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Evangelische Kirche empört über AfD-Auftritt von Ex-Pfarrer in Talar

23. Dezember 2016

Nach dem Berliner Weihnachtsmarkt-Anschlag protestiert die AfD vor dem Kanzleramt gegen die Flüchtlingspolitik. Mit dabei: ein Mann im Talar. Dieser sei kein Pfarrer mehr, stellt die Kirche nun klar, und wirft ihm den Missbrauch von Amtskleidung vor.

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Heinrich Bedford-Strohm

Dresden (epd). Die evangelische Kirche ist empört über den Auftritt eines früheren Pfarrers in Talar auf einer AfD-Kundgebung. "Der Missbrauch von Amtskleidung auf einer Rechtsaußen-Veranstaltung kurz nach der fürchterlichen Gewalttat von Berlin ist ein wirklicher Affront", kritisierte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, in einem Eintrag auf seiner Facebook-Seite. Zuvor hatte bereits die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens den Auftritt missbilligt. Sie plant aber vorerst keine Strafanzeige.

Thomas Wawerka, der am Mittwochabend bei einem AfD-Protest gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung vor dem Kanzleramt aufgetreten war, sei Pfarrer auf Probe in der sächsischen Landeskirche gewesen. Das Dienstverhältnis sei im August beendet worden, hieß es. Das Landeskirchenamt missbillige, dass Wawerka bei der Kundgebung den Eindruck eines amtierenden evangelischen Pfarrers und Vertreters der Kirche erweckt habe.

"Extreme Kräfte"

Bedford-Strohm sprach von einem Affront gegenüber den rund 20.000 Pfarrern in Deutschland, die nach dem Anschlag mit zwölf Toten Trauerarbeit leisten. "Wir wollen bei den Trauernden sein und nicht bei denen, die Zwietracht säen", erklärte der oberste Repräsentant der deutschen Protestanten am Donnerstagabend: "Es ist entlarvend, zu welch schlimmen Mitteln extreme Kräfte greifen, nur um aus Not und Unglück anderer ihr Kapital zu schlagen!"

Wie die Landeskirche am Freitag auf epd-Anfrage mitteilte, sieht sie eine strafrechtliche Verfolgung der Beteiligung Wawerkas an der AfD-Kundgebung als "klare Angelegenheit der Staatsanwaltschaft". Strafanzeige könne generell jede Person erstatten. Außerdem könne die Staatsanwaltschaft von Amts wegen tätig werden, wenn sie von einem Verstoß gegen Paragraf 132a StGB (Missbrauch von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen) Kenntnis erhalte. Die Landeskirche werde Wawerka über die rechtliche Dimension seines Verhaltens informieren und nochmals darauf hinweisen, dass er nicht mehr zum Tragen des Talars berechtigt sei.

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 23. Dezember 2016, 10:38 Uhr


Falls die Kirche eine Möglichkeit für Sanktionsmaßnahmen hat, sollte sie sie unbedingt nutzen. Mißbrauch von Amtskleidung ist Amtsanmaßung und damit kein Kavaliersdelikt.

Atlantica, 24. Dezember 2016, 7:40 Uhr


"Zuvor hatte bereits die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens den Auftritt missbilligt. Sie plant aber vorerst keine Strafanzeige."

Da wird es schwierig. Nehmen wir die Forderung Jesu der Feindesliebe. Kann oder soll man dann, Schallblech, eine Bestrafung fordern? Was heißt in diesem Zusammenhang christlich? Doch, hier besteht die absolute Forderung auf, sich nicht der "Gewalt" zu bedienen. Es ist schwer zu verstehen, doch eine Anzeige wäre gar nicht möglich, oder?

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Schallblech, 24. Dezember 2016, 12:00 Uhr


Hier gehts erstmal nicht um christliches Verhalten oder Feindesliebe, sondern um eine Beleidigung der Kirche und aller, die dazu gehören und sich von radikalen und/oder populistischen Parteien distanzieren. Das ist nicht hinzunehmen.
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Atlantica, 24. Dezember 2016, 12:04 Uhr


Schallblech, ich erlebe täglich Dinge, die "nicht hinzunehmen" sind. Aber ich führe keine Prozesse. Zum Christsein gehört die Bereitschaft zur Friedfertigkeit.

EG "Schreckt dich der