hg
Bild vergrößern
Annette Kurschus
Buchtipp

Bernd Becker, Gerd-Matthias Hoeffchen
Was weg ist, ist weg
Kuriose Beerdigungsgeschichten

zur Detailseite

Anzeige

Kirchenvertreter sind fassungslos über «blindwütige Gewalt»

18. August 2017

"Wieder wurde wahllos gemordet, wieder schreien Schmerz und Hass zum Himmel", erklärt die stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Annette Kurschus, nach den Anschlägen in Spanien.

Bild vergrößern
Annette Kurschus

Anzeige

Frankfurt a.M. (epd). Der Terror in Spanien hat bei Kirchenvertretern Fassungslosigkeit und Trauer hervorgerufen. Papst Franziskus bete für die Opfer des Anschlages von Barcelona, erklärte Vatikansprecher Greg Burke am Donnerstagabend. Das Kirchenoberhaupt sei solidarisch mit den Spaniern, insbesondere mit den Verletzten und den Familien der Opfer.

Die stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, zog Parallelen zu früheren Gewalttaten. "Aus dem gleichen Ungeist abgründiger Menschenverachtung und mit der gleichen Methode blindwütiger Gewalt wurde gemordet", erklärte die westfälische Präses Kurschus am Freitag in Hannover. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erklärte, schon wieder seien unschuldige Menschen Opfer geworden.

14 Menschen getötet

Ein Unbekannter war am Donnerstag mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge auf der bei Touristen beliebten Flaniermeile von Barcelona, Las Ramblas, gerast. Medienberichten zufolge wurden dabei 14 Menschen getötet und etwa 90 weitere verletzt. Später hatte es einen weiteren Anschlag im spanischen Küstenort Cambrils gegeben. Nach Angaben des Auswärtigen Amts wurden bei dem Anschlag in Barcelona mindestens 13 Deutsche verletzt, einige von ihnen schwer. Ob auch unter den Toten deutsche Staatsangehörige sind, war zunächst unklar.

"Wieder wurde wahllos gemordet, wieder schreien Schmerz und Hass zum Himmel", erklärte Präses Kurschus für die EKD und verwies auf frühere Anschläge in Paris, Berlin und London sowie auf die Ausschreitungen bei einer Demonstration von Rechtsextremisten am vergangenen Wochenende in Charlottesville in den USA, bei der eine Frau ums Leben gekommen war. Die Attentäter setzten auf Angst und Wut. "Lassen wir die Saat nicht aufgehen!" forderte die evangelische Theologin und rief zum Gebet für die Toten und Verletzten auf.

Betroffenheit spürbar

Der Münchner Erzbischof Marx schrieb in einer Kondolenz an den Erzbischof von Barcelona, Kardinal Juan José Omella Omella, die Nachrichten über die Anschläge machten ihn fassungslos. Es sei unerträglich, dass "Terroristen im Namen der Religion 'Ungläubige' töten". "Die Staatengemeinschaft muss jetzt weiter intensiv darüber nachdenken, wie mit dieser Form des Terrors umgegangen werden kann", schrieb er. Im Gebet sei er den Opfern der Anschläge und deren Angehörigen verbunden.

Pfarrer Holger Lübs von der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde in Barcelona sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), die Betroffenheit der Menschen sei in der Innenstadt der spanischen Metropole zu spüren. Beim Gottesdienst am Sonntag solle der Opfer gedacht und darüber gesprochen werden, wie Menschen damit umgehen, freiheitliche Werte zu schützen und sich gleichzeitig nicht einschüchtern zu lassen.

8

Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 18. August 2017, 15:28 Uhr


Es sei unerträglich, dass "Terroristen im Namen der Religion \'Ungläubige\' töten", schreibt Marx.
Sie töten nicht nur im Namen der Religion, sondern sie behaupten, es im Namen Gottes zu tun und Gottes Willen zu kennen und umzusetzen. Kann es größere Blasphemie geben?
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login

Paperback, 19. August 2017, 0:15 Uhr


Die Fassungslosigkeit der Kirchenvertreter verwundert mich doch sehr.
Es ist doch nicht der erste hinterhältige und brutale Anschlag dieser Art, sondern ein neues Glied in der langen Kette religiös motivierter Gewalt.
Unsere Willkommenskultur wird mit Füßen getreten, mit Granaten und Bomben beantwortet.
Der Westen muss sich schützen, uns und unsere Grenzen sichern. Jene, die im Verdacht stehen, den Menschen nach dem Leben zu trachten, müssen isoliert werden und daran gehindert, ihre Absichten umzusetzen.
Für Dialog ist kein Platz mehr.

