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Diakonie-Chef: Mehr für gleichwertige Lebensbedingungen tun

11. Oktober 2017

Der Präsident des evangelischen Wohlfahrtsverbands, Ulrich Lilie, warnt vor wachsenden sozialen Unterschieden in Deutschland und sieht die künftige Bundesregierung in der Pflicht.

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Nürnberg (epd). Der Präsident der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie, hat vor wachsenden sozialen Unterschieden in der Bundesrepublik gewarnt. Bei der Konferenz Diakonie und Entwicklung forderte Lilie am Mittwoch in Nürnberg von der zukünftigen Bundesregierung, die laut Grundgesetz gleichwertigen Lebensbedingungen besser in den Blick zu nehmen. Auch die EU müsse mehr gegen Armut und Ausgrenzung tun, sagte der Theologe.

Lilie wies darauf hin, dass bis zum Jahr 2020 60 Prozent der Landkreise in Deutschland mit Bevölkerungsschwund rechnen müssten. Während in Bayern und Baden-Württemberg viele junge Menschen lebten, müssten dann Bundesländer wie Sachsen-Anhalt oder Thüringen mit dem demografischen Wandel fertig werden. Im reichen Düsseldorf würden beitragsfreie Kindergärten angeboten, Kinderbetreuungseinrichtungen in Wuppertal dagegen müssten schließen, beschrieb er beispielhaft ungleiche Bedingungen im Land.

119 Millionen Menschen von Armut bedroht

Lilie forderte aber auch von der Europäischen Union, sich stärker für Armutsbekämpfung einzusetzen. Die EU habe nur dann eine Zukunft, wenn soziale und wirtschaftliche Belange das gleiche Gewicht hätten, sagte er. EU-weit seien derzeit 119 Millionen Menschen von Armut bedroht.

Von einer Steigerung der Spendeneinnahmen für "Brot für die Welt" in diesem Jahr berichtete die Präsidentin des Hilfswerks, Cornelia Füllkrug-Weitzel. Bis zum 30. September 2017 seien 43,5 Millionen Euro eingegangen. Dies seien 6,4 Prozent mehr als in den ersten neun Monaten des Vorjahrs.

Im Gottesdienst zur Eröffnung der Konferenz hatte der bayerische evangelische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, in seiner Predigt unterstrichen, dass der Einsatz für die Armen in der Gesellschaft eine Kernaufgabe der Kirche sei. Das evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung müsse in den Überlegungen "für eine profilierte und ausstrahlungsstarke Kirche" dazugehören.

Reichtum und Armut seien zu Zeiten von Jesus genauso wie in der Gegenwart "eine Geschichte von Macht und Ohnmacht", sagte Bedford-Strohm. Wer arm sei, erfahre die Ohnmacht, nicht das Nötige zum alltäglichen Leben zu haben, ungerechte Arbeitsbedingungen und den Ausschluss aus der Gesellschaft.

Kein Geld für Kino

Medien zeigten selten die aussagekräftigsten Bilder zu Armut, "weil sie nicht so spektakulär sind". Als Beispiel nannte der Bischof die Armut von Kindern, die nicht mit ihren Freunden ins Kino gehen können, weil die Eltern kein Geld haben. Bedford-Strohm mahnte, "innere und äußere Bilder über Armut" immer wieder zu überprüfen und gegebenenfalls neu auszurichten.

Auch die Sichtweise von Diakonie und "Brot für die Welt" habe sich verändert. "Wir sehen nicht mehr nur Opfer, um die man sich kümmern muss", sagte Bedford-Strohm. Heute sehe der Wohlfahrtsverband Menschen, "die befähigt werden, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen".

Am Donnerstag befasst sich die Konferenz mit ihren 112 Delegierten vertieft mit Fragen der sozialen Sicherheit. Hintergrund des Themenschwerpunktes sei, dass rund 80 Prozent der Weltbevölkerung ohne Absicherung gegen Folgen von Krankheit, Alter oder Erwerbslosigkeit leben, wie Füllkrug-Weitzel sagte. Gerade für Frauen müssten soziale Sicherungsansprüche besser rechtlich abgesichert werden.

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