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Deutschlands erste liberale Moscheegemeinde startet im Juni

12. Mai 2017

Die erste liberale Moschee Deutschlands soll im Juni in Berlin eröffnen. Dazu vermietet die Evangelische Kirchengemeinde Tiergarten in Berlin-Moabit einen derzeit nicht genutzten Gemeinderaum an die Ibn Rushd-Goethe Moschee gGmbH.

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Berlin (epd). Der Mietvertrag dafür wurde am Freitag unterschrieben, wie der Evangelische Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte mitteilte. In der modernen, liberalen Moscheegemeinde können Frauen und Männer gemeinsam und gleichberechtigt in einem Raum beten. Zudem soll das Freitagsgebet gemeinsam von einer Imamin und einem Imam vorgetragen werden.

Der Berliner evangelische Bischof Markus Dröge begrüßte die Gründung einer liberalen Moscheegemeinde. "Ich finde das sehr gut", sagte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz dem Evangelischen Pressedienst (epd). So werde sichtbar, "dass islamisches Leben bei uns in Deutschland vielfach auch geprägt ist von Menschen, die sehr liberal denken, die in unsere Gesellschaft gut integriert sind, aber sich von den bestehenden Verbänden kaum vertreten fühlen".

Finanziert über Spenden

Das erste Freitagsgebet in der Ibn Rushd-Goethe-Moschee ist für den 16. Juni 2017 geplant.

Initiiert wurde die erste liberale Moscheegemeinde von der Juristin und Frauenrechtlerin Seyran Ates. Benannt ist sie nach dem im andalusischen Cordoba geborenen arabischen Islamgelehrten, Philosophen und Arzt Ibn Rushd (1126-1198) und nach Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), der unter anderem die Gedichtsammlung "West-östlicher Divan" verfasst hat. In Berlin gibt es Schätzungen zufolge rund 100 Moscheegemeinden verschiedener islamischer Strömungen.

Zur Vertragsunterzeichnung am Freitag betonte Superintendent Bertold Höcker: "An diesem Standort soll exemplarisch respektvolle Nachbarschaft, Dialogfähigkeit und gegenseitige Wertschätzung vorgelebt werden." Besonders die monotheistischen Religionen wie Islam und Christentum seien zur Bewahrung des Friedens aufgerufen.

Höcker hatte den Angaben zufolge auch den Kontakt zwischen der Kirchengemeinde Tiergarten und der Initiatorin der Moscheegemeinde, Ates, vermittelt. Detaillierte Pläne, was die konkrete Zusammenarbeit zwischen Moscheegemeinde und Kirchengemeinde angeht, gibt es derzeit noch keine, hieß es weiter.

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Leser-Kommentare öffnen

Matthäus53, 14. Mai 2017, 13:24 Uhr


Es wäre auch interessant zu wissen, ob die in der Moschee nur in arabisch gebetet werden soll oder grundsätzlich nur in deutscher Sprache ?
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Atlantica, 15. Mai 2017, 17:27 Uhr


Ich sehe es aehnlich wie Bischof Droege und begruesse ausdruecklich seine wohlwollend liberale Gesinnung. - Was ich NICHT verstehen kann, dass in unseren christlichen Kreisen nach wie vor von der Bibel als "Wort Gottes" ausgegangen wird.
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Alwite, 16. Mai 2017, 1:37 Uhr


Sofort fielen mir nicht nur Goethes fernöstlicher Divan als auch ein Palmström-Gedicht von Christian Morgenstern das mit den Zeilen:

daß man mit der Erdumdrehung
schlafen müsse, mit den Pfosten
seines Körpers strikt nach Osten.
Und so scherzt er kaustisch-köstlich:
„Nein, mein Divan bleibt – westöstlich!“

endet ein:-)
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