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Der Online-Bauernmarkt

20. November 2017

Sie bestellen ihre Waren im Internet und holen sie dann ein paar Tage später bei der "Marktschwärmerei" ab: Rund 10.000 Menschen in Deutschland nutzen das Online-Angebot kleiner regionaler Erzeuger.

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Online-Bauernmarkt in Heilbronn

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Frankfurt a.M. (epd). Es ist nasskalt, trüb und schon dunkel am Freitagabend, als die Heilbronner "Marktschwärmerei" öffnet. In kleinen Grills werden Holzscheite entzündet, es brennen Kerzen. Heinrich Leutenberger von der Slow-Food-Bewegung ist gerade dabei, die Tische am Eingang der Bio-Gärtnerei Umbach vorzubereiten. Heimelig wirkt es, als die ersten Kunden kommen, um ihre Ware abzuholen, die sie zuvor im Internet bestellt haben.

Denn das ist die Idee der Initiative "Marktschwärmer": Man bestellt über eine Internet-Plattform Lebensmittel von regionalen Erzeugern, bezahlt online und holt die Produkte - Obst, Gemüse, Fleisch, Wurst, Eier, Bier, Wein, Aufstriche und Feinkost - dann zu einem festgelegten Termin ab.

"Bislang haben wir elf Erzeuger aus der näheren Umgebung mit dabei", sagt Gärtner Klaus Umbach, der zusammen mit Leutenberger die frisch gestartete Heilbronner Marktschwärmerei organisiert. "Das Angebot soll landwirtschaftlichen Erzeugern aus der Region faire Preise ohne Zwischenhändler und direkten Kontakt mit den Kunden ermöglichen", sagt Umbach.

Über das Netz werden neue Kunden erreicht

Biohof-Inhaber Thomas Lang verteilt Gemüse und Kartoffeln in Tüten abgepackt an seine Kunden - und selbst gebrautes Bier. "Über das Netz erreichen wir eine Kundschaft, die wir so noch nicht hatten", sagt er, während er seinem Kunden Achim Rauch dessen bestellte Kartoffeln übergibt. Dem gefällt das Modell: "Ich kann im Internet in Ruhe bei mehreren Anbietern etwas aussuchen und das dann zwei oder drei Tage später mit meinem Fahrrad abholen - und dabei noch erfahren, wie und wo das angebaut wird."

Insgesamt gibt es in Deutschland derzeit 41 geöffnete "Schwärmereien" und 68, die gerade aufgebaut werden, wie Volker Zepperitz berichtet, der deutschlandweite Projektleiter in Berlin. "Mit der Kombination aus Online-Shop und Bauernmarkt bringt unser Projekt Verbraucher und Erzeuger von regionalen Lebensmitteln auf einem ganz neuen Weg zusammen."

Die Online-Plattform ermögliche einen direkten Vertriebsweg auch für kleine Erzeuger und für die Kunden einen Zugang zu hochwertigen, regionalen Produkten. "Und im Gegensatz zu einem traditionellen Wochenmarkt kommt eben nur die bestellte Ware an den jeweiligen Regionalmarkt und nichts muss hinterher weggeworfen werden, weil es nicht verkauft wurde."

Anlaufstelle für Erzeuger und Käufer

Jana Lang organisiert die "Marktschwärmerei" in Düsseldorf: Seit knapp einem halben Jahr bietet die 29-Jährige auf dem Büro- und Gebäudekomplex "Factory Campus" jeden Donnerstag eine Anlaufstelle für Erzeuger und Kunden an. "Ich habe zehn Wochen gebraucht, bis alles organisiert war, mittlerweile machen 20 regionale Erzeuger mit", sagt sie. Gut 600 Mitglieder hätten sich bereits registriert, zwischen 20 und 25 Bestellungen nimmt sie pro Woche auf. Allerdings: "Viele sind Mitglied, weil sie die Idee einfach gut finden, doch wir haben noch zu wenige aktive Nutzer."

"Man muss sehr geduldig sein", sagt auch Wilfried Hanekamp in Osnabrück. Der Organisator der dortigen "Marktschwärmerei" hat inzwischen mehr als 650 registrierte Mitglieder, aber nur 100 bis 150 aktive Nutzer des Angebots. Insgesamt sind nach Angaben von Zepperitz deutschlandweit rund 580 Erzeuger und 44.000 Nutzer registriert, 10.000 davon sind Kunden.

Wie ein Bienenstock

Die Idee stammt ursprünglich aus Frankreich: Im Jahr 2010 wurde das Projekt unter dem Namen "La Ruche Qui Dit Oui" ('Der Bienenstock, der ja sagt') gestartet. Die erste "Schwärmerei" öffnete in Toulouse - mit dem Ziel, "ein nachhaltigeres Konsumverhalten zu unterstützen und eine Art des Wirtschaftens zu fördern, die mehr Partizipation aller Beteiligten erlaubt", wie Volker Zepperitz sagt. In Frankreich arbeiteten mittlerweile mehr als 770 "Schwärmereien".

Lokale Teams haben sich in ganz Europa gegründet: In Belgien, Großbritannien, Spanien, Italien, Dänemark, in den Niederlanden und der Schweiz. Die erste deutsche "Schwärmerei" wurde im Juli 2014 in Berlin eröffnet.

"Wollen Sie mal Goji-Beeren probieren?", fragt Tamara Renner die vorbeilaufenden Kunden der Heilbronner "Marktschwärmerei". Birgit Kühnle von der Hofmetzgerei Mack sucht derweil das bestellte Päckchen von Kundin Regine Bäuerle heraus: Würste, Speck, Lachsschinken und Rostbraten. Sie hat vor zwei Tagen bestellt, checkt noch mal die Order an ihrem Handy. "Ich will einfach frische Ware haben. Deshalb finde ich diese Idee auch so sympathisch mit den Marktschwärmern", sagt Bäuerle.

epd rik jup

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