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Bundespräsident Joachim Gauck (zweiter von rechts) und die evangelische Theologin Margot Käßmann (rechts).
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Käßmann will nicht Bundespräsidentin werden

12. Oktober 2016

Margot Käßmann will das höchste Amt im Staat nicht. Am Mittwoch beendete sie Spekulationen mit einer Absage. SPD-Chef Sigmar Gabriel wollte die Theologin offenbar als Kandidatin fürs Schloss Bellevue gewinnen.

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Bundespräsident Joachim Gauck (zweiter von rechts) und die evangelische Theologin Margot Käßmann (rechts).

Berlin (epd). Die Spekulationen waren am Mittwoch schnell beendet. Laut einem Bericht der Funke Mediengruppe wollte SPD-Chef Sigmar Gabriel die evangelische Theologin Margot Käßmann als Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl 2017 gewinnen. Gerüchte um einen neuen Vorstoß für ein rot-rot-grünes Bündnis gingen um, weil Käßmann als wählbar für SPD, Linke und Grüne gilt. Am Nachmittag machte Käßmann der Spannung ein Ende: "Es ehrt mich, dass mein Name im Zusammenhang mit dem höchsten Amt im Staat genannt wird. Allerdings stehe ich für dieses Amt nicht zur Verfügung", sagte sie.

Dabei war bereits nach dem Bericht der Funke-Zeitungen zweifelhaft, ob sie zum Antreten gewonnen werden könnte. Käßmann, die derzeit als Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das 500. Reformationsjubiläum 2017 wirbt, gab demnach Gabriel im ersten Anlauf bereits einen Korb. Zudem hatte die frühere hannoversche Bischöfin mehrmals angekündigt, sich nach dem Reformationsjubiläum in den Ruhestand zurückziehen zu wollen.

Zustimmung bei Linken und Grünen

Dem Bericht zufolge sollte es aber ein weiteres Gespräch zwischen Käßmann und Gabriel geben. Die SPD-Parteizentrale äußerte sich zu den Berichten am Mittwoch nicht.

Käßmanns Name fiel allerdings auch nicht zum ersten Mal in der Debatte ums höchste Staatsamt. Ebenso wie der frühere EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber, der in der aktuellen Debatte auch bereits wieder gehandelt wurde, wurde sie schon bei der Präsidentenwahl 2012 genannt. Damals ging der heutige Amtsträger Joachim Gauck ins Rennen - ebenfalls ein evangelischer Theologe, der vor der Wiedervereinigung Pfarrer in Rostock war.

Mit der Absage Käßmanns dürften am Mittwoch bis auf weiteres auch wieder Hoffnungen bei den Linken und Grünen verpufft sein, die gemeinsam mit der SPD gegen die Union einen Bundespräsidenten wählen wollen. Bei ihren Vertretern stieß der Vorschlag, Käßmann zur Kandidatin zu machen, zumindest auf Zustimmung.

Wahl am 12. Februar

Der Linkspartei-Vorsitzende Bernd Riexinger sagte der "Berliner Zeitung" (Donnerstagsausgabe): "Wir wollen eine Kandidatin oder einen Kandidaten, der weltoffen ist, für soziale Gerechtigkeit und eine friedliche Außenpolitik steht. Das würde zweifelsfrei auf Frau Käßmann zutreffen." Grünen-Chefin Simone Peter bezeichnete Käßmann im "Tagesspiegel" (Donnerstagsausgabe) als "starke Persönlichkeit", betonte zugleich aber auch, in der Frage sei noch nichts entschieden.

Die Bundesversammlung wählt am 12. Februar ein neues Staatsoberhaupt. Gauck will aus Altersgründen nicht für eine zweite Amtszeit antreten. Margot Käßmann war bis 2010 Ratsvorsitzende der EKD und hannoversche Landesbischöfin. Von beiden Ämtern trat sie nach einer Alkoholfahrt am Steuer ihres Dienstwagens zurück.

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Leser-Kommentare öffnen

Paperback, 12. Oktober 2016, 13:49 Uhr


Ach, Du meine Güte.
Reicht es denn für unser höchstes Staatsamt schon, sich permanent ins Gespräch zu bringen?

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Ulrich Keßler, 12. Oktober 2016, 17:40 Uhr


Lieber Paperback,
sie ist so klug, abzulehnen.
Gabriel war es nicht, als er ihren Namen (zu früh) ins Spiel brachte
und zur Diskussion frei gab.
Warten wir also ab, wer am Ende wirklich kandidiert.
Ich finde, es sollte jemand sein, der* über große politische Erfahrung und Klugheit und ein hohes Ansehen verfügt.
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Atlantica, 12. Oktober 2016, 18:57 Uhr


Liebe Leute, was ist in diesem Zusammenhang klug? Wenn ich darüber nachsinne, finde ich Gabriels Vorschlag auf den ersten Blick befremdlich, auf den zweiten nicht unklug. Könnte Margot Käßmann damit doch neue Autorität gewinnen. Doch vermutlich will sie dies gar nicht, was ich auch wieder gut finde.

Ulrich Keßler, 12. Oktober 2016, 19:18 Uhr


Lieber Atlantica,
klug ist in diesem Zusammenhang zum Beispiel, eine Sache, wie die Kandidatur Käßmann, erst dann ins Gespräch zu bringen, wenn die Angefragte, nach der erbetenen Bedenkzeit, zugesagt hat. Gabriel ist aber nicht nur nicht klug gewesen, sondern auch unfair, denn er hat Frau Käßmann völlig unnötig einer öffentlichen Diskussion über ihre Person ausgesetzt!
Angesichts dessen nenne ich es wiederum klug, dass Frau Käßmann abgesagt hat, denn so kann man nicht mit sich umgehen lassen. Ich weiß aber natürlich nicht, ob das bei ihrer Entscheidung auch eine Rolle gespielt hat!
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Paperback, 12. Oktober 2016, 21:11 Uhr


Atlantica,

Du schreibst:

"Könnte Margot Käßmann damit doch neue Autorität gewinnen. Doch vermutlich will sie dies gar nicht, was ich auch wieder gut finde."

Wen wundert`s, dass ich das anders sehe. Aber, um BP zu werden, muss man bereits Autorität besitzen. Dieses Amt eignet sich nicht als Übungsfeld.

Gruß

Paperback
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Ruckzuck, 13. Oktober 2016, 11:50 Uhr


Ich hielte MK für eine hervorragende Kandidatin fürs Amt. Aber ich bewundere ihre Klarheit und Stärke, der Verlockung nicht nachzugeben. Wieviele andere Promis täten/tun das?
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Paperback, 13. Oktober 2016, 13:49 Uhr


Es wird nicht wundern, aber ich bin heilfroh, dass uns eine Bundespräsidentin Käßmann erspart bleibt.
Von dieser Dame würde ich mich nicht repräsentiert fühlen.

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Alwite, 14. Oktober 2016, 10:44 Uhr


Wer wie Margot Käßmann, all die ungeprüften Behauptungen in Form von Anfeindungen ohne verbittert zu werden aushält, ist eines repräsentiven Amtes offensichtlich befähigt. Frau Käßmann lernte ich vor Jahren persönlich als sehr verletzlichen Menschen kennen. Seit her schätze ich sie um so mehr.
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