach der Verlässlichkeit dessen, was laut Bibel Gott selbst gesagt und getan hat - im Stich gelassen!
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ellybe, 10. November 2017, 19:25 Uhr


Lieber Atlantica,
ich bin nicht primär verunsichert durch die "Entdeckung des dritten Geschlechts" - ich bin verunsichert bzw. verärgert dadurch, dass unsere Kirchenleute (ich nenne sie einfach mal so) uns im Stich lassen im Blick darauf, was nun wirklich GOTTES Wort und Tat in der Bibel ist und was nicht! Und nach welchen Kriterien sie das Eine (noch) so nennen und anderes nicht (mehr)! Wenn jetzt etwas, was bisher als GOTTES Wort und Tat galt (und so auch in der Bibel steht!) in ihren Augen NICHT mehr GOTTES Wort und Tat, sondern MENSCHENwort ist, das als GOTTESwort ausgegeben wurde: Wie kann ich darauf vertrauen, dass Anderes aber doch GOTTES Wort und Tat ist, und mich darauf verlassen? Warum überhaupt? Und wie lange noch? Vielleicht, bis es auch wieder wissenschaftlich widerlegt wird? -
Abgesehen davon: Ich habe in meinem eigenen Leben auch viel von dem erlebt, was ich in anderen Büchern gelesen habe - aber ich würde es nie GOTTES Wort nennen oder als solches bezeichnen, sondern einfach als Literatur, die die Wirklichkeit widerspiegelt bzw. sie mir erhellt!
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Erika Moers, 11. November 2017, 9:28 Uhr


„Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde“ - so sprechen wir für uns aus, was in den ersten Seiten des AT zu lesen steht.
„Und ER schuf den Menschen nach seinem Bilde als Mann und Frau“
Und ER befahl der Erde, „ . . . sie bringe lebendiges Getier hervor, ein jedes nach seiner Art“.

Und manchmal, selten, beobachten wir in der Natur, wie sich eine Art verändert, ohne erklärbare Ursache. Mutation nennen wir die, die aber doch aus der ursprünglichen Art hervorgegangen ist.
Zumindest ist das kein Widerspruch zum ursprünglichen Schöpfungsvorgang und braucht uns, auch im Blick auf die Erschaffung des Menschen, so denke ich, in unserem Glauben nicht zu irritieren.

Das Intersexuellen-Urteil des Bundesverfassungsgerichtes halte ich für einen guten Ansatz als Maßnahme gegen Verachtung und Ausgrenzung, wie auch immer das dann in der Praxis im Einzelnen anzuwenden ist.
Für uns als Christen ein Akt von „Glaube, Hoffnung, Liebe“ (kürzlich von Atlantica noch in Erinnerung gerufen).
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ellybe, 11. November 2017, 11:13 Uhr


Nur zur Klarstellung und damit keine Missverständnisse auftreten:
Ich gehöre nicht zu den Fundamentalist/innen. Meine Kommentare in dieser Sache sind also nicht fundamentalistisch begründet, sondern kritische Anmerkungen zum Umgang mit "Gottes Wort" in unserer Kirche! Und darauf ist bis jetzt noch keine(r) der Mit-Kommentator/innen eingegangen. Also lassen wir\'s.
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Alwite, 11. November 2017, 12:11 Uhr


http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/bischofe-reagieren-auf-beschluss-zur-intersexualitat

Liebe ellybe, was Kirche sagt, lässt sich doch leicht recherchieren...Das Netz bietet eine Menge Informationen.
Meine bescheidene Meinung: Obiger Artikel fordert zu eigenen Gedanken auf. je mehr eigene Mühe um Information, je klarer sehe ich.
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Paperback, 12. November 2017, 11:55 Uhr


Dass die katholischen Bischöfe zu diesem Thema reagieren, ist aus meiner Sicht nicht ungewöhnlich, sondern geradezu typisch. Da äußern sich diejenigen, denen Sexualität eigentlich etwas zutiefst Fremdes sein müsste, denn sie haben diese Gottesgabe im Grunde doch spätestens seit dem Eintritt ins Priesterseminar abgegeben.
Da reden und schreiben doch Blinde von der Farbe. Muss ich das als Protestant auch noch würdigen?

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ellybe, 12. November 2017, 20:10 Uhr


Was Kirche sagt, liebe Alwite, ist mir ja nicht unbekannt.
Ich bin ja "in" der Kirche.
Ich frage - nicht nur hier - nach dem, was "Kirche" NICHT sagt, worüber sie schweigt, um nicht zu sagen, was sie verschweigt. Und das finde ich schlimm, denn sie nimmt mich, als mündiges Gemeindeglied, nicht ernst. -Aber ich denke, ich habe mich klar genug geäußert. Dass es nichts bringt, ist für mich erschreckend. Und damit genug.
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Alwite, 13. November 2017, 8:52 Uhr


Liebe ellybe, natürlich sind Deine Fragen heute und immer wieder berechtigt: "in" der Kirche. "SIND" wir nicht Kirche? Wie zu jungen Zeiten in der Schule und später im Hörsaal, als uns EIN Stoff vermittelt wurde und jeder ihn anders vernahm, mussten wir uns selbst um Lösungen bemühen. Nur so kommt ja Findung und gründlich überlegte Promotion, die weiter führt, zu Stande. Die Suche nach der Wahrheit für mich selbst beginnt und endet mit meinem Dasein. Wenn ich beharrlich blieb, ergab die Zeit die Antwort ganz von selbst. Im Laufe eines langen Lebens, stelle ich fest: "Es gibt wirklich nichts, was es nicht gibt." Gott hält seine Antwort auf all unsere Fragen längst bereit. Was Menschen uns antworten, ist Hilfe zur Selbsthilfe.
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