Paperback
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login

Atlantica, 19. August 2017, 7:32 Uhr


Es ist ja gut, wenn man Fassungslosigkeit zugeben kann. Andererseits scheint man mit dem Ende der Anschläge zu rechnen. Da diese immer nach dem selben Muster ausgeführt werden, LKW fährt in Menschen, gehe ich davon aus, dass Hintermänner diese Anschläge initiieren. Es gilt, die Hintermänner aufzufinden.

Gerade gelesen: Polizei sucht den Attentäter.

Ja, sicher, das wäre gut, den zu fassen. Man kann das Problem rein juristisch angehen: Täter gefasst, alles ist gut. Ich fürchte, der Fundamentalismus ist viel weiter verbreitet, als die meisten Menschen wahrhaben wollen. Bekämpfen wir den Fundamentalismus auf allen Ebenen. Dann, und nur dann, werden die Attentate aufhören.

Natürlich kann man darüber hinaus glauben, dass Friedens-Gebete einen heilsamen Einfluss auf die Menschen haben.
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login

Alwite, 19. August 2017, 10:50 Uhr


Verständlich, dass christliches Handeln und Denken, das sich auf gutem Wege glaubt, machtdemonstrierende Gewalt mit Betroffenheit erlebt. Gläubigkeit kontra Ungläubigkeit. Warum wehren wir uns so heftig, wenn uns andere dumm nennen oder uns für dumm verkaufen wollen? Wenn ich bei anderen vermisse, was er nicht weiß, vermisst er garantiert bei mir was ich nicht weiß. Ihn deshalb DUMM zu heißen, ist ihm eben so wenig lieb wie mir.

Dies Thema kam bei neuerlichen Terroranschlägen auf. Gewalt - grausamste Demonstration, auf sich aufmerksam zu machen. Ist sie ein Ergebnis von weltweiter Unbildung oder Unkultur? Mordende nehmen für sich als Albi das Höchste, das sie mit Gott benennen an. Demonstriert ausartende Gewalt die Rache, dass Menschen sich von anderen nicht auf Augenhöhe angenommen fühlen?
Und - grübel, grübel, es ist zwar schon etwas her da Christen ihren Glauben mit dem Schwert unter die Menschen brachten...



Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login

Atlantica, 19. August 2017, 21:08 Uhr


Liebe Alwite, den letzten Absatz halte ich für nicht berechtigt! Man kann nicht gleichzeitig Christ sein und sich mit der vermeintlich gewalttätigen Geschichte des Christentums gleichsetzen. Und: das Christentum war auch nie gewalttätig in dem von seinen Gegnern behaupteten Sinne. Denn wäre es so, könnte man heute kein Christ sein. Besser: sich heute deutlich von pseudo-christlichem Fundamentalismus distanzieren, von Terrorismus auf Seiten entarteter Muslime ganz zu schweigen. Ja, das hat etwas mit Bildung (auch des Herzens) zu tun. Sehe ich insoweit genauso wie du.
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login

Alwite, 19. August 2017, 22:00 Uhr


Lieber Atlantika, kamen Kreuzzüge und deren Grausamkeiten in Deinem Unterricht nicht vor?
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login

Atlantica, 19. August 2017, 22:54 Uhr


In meiner Schulzeit (ABI 1986) war das Christentum noch unangefochten allgemeiner Konsens.
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login

Paperback, 19. August 2017, 23:49 Uhr


Alwite, dass sich als Christen verstehende Herrscher mit den Kreuzzügen dem Christentum einen schrecklichen Bärendienst erwiesen haben, ist doch allgemein anerkannt.
Da zogen barbarische Mörder unter dem Kreuz in den Krieg und richteten ein Blutbad ohnegleichen an. Allerdings sind wir heute einige Jahrhunderte weiter. Wie wir das damalige Geschehen nicht verteidigen können, dürfen wir die heutigen Ereignisse auch nicht rechtfertigen.
Damals missbrauchten Christen ihren Glauben, heute pervertieren Muslime die eigene Religion. Unrecht bleibt Unrecht.
Mord bleibt Mord. Und auch der Islam kennt das Tötungsverbot.
Nicht zuletzt aber, und auch das sehe ich mit großer Sorge, zerstören die nicht nachlassenden Terrorakte unsere politische Kultur, bedrohen unser System im Kern.
Dagegen ist Widerstand geboten.

Paperback
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login
Bitte melden Sie sich erst an, um einen Kommentar zu verfassen
zum Login
Buchtipp
Buchtipp

Bernd Becker, Gerd-Matthias Hoeffchen
Was weg ist, ist weg
Kuriose Beerdigungsgeschichten

zur Detailseite
Buchtipp

Bernd Becker, Gerd-Matthias Hoeffchen
Was weg ist, ist weg
Kuriose Beerdigungsgeschichten

zur Detailseite
Per E-Mail empfehlen