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Scheich Omar Awadallah Kiswani, Direktor der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem (links), der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (dritter von links) und Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (dritter von rechts) auf dem Tempelberg vor dem Felsendom in Jerusalem.
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EKD und Bischofskonferenz wollen Versöhnung der Kirchen vorantreiben

21. Oktober 2016

Nach ihrer gemeinsamen Reise durch das Heilige Land fühlen sich die deutschen Kirchenspitzen bestärkt in ihrem Streben nach Ökumene. Mit ihrer Versöhnung wollen sie auch ein Beispiel für zerstrittene Juden und Muslime in Jerusalem sein.

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Scheich Omar Awadallah Kiswani, Direktor der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem (links), der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (dritter von links) und Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (dritter von rechts) auf dem Tempelberg vor dem Felsendom in Jerusalem.

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Jerusalem (epd). Nach einer gemeinsamen Pilgerreise durch das Heilige Land wollen die beiden großen Kirchen in Deutschland die ökumenische Versöhnung weiter vorantreiben. Mit Blick auf das Reformationsjubiläum erklärten die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die katholische Deutsche Bischofskonferenz am Freitag in einer gemeinsamen Botschaft, dass das geplante Christusfest die Kirchen auch über 2017 hinaus "auf unserem Weg zur vollen sichtbaren Einheit" stärken solle.

Die einwöchige Reise wurde vom EKD-Ratsvorsitzenden, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und vom Bischofskonferenz-Vorsitzenden, Kardinal Reinhard Marx, als "bedeutender Schritt zur Versöhnung der Kirchen" bewertet.

Miteinander wirken

"Wir haben gelernt, mit dem Herzen des Anderen zu sehen", sagte Landesbischof Bedford-Strohm in Jerusalem. Kardinal Marx erklärte: "Das ist für uns ein Impuls, weiter zu gehen." Protestanten und Katholiken hätten der gesamten Gesellschaft etwas zu sagen und den Auftrag, nicht gegeneinander, sondern miteinander zu wirken. "Unsere gemeinsame Mission für unser Land ist noch nicht vollendet", heißt es in gemeinsamen Botschaft.

Das Schreiben soll an Papst Franziskus und den Präsidenten des Lutherischen Weltbundes (LWB), Munib Younan, übermittelt werden, die am Reformationstag (31. Oktober) zusammen einen Gottesdienst im schwedischen Lund feiern. Am selben Tag wird in Berlin das Festjahr zum Reformationsjubiläum eröffnet.

Die evangelische Kirche feiert im kommenden Jahr 500 Jahre Reformation. Am 31. Oktober 1517 hatte Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht. Der legendäre Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte.

"Wir wollen dieses Jahr mit Schwung angehen", kündigte Marx für das Reformationsjubiläum an. Von Deutschland aus sei die Spaltung in Konfessionen ausgegangen, daher stünden die Christen dort in besonderer Verantwortung, zur Aussöhnung beizutragen. Das Miteinander der Kirchen könne eine Orientierung auch für die zerstrittenen Religionen im Heiligen Land sein. "Wir wollen nicht richten, wir wollen unser Beispiel hineingeben."

EKD-Ratschef Bedford-Strohm äußerte den Wunsch nach einem Dialog zwischen Juden und Muslimen in Jerusalem. Mit Repräsentanten beider Religionen hatte die deutsche Delegation am Donnerstag auf dem Tempelberg und an der Klagemauer gesprochen. "Wir haben zwei völlig gegensätzliche Interpretationen der gleichen Realität gehört", sagte Bedford-Strohm. Er hoffe, dass die christlichen Kirchen Orte der Begegnung für alle Glaubensrichtungen schaffen könnten. "Der Tempelberg ist ein Ort für alle Religionen", sagte er.

