hg
Bild vergrößern
In der Tagesstätte "hundplus" in Alfter bei Bonn werden rund 50 Vierbeiner betreut.
Buchtipp

Holger Pyka
Versteht man, was du liest?
Praxisbuch für den Gottesdienst

zur Detailseite

Anzeige

Dösen, warten oder randalieren?

26. September 2016

Für manche Haustiere wird die Zeit lang, bis Herrchen und Frauchen nach Hause kommen. Besonders Hunde sind ungern viele Stunden über allein. Doch es gibt auch Alternativen.

Bild vergrößern
In der Tagesstätte "hundplus" in Alfter bei Bonn werden rund 50 Vierbeiner betreut.

Anzeige

Bonn (epd). "Emma nein, Bruno hierher, Elliot, lass es!" Regina Pilger kennt jeden ihren Zöglinge beim Namen, auch wenn sich manchmal rund 50 Hunde bei ihr tummeln. Sie weiß, wer forsch ist wie Dogge Emma - und wer am liebsten den Tag kuschelnd auf dem Arm verbringt wie der kleine Bolonka Zwetna namens Malie. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Angela Weber betreibt Pilger die Hundetagesstätte "Hundplus" in Alfter bei Bonn. "Bei meiner vorherigen Arbeit im Tierheim wurde ich oft nach guten Hundepensionen gefragt", sagt sie.

Pilger, die eigentlich Juristin ist, machte 2006 selbst eine auf. Der Andrang ist groß - obwohl die Betreuungskosten bei einer Zehnerkarte bei fast 18 Euro am Tag liegen. "Es ist tatsächlich vergleichbar mit einer Kita - das heißt, die Hunde sollten auch regelmäßig, also mindestens zweimal die Woche kommen", sagt Pilger.

Gartenhäuser mit Sofas und Stühlen

Auf dem rund 2.500 Quadratmeter großen Areal mitten in einem Gewerbegebiet stehen Gartenhäuser - innen mit Sofas ausgestattet, auf denen die Hunde schlafen können. Andere Tiere dösen auf Stühlen vor sich hin, klettern auf die Hochstände oder jagen sich spielerisch auf der Sandfläche. Trotz der vielen Tiere gibt es kaum Gebell. "Für uns ist es wichtig, dass es harmonisch zugeht", erklärt Pilger.

Immer mehr Angebote richten sich an Berufstätige mit Hund. Neben den seit einigen Jahren beliebten Hundetagesstätten gibt es Dogwalker, also Leute, die für Geld oder ehrenamtlich Hunde Gassi führen. Beim Dogsharing teilen sich mehrere Menschen einen Hund stunden-, tage- oder wochenweise auf, weil sie alleine nicht ausreichend Zeit für das Tier finden.

Nach Meinung des Verhaltensbiologen Norbert Sachser von der Universität Münster macht die Betreuung von Hunden durchaus Sinn: "Eine gute Hundepension ist aus meiner persönlichen Sicht eine gute Lösung für Berufstätige, die nicht auf ein Haustier verzichten wollen." Der Tierschutzbund rät, Hunde nicht länger als vier Stunden täglich alleine zu lassen.

Wie gut ein Hund auf das Alleinsein reagiert, hängt von vielen Faktoren ab: "Für einen Hund, der über Jahre mit einer Bezugsperson zusammen ist, ist eine Trennung natürlich deutlich schlimmer als für einen Hund, der es bereits kennengelernt hat, dass der Halter ab und zu weg ist", sagt Sachser. Die Tiere seien in diesem Sinne "Gewohnheitstiere".

Außerdem habe jedes Tier seine eigene Persönlichkeit, betont der Verhaltensforscher. Darauf müsse der Besitzer Rücksicht nehmen.

Alleinsein der Hunde ist auch kein Problem

Dass Hunde unterschiedlich gut mit dem Alleinsein zurechtkommen, haben Forscher der Universität Bristol belegt. Sie beobachteten Hunde, die frisch ins Tierheim gekommen waren. Für das Experiment spielten sie jeden Tag etwa 20 Minuten mit dem Tier in einem bestimmten Raum.

Dann brachten sie den Hund wieder in den denselben Raum, ließen ihn aber fünf Minuten allein. Kameraaufnahmen zeigten, dass manche Hunde in dieser Zeit laut bellten, an der Tür scharrten oder auf Möbel sprangen. Andere blieben hingegen ganz ruhig.

Im Anschluss wollten die Wissenschaftler wissen, wie Tiere Entscheidungen treffen. Sie gewöhnten die Tiere daran, dass ein Fressnapf immer gefüllt war, wenn er in einer bestimmten Ecke des Raumes steht. Stand er an einer anderen Stelle, war er dagegen leer. Zum Schluss stellten sie den Napf an eine dritte Stelle - und schauten, welche Hunde sofort losliefen, um zu gucken, ob sich Futter darin befindet.

Das verblüffende Ergebnis: Die Hunde, die sofort zum dritten Napf rannten, hatten sich zuvor nur selten verängstigt gezeigt, wenn sie alleine gelassen wurden. Sie wurden als optimistische Tiere eingestuft. Die Hunde, die sich dem Napf nur zögerlich näherten, hatten zuvor unruhiger auf das Alleinsein reagiert. Sie wurden als pessimistisch eingestuft.

"Haustierbesitzer kennen das natürlich", sagt Sachser. Was für Hunde gilt, lässt sich aber nicht unbedingt auf andere Haustiere übertragen. Entscheidend sind hier die Gene: Hunde stammen vom sozial und im Rudel lebenden Wolf ab; die Katze dagegen von der territorial lebenden Wildkatze, die vor allem auf ihr gleichbleibendes Umfeld achtet.

Bei Katzen ist die Lage anders

Katzen bleiben also relativ problemlos auch alleine zu Hause. "Sie brauchen vor allem stabile räumliche Strukturen", sagt Sachser. Lässt man sie also zu Hause und stellt ihre Versorgung sicher, ist das Tier zufrieden.

Die beliebten Meerschweinchen gelten wie Hunde als sehr sozial. In der Schweiz ist es deshalb sogar untersagt, Meerschweinchen alleine zu halten. "In den letzten Jahren hat man entdeckt, dass Meerschweinchen sehr viel stärkere soziale Bindungen pflegen als bisher angenommen", sagt Sachser.

Der Rat des Verhaltensforschers: Vor dem Kauf eines Haustiers genau überlegen, wie alt das Tier wird, wie es das Leben verändern wird und ob das Tier artgerecht gehalten werden kann.

1

Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 26. September 2016, 17:09 Uhr


Zwischen Hunden und Katzen gibt es ja bekanntlich einen gewichtigen unterschied: Hunde haben Herrchen und Frauchen, Katzen halten sich Personal. Und das Futter bekommt der Hund als Lohn für seine Arbeit - die Katze als Entschädigung, daß sie die Menschen in ihrem Haus wohnen läßt ;)

Unser Labradormischling jedenfalls würde IMMER in JEDEN Napf gucken, egal wo er steht, und kann auch gut allein bleiben. Optimismus pur!
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login
Bitte melden Sie sich erst an, um einen Kommentar zu verfassen
zum Login
Buchtipp
Buchtipp

Holger Pyka
Versteht man, was du liest?
Praxisbuch für den Gottesdienst

zur Detailseite
Buchtipp

Holger Pyka
Versteht man, was du liest?
Praxisbuch für den Gottesdienst

zur Detailseite
Per E-Mail empfehlen