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Klara Kletzka überreicht einer Familie die Blindenstöcke für die Tour durch die Ausstellung "Blinder Passagier".
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«Blinder Passagier» im Museum

13. Juli 2017

Besucher des Frankfurter Dialog-Museums reisen durch ein unbekanntes Land. In absoluter Dunkelheit sammeln sie landestypische Eindrücke durch Hören, Tasten, Riechen und Schmecken. Wo sie waren, gilt es zu erraten.

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Klara Kletzka überreicht einer Familie die Blindenstöcke für die Tour durch die Ausstellung "Blinder Passagier".

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Frankfurt a.M. (epd). Am Eingang des Parcours drückt der Geschäftsführer des Dialog-Museums, Matthias Schäfer, jedem Reisenden einen Blindenstock in die Hand. Der 50-jährige Dieburger, der nur noch rund zwei Prozent Sehvermögen hat, muss zum Start des Sommerprogramms als "Guide" aushelfen. Nach dem Kennenlernen geht es ab in den dunklen Bauch des Museums. Schäfer geht voran, seine sonore Stimme weist den Weg.

Zunächst lässt er die Besucher einen Baumstamm mit glatter Rinde ertasten. Dann lotst er sie zu einem plätschernden Brunnen, wo er ihre Hände benetzt, und gibt dezente Hinweise auf eine Tierstatue. Über einige Stufen führt die Tour in einen Raum, in dem gepolsterte Bänke zum Ausruhen einladen. Nach wenigen Minuten beginnt ein Trommelwirbel, der zum Fingerschnipsen und zum Tanzen animiert und im Kopf reihenweise Bilder von strahlenden Menschen in farbenfrohen Kleidern produziert. Zudem lassen die in die Bänke eingebauten Lautsprecher den Körper regelrecht vibrieren.

Zum Abschied ein landestypisches Getränk

Von dem Klangraum aus folgen die Besucher dem Reiseführer in einen Raum mit duftendem Tee und auf einen Markt in einer großen Stadt, wovon Stimmengewirr und Verkehrslärm zeugen. Sie gehen vorbei an Ständen mit würzigen Kräutern, duftenden Blumen und merkwürdig geformten Früchten in eine Ein-Personen-Wohnwabe mit Bett und Personalcomputer. Die Tour endet nach etwa einer Stunde in der "DunkelBar", wo zum Abschied ein landestypisches Getränk wartet.

"'Blinder Passagier' ist eine einstündige oder anderthalbstündige imaginäre Reise in ein bestimmtes Land und natürlich immer zu sich selbst", sagt die Geschäftsführerin Klara Kletzka über das Sommerspecial des Hauses, bei dem das Ziel bis zum Ende unbekannt bleibt. "Mit etwas Glück können die Besucher am Ende bei einer Verlosung tätsächlich den Koffer packen und eine wirkliche Reise antreten."

Sommerprogramm ist sehr beliebt

Das Sommerprogramm des integrativen Museums ist ein Renner. Es wurde 2006, ein halbes Jahr nach der Eröffnung des Museums, mit rund 2.000 Gästen gestartet und führte in die Türkei. Den Höhepunkt erlebte das Programm 2011. Damals reisten immerhin 7.400 blinde Passagiere nach Australien. In den vergangenen beiden Jahren entschieden sich jeweils 5.600 Besucher für die Reiseziele Kuba und Schottland.

"Wir brauchen die Einnahmen aus diesem Programm dringend", sagt Co-Geschäftsführer Schäfer. Das Dialog-Museum sei ein privat geführtes soziales Unternehmen, das 80 Prozent seiner Einnahmen aus dem Ticketverkauf, aus Workshops und anderen Veranstaltungen erwirtschafte. 2016 seien rund 1,3 Millionen Euro umgesetzt worden, die Stadt Frankfurt habe lediglich 100.000 Euro dazugegeben.

Schwierige Finanzlage

Die Finanzsituation werde sich auch künftig kaum verbessern, fürchtet Schäfer. Schuld sei der hohe Mietpreis am Standort des Museums unweit der Europäischen Zentralbank. 17,50 Euro Warmmiete pro Quadratmeter zahle die Dialog-GmbH derzeit, das Schwesterunternehmen in der Hamburger Speicherstadt nur die Hälfte. Deshalb wolle das Frankfurter Unternehmen den Vertrag so bald wie möglich kündigen und 2019 an einen neuen Standort umziehen.

Von den 43 Beschäftigten in Frankfurt seien 14 blind oder stark sehbehindert, sagt Schäfer. Sie gehörten zum festen Team und führten die Besucher in acht verschiedenen Sprachen durch die ständige Ausstellung und das Sommerprogramm. Leider stünden immer weniger sehbehinderte Menschen als "Guides" zur Verfügung. Dafür gebe es allerdings eine erfreuliche Erklärung: die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt.

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 13. Juli 2017, 12:06 Uhr


So etwas kann eine tolle Erfahrung sein.
An der Blindenschule unseres Sohnes haben die Schüler vor Jahren ein Dunkelcafé organisiert. Die Besucher wurden in absoluter Dunkelheit von Schülern in Empfang genommen und zu einem freien Platz geleitet. Das war sicher leichter, als den Platz selber zu finden, aber sich so ganz komplett auf einen Unbekannten zu verlassen, war doch nicht einfach. Dann konnte man bei den Schülern etwas bestellen, bekam es zielsicher serviert und mußte in der Dunkelheit mit Besteck zurechtkommen, unfallfrei seine Kaffeetasse finden und alles möglichst ohne Kleckern an den Mund führen. Es war sehr still, wohl, weil sich alle sehr auf Essen und Trinken konzentrieren mußten.
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