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Ein katholischer Sozialist als Hoffnungsträger

6. Oktober 2016

Inmitten der schlimmsten Vertriebenenkrise seit dem Zweiten Weltkrieg soll der frühere Flüchtlings-Kommissar neuer UN-Generalsekretär werden. Auf den Portugiesen Guterres wartet ein schweres Erbe.

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António Guterres

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Genf (epd). Auf diese Position hat António Guterres lange hingearbeitet, zuerst im Stillen, dann mit offenem Visier: Jetzt ist dem Portugiesen das Amt des Generalsekretärs der Vereinten Nationen so gut wie sicher. Ab Januar soll der frühere Premierminister seines Landes und ehemalige UN-Hochkommissar für Flüchtlinge an die Spitze der Weltorganisation rücken - das entschied der UN-Sicherheitsrat.

Mit der Nominierung des 67-Jährigen setzen die mächtigsten Mitglieder der Vereinten Nationen klare Zeichen: Sie vertrauen den wichtigsten UN-Posten einem erfahrenen Politprofi an. Sie wollen inmitten der schlimmsten Vertriebenenkrise seit dem Zweiten Weltkrieg einen Fachmann für die komplexen Flüchtlingsfragen an der UN-Spitze sehen. Und sie demonstrieren seltene Einigkeit. Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin nannte die Nominierung von Guterres "historisch", und Samantha Power, die amerikanische Botschafterin bei den UN unterstrich, dass die Großmächte uneingeschränkt "hinter der Wahl" stünden.

Hervorragender Redner

Die UN-Vollversammlung muss die Empfehlung des Sicherheitsrates noch bestätigen - das Ja für den weltgewandten Portugiesen ist jedoch so gut wie sicher. Guterres, ehemaliger Präsident der Sozialistischen Internationale, soll den Südkoreaner Ban Ki Moon ablösen, zunächst für fünf Jahre. Eine Wiederwahl ist möglich.

Ein Generalsekretär Guterres wird ein schweres Erbe antreten. Die Vereinten Nationen konnten in den vergangenen Jahren ihrer wichtigsten Aufgabe, Stabilität und Frieden in die Welt zu bringen, nicht gerecht werden. Der Terrorismus verbreitet Angst und Schrecken in vielen Ländern, blutige Konflikte erschüttern ganze Regionen und machen immer mehr Menschen zu Opfern. Die Hilflosigkeit der UN manifestiert sich vor allem in Syrien - ein Krieg, der trotz jahrelanger Friedens-Bemühungen der Weltorganisation Hunderttausende Todesopfer fordert.

Über eigentliche politische Macht wird auch der UN-Generalsekretär Guterres nicht verfügen, er kann aber durch Appelle die Politiker und die Weltöffentlichkeit aufrütteln. Er muss sich vor allen mit den Schwergewichten USA, China und Russland arrangieren. Der praktizierende Katholik scheint für diese Position hervorragend geeignet zu sein: Der studierte Elektrotechniker gilt als hervorragender Redner, der die UN-Sprachen Englisch, Französisch und Spanisch fließend beherrscht, und er hat sich als geschickter Stratege bewährt, der seine Ziele beharrlich verfolgt. "Guterres ist eine sehr gute Wahl, er kennt sich in den Vereinten Nationen bestens aus und ist mit den Toppolitikern der Welt vernetzt", kommentierte ein hoher UN-Funktionär die Wahl.

Mehr Geld für Hilfe

Guterres war von 1995 bis 2002 Premierminister Portugals. Von 2005 bis 2015 bekleidete er das Amt des UN-Hochkommissars für Flüchtlinge in Genf. In seiner Amtszeit als Chef des Flüchtlingshilfswerks UNHCR stieg die Zahl der Menschen auf der Flucht kontinuierlich an, Ende 2015 waren es mehr als 65 Millionen Männer, Frauen und Kinder.

Guterres verstand seinen Job als Hochkommissar auch politisch: Er warnte beharrlich vor einer Verschärfung der Vertriebenenkrise. Und er forderte die Regierungen der wohlhabenden Staaten auf, mehr Geld für die humanitäre Hilfe zu geben. "Die reichen Länder dürfen sich nicht aus falscher Sorge um ihre Sicherheit verstecken", warnte Guterres bereits kurz nach seiner Nominierung als UN-Hochkommissar. Als UN-Generalsekretär wird er ab 2017 seine Appelle mit noch mehr Autorität wiederholen können.

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 6. Oktober 2016, 12:06 Uhr


Allein, daß sich der Sicherheitsrat endlich mal einig ist, zeigt doch, daß Guterres eine gute Wahl ist! Dabei spricht ja noch viel mehr für ihn. Ich wünsche ihm jederzeit die richtigen Worte (etwas anderes hat ein UN-Generalsekretär ja nicht einzusetzen).
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