Gute menschliche Atmosphäre

Der katholische Ökumene-Bischof Gerhard Feige unterstrich die gute menschliche Atmosphäre in der Delegation aus je neun Vertretern der Bischofskonferenz und der EKD. Bedford-Strohm äußerte sein Bedauern über bestehende Trennungen insbesondere bei den Abendmahl- und Eucharistie-Feiern während der einwöchigen Reise: "Wir haben die Erfahrung des Schmerzes gemacht, dass wir nicht gemeinsam am Tisch des Herrn sein konnten."

Am Freitagmorgen hatte die Delegation der Opfer des Holocaust gedacht. In der Gedenkstätte Yad Vashem legten Bedford-Strohm und Marx in der Halle der Erinnerung einen Kranz nieder, auf dessen Schleife stand "Herr gedenke ihrer Namen". Der katholische Bischof von Osnabrück, Franz-Josef Bode, sagte: "An keinem Ort im Heiligen Land gehen uns so die Worte aus wie an diesem Ort."

Die einwöchige Pilgerreise durch Israel und das Heilige Land wird am Samstag mit weiteren Begegnungen in Jerusalem abgeschlossen. Als konkrete nächste ökumenische Schritte nannten Marx und Bedford-Strohm mehrere gemeinsame Veranstaltungen im Reformationsjubiläumsjahr, unter anderem einen Gottesdienst zur Heilung der Erinnerung ("Healing of memories") in Hildesheim und einen ökumenischen Kongress in Bochum. Zudem sei in den kommenden Jahren ein weiterer ökumenischer Kirchentag zu erwarten.

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Leser-Kommentare öffnen

Matthäus53, 24. Oktober 2016, 17:53 Uhr


Die gemeinsame Reise nach Israel von hohen christlichen Würdenträgern tut bestimmt nicht nur den Teilnehmern sondern der Kirche insgesamt gut. Aber die Ausage , daß durch die Zeichnung der Trennung keine gemeinsame Anwesenheit am Tisch des Herrn möglich ist, Läßt mich als normal sterblichen Christen doch sehr zweifeln. Besonders im Mt. Ev. 26, 20-30, lädt Jesus persönlich zum Abendmahl ein , reichte das Brot, dankte und brachs, nahm auch den Kelch und dankte und sprach "trinket ALLE daraus ", das Ist mein Blut des Nt.welches vergossen wird für VIELE zur Vergebung der Sünden . Die beiden herausgehobenen Worte " alle und für viele " müßten doch auch hohe Würdenträger beider Kirchen ohne Unterschieds-und Auschließungsmerkmale deutlich lesen und verstehen können. Wenn diese hohen Kirchenvertreter dies nicht lesen, verstehen und richtig deuten können, wie soll das gemeine Kirchenvolk dann überhaupt die Bibel verstehen lernen ? Wie sollen Muslime und Juden zum Dialog finden, wenn es bei den großen Kirchen schon an zwei kleinen Worten scheitert !
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Schallblech, 24. Oktober 2016, 18:21 Uhr


"Es gibt keinen katholischen Christus, keinen evangelischen Christus, keinen orthodoxen Christus. Es gibt nur den einen Christus", sagte
Heinrich Bedford-Strohm in Bethlehem nach dem gemeinsamen Besuch der Geburtskirche.
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Ulrich Keßler, 24. Oktober 2016, 19:22 Uhr


"Es gibt keinen katholischen Christus, keinen evangelischen Christus, keinen orthodoxen Christus. Es gibt nur den einen Christus" - das hat "der schöne Heinrich" wieder schön gesagt. Und dann ist er in seine Kirche gegangen und hat das Abendmahl gefeiert, und der Kardinal ist in die seine gegangen und hat dort die Eucharistie gefeiert.
Und wenn sie sich einst wiedersehen, dann umarmen sie sich und bedauern gemeinsam, dass es immer noch nicht so weit ist mit dem gemeinsamen Mahl, und versichern sich erneut, dass ihr Treffen aber "ein Impuls" ist, "weiter zu gehen".
"Es gibt keinen katholischen Christus, keinen evangelischen Christus, keinen orthodoxen Christus. Es gibt nur den einen Christus" - und der sitzt weiter einsam und verlassen im Abendmahlssaal und wartet auf seine Jünger, auf die katholischen, die evangelischen und die orthodoxen,
die nicht hineinkommen, weil am Eingang die Bischöfe stehen und ihnen erklären, dass sie noch nicht so weit sind...

Atlantica, 25. Oktober 2016, 8:30 Uhr


Ja, Ulrich Keßler. Sehr fein. Und wenn es "keinen katholíschen, evangelischen, orthodoxen Christus" gibt, was ist dann mit der Legitimation der Kirchen? - Es ist nur eine Leerformel!
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Schallblech, 25. Oktober 2016, 10:33 Uhr


Das was zwischen den christlichen Bekenntnissen steht, ist von Menschen gemacht und damit vergänglich. Natürlich geht das nicht von heute auf morgen. Es gibt aber deutlich mehr Gemeinsames als Trennendes, das muß gestärkt werden, dann wird alles andere auch irgendwann kommen.
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Alwite, 25. Oktober 2016, 10:39 Uhr


"Es gibt nur den einen Christus", sagte Heinrich Bedford-Strohm in Bethlehem - berühren, nicht belehren.
Dies Bemühen um einander empfinde ich: Es nicht besser als die Anderen zu wissen, vielmehr sich dessen gewahr zu sein, dass von jedem Punkt des Universums, dasselbe anders wahrgenommen werden kann.
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Schallblech, 25. Oktober 2016, 11:26 Uhr


Ja, Alwite, den Anderen und seine Ansicht respektieren, und zwar beidseitig. Das ist das Wichtigste.
Ich war kurz vorher auch auf einer ökumenischen Reise, wenn auch nicht so spektakulär ;). Es ging zu den Lutherstätten in Thüringen, Sachsen und S.-Anhalt. Das Erleben der Gemeinsamkeit war wunderbar. Keiner hat sich dafür interessiert, welcher "Fraktion" der andere angehört, man kam mit allen gut ins Gespräch und alle untereinander haben sich gegenseitig respektiert. Die beiden mitreisenden Pfarrer haben zusammen einen sehr anrührenden Tauferinnerungsgottesdienst in Eisleben gestaltet, an der Stelle, wo auch Martin Luther getauft wurde. Er endete damit, daß jeder seinen Sitznachbarn segnete, und auch da fragte niemand nach der Zugehörigkeit. Das ist nur ein kleiner Schritt, aber er geht vorwärts.
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Alwite, 25. Oktober 2016, 12:38 Uhr


Lieber Schallblech, danke,
was Du uns als hautnahes, reales Erleben darstellst , ist worauf meine theoretische Sicht, die sich aus einer heiteren, sonntäglichen Lesung über die Entstehung des Menschen, begonnen bei Adam und Eva bei uns Christen und den Überlieferungen ganz anderer Kulturen um das Rund unseres winzigen Planeten ergab, zu lenken versuchte.
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Ulrich Keßler, 25. Oktober 2016, 15:55 Uhr


Liebe Alwite,
ich will, in aller gebotenen Bescheidenheit, hier erst einmal darlegen, was mir heute widerfuhr, als ich mich in der Mittagszeit etwas hinlegte. Da sah ich vor meinem geistigen Auge den hochgeschätzten Mann Martin Luther auf dem Reichstag zu Worms, wie er, nach Darlegung seiner Lehren und der Bitte um Bedenkzeit, am zweiten Tage noch einmal vor dem Kaiser erscheint und abschließend erklärt: "Es nicht besser als die Anderen zu wissen, vielmehr sich dessen gewahr zu sein, dass von jedem Punkt des Universums, dasselbe anders wahrgenommen werden kann."
Daraufhin lässt ihm der Kaiser, durch seinen Dolmetscher, seine Zufriedenheit ausrichten und entlässt Luther mit dem Versprechen einer Berufung an die päpstliche Universität Heiliger Thomas von Aquin. Luther bedankt sich artig, verlässt den Verhandlungssaal und ruft erleichtert: "Ich bin hindurch!" -
Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, liebe Alwite, dass Sie es etwa so gemeint haben können, wie es aber der Wortlaut nahe legt und wie es bei mir angekommen ist, sondern ganz anders (aber wie?), denn ich habe Sie ja hier als eine Frau kennengelernt, die mit einem freien Geist und kritischem Verstand ihre Sache vertritt!
LG Ihr Ulrich Keßler
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Alwite, 25. Oktober 2016, 18:45 Uhr


Lieber Ulrich Kessler,
mit "es NICHT besser als die Anderen zu wissen, vielmehr sich dessen gewahr zu sein, dass von jedem Punkt des Universums, dasselbe anders wahrgenommen werden kann."
Das Universum macht mich auf meine Kleinheit aufmerksam. In Bethlehem umgibt mich eine andere Kultur und anderswo wieder eine andere. Wie Heinrich Bedford-Strohm eine Botschaft zu überbringen, heißt doch ebenso, die eine oder andere zu empfangen.






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Ulrich Keßler, 25. Oktober 2016, 21:17 Uhr


Liebe Alwite,
gerade das mit der eigenen "Kleinheit" ist Luther in Worms vorgehalten worden: Wie er, der kleine Mönch aus Wittenberg, sich unterstehen könne...! Das macht mich gegenüber Argumenten mit der Kleinheit sehr skeptisch: Der kleine Mann Luther wagte es, über sich hinauszuwachsen und den Großen wie den Kleinen seiner Zeit Botschaften zu überbringen, wie die "Von der Freiheit eines Christenmenschen", von denen wir heute noch leben und "profitieren"! -

Abgesehen davon bin ich etwas verwirrt dadurch, dass zunehmend von einem "Christusfest" 2017 geredet wird. Handelt es sich dabei um ein weiteres Fest neben dem "Reformationsjubiläum" 2017 oder wird dieses jetzt so (um-)benannt? Kann mir da jemand weiter helfen?
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Atlantica, 26. Oktober 2016, 7:38 Uhr


Lieber Ulrich Keßler, danke für Ihren wertvollen Beitrag! Vielleicht ist Luther einfach nicht opportun, politisch korrekt. Da man ihn nun nicht mehr so recht zu feiern in der Lage zu sein scheint, setzt man stattdessen auf Versöhnung und Ökumene. Erwünschter Neben-Effekt: Luther wird durch Bagatellisierung vernebelt und seinerseits "versöhnt".
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Alwite, 26. Oktober 2016, 8:05 Uhr


Hier Luther zum Xten mal im Einzelnen aufzubröseln ist müssig. Er war Gott nie abtrünnig. In seiner Vogelfreiheit übersetzte er eine verständliche Bibel (die wir heute wenig dankbar, teils gar gegen ihn verwenden) und mit ihr eine unvergleichliche Wortgewalt deutscher Sprache. Sein "Reformationsjubiläum" mit der Botschaft: "Sieh ich bin nicht besser als du"! Mit allen Christen der Welt gemeinsam unter einem Dach einen Gott erfahren, bitte was ist daran rätselhaft?

Nicht als Belehrung sondern als Berührung fällt mir immer wieder "Die Mauer der Menschheit" ein:

Mach' dich mit deiner erreichten Höh' nicht groß!
Du stehst auf deiner Ahnen Schultern bloß!
Ein jeder von ihnen war einmal wie du
Der Höchste, und ihn deckten die Nächsten zu,
Wie Stein auf Stein empor sich fügt zum First.
Du bist nur Giebel, bis du Sockel wirst!
Vieltausend werden auf deinen Schultern stehn
Und ebenso stolz auf dich herunter sehn.

A. de Nora
(1864 - 1936), Pseudonym für Anton Alfred Noder, deutscher Arzt und Dichter









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Ulrich Keßler, 26. Oktober 2016, 12:23 Uhr


Ich möchte meine Frage von gestern noch einmal wiederholen, weil die Antwort noch offen ist. Vielleicht kannst Du, liebe (mitlesende) Redaktion, sie beantworten, zumal ja der obige Artikel diese Frage bei mir hervorgerufen hat:
Handelt es sich bei dem für 2017 geplanten "Christusfest" um ein weiteres Fest neben dem "Reformationsjubiläum" 2017 oder wird dieses jetzt so (um-) benannt?
Nur so viel zum Thema "Versöhnung der Kirchen":
Nach über 40 Jahren Engagement in der Ökumene, will ich den Mund einmal voll nehmen und behaupten, dass wir hier vor Ort als Katholiken und Protestanten miteinander so weit ("versöhnt") sind, dass man als Katholik am Hl. Abendmahl teilnehmen kann und als Protestant an der Eucharistie. Bei besonderen Anlässen haben wir das eine bzw. das andere auch gemeinsam gefeiert, dh. gemeinsame Teilnahme an der Kommunion bzw. am Hl. Abendmahl. Wir als Kirchen-Volk, als Basis beider "Volks"-Kirchen, sind also sehr viel weiter als die oberste kirchliche Etage des bischöflichen "Ja-nur-kleine-Schritte"-Programms. Deshalb würde es hier kein Katholik verstehen, wenn wir als Protestanten das "Reformationsjubiläum" 2017 nicht mehr so nennen würden, sondern, aus nur scheinbarer ökumenischer Rücksicht, z.B. "Gemeinsames Christusfest"! Im Gegenteil: Das Reformationsjubiläum würde gerade als solches gerne MITgefeiert, weil die Reformation (kurz gesagt) längst verinnerlicht/inkludiert ist! DAS nenne ich eine "VERSÖHNTE ÖKUMENE", bei der die an sich unsichtbare Einheit sogar partiell sichtbar wird!
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Hoeffchen, 26. Oktober 2016, 13:12 Uhr


Das Reformationsjubiläum wird oft auch als "Christusfest" bezeichnet, vor allem in ökumenischen Gesprächen. So hat die katholische Kirche eine Möglichkeit mitzufeiern.
https://www.ekd.de/international/presse/pm114_2015_gemeinsames_christusfest2017.html

Ulrich Keßler, 26. Oktober 2016, 14:56 Uhr


Lieber Herr Hoeffchen,
danke für die schnelle Antwort aus der Redaktion, insbesondere den Internethinweis!
Damit liegt hier nun sogar eine Information aus 1. Hand vor! Das nenne ich - freuet Euch! - eine leserfreundliche Pressearbeit! ---

ICH ERGÄNZE AM ABEND, nachdem ich nun auch noch die Verlautbarung des Herrn Rekowski gelesen habe:

Ohne die evangelische Basis (die Gemeindeglieder!) in den Beratungs- und Entscheidungsprozess einbezogen zu haben (wie es protestantischer Ordnung entspräche!) wird das Reformationsjubiläum 2017 von Oben her umbenannt in ein "Christusfest"! Dies wird uns, als Ergebnis Oberkirchlicher Absprachen, einfach nur noch mitgeteilt!!! Das heißt:
Wir sind in der EKD auf dem Weg weg von der presbyterial-synodalen Ordnung zu Bischofskirchen!
Und weil das Ganze unter der Überschrift "Versöhnung der Kirchen" läuft, müssen wir uns darüber (dass wir nicht einmal mehr gefragt werden!) auch noch freuen!!!

PS:
Damit kein Missverständnis entsteht, verweise ich in Sachen Ökumene auf meinen Kommentar von heute mittag!
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Paperback, 27. Oktober 2016, 8:35 Uhr


Ulrich Keßler,

haben Sie Dank. Sie bringen die Dinge auf den Punkt.

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Alwite, 27. Oktober 2016, 10:53 Uhr


Lieber Ulrich Kessler, diese Kritik erschüttert mich zu tiefst, selbst als couch potato bin ich doch heute als Mitglied der Kirche in der Position mich auf dem Laufenden, das ich so selbstverstädlich vorausgesetzt hatte, zu halten. Eigenes Versäumnis dem Informanten anlasten? Die Kritik erinnert an verflossene Heerführer, die den Boten einer Nachricht die ihnen zu wider war, den Kopf abschlagen ließen.
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Ulrich Keßler, 27. Oktober 2016, 15:38 Uhr


Liebe Alwite,
ich würde gerne wissen, welches Versäumnis ich mir vorzuwerfen habe, das ich dem Informanten anlaste? Ich lese täglich mehrere Zeitungen, Unsere Kirche, online sowieso. Dazu kommen die Gemeindebriefe mehrerer Kirchengemeinden, und über Informationen aus unserem Kirchenkreis verfüge ich auch. Ich bin nun zwar nicht mehr der Jüngste (also altersbedingt vergesslich), aber ich kann mich nicht erinnern, dass es eine Diskussion in den Gemeinden darüber gegeben hätte, ob das Reformationsfest/jubiläum 2017 (mit Rücksicht auf die katholische Kirche als Institution) von uns besser als "Christusfest" anzusehen und auch als solches zu feiern sei?! Ich wäre als Gemeindeglied sehr gerne von Anfang an (wie es unserer protestantischen Tradition entspricht) in eine solche Diskussion einbezogen worden! Ich hätte mich ihr auch nicht verweigert, sondern wäre gerade in der Ökumene vor Ort engagiert dabei gewesen! Aber: Fehlanzeige! Nachträglich verordnen lasse ich mir allerdings nichts! -
Liebe Alwite,
ich habe auch extra noch einmal den Brief des EKD-Vorsitzenden (4 Seiten!) an den Vorsitzenden der Katholischen Bischofskonferenz gelesen, in dem es um die Gestaltung des gemeinsamen Christusfestes geht, als das das Reformationsjubiläum nun wohl bezeichnet wird. Ich bin nach wie vor erschrocken darüber, dass in diesem Brief NICHT EINMAL vom "Reformationstag" oder "Reformationsfest" die Rede ist (wie ich es seit meiner Kindheit gewöhnt war/bin)! Mir kommt das ganze wie ein ängstlicher Eiertanz vor, besonders, wenn der EKD-Vorsitzende zwar von Luthers "schwer erträglichen Aussagen gegen den Papst" spricht, aber verschweigt, dass der Papst Luther am 15. Juni 1520 die Exkommunikation angedroht und sie in der Bannbulle am 3.1.1521 ausgesprochen hat! Es gibt das Eine nicht ohne das Andere! Soviel nur dazu. -
Heute morgen war ich indes völlig überrascht (das will ich hier auch erwähnen), dass der EKD-Vorsitzende in einem Interview mit der WAZ plötzlich (expressis verbis!) den Reformationstag und dazu den Buß-und-Bettag als dauerhafte bundesweite Feiertage (wieder) ins Gespräch bringt! Ich hoffe, dass er sich mit letzterem Vorschlag nicht den Zorn der deutschen Muslime und der türkischen Imame zuzieht, denn "der erste evangelische Bettag wurde 1532 in Straßburg im Zusammenhang mit einer Anordnung des Kaisers - Gebet gegen die Türken - gefeiert"!

LG Ulrich Keßler

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Alwite, 27. Oktober 2016, 18:06 Uhr


Lieber Ulrich Keßler,

da ich (über achtzig) seit Anfang Juni mit dem Ausdruck (Christusfest) vertraut bin und ihn mit Freude sofort übernahm, dachte ich nicht im Traum daran, dass er anderen unbekannt blieb.

"Und weil das Ganze unter der Überschrift "Versöhnung der Kirchen" läuft, müssen wir uns darüber (dass wir nicht einmal mehr gefragt werden!) auch noch freuen!!!"

Ist denn was ein Kaiser 1532 zu beten anordnete wirklich so viel ehrenhafter, als was unsere Glaubensoberen heute andenken?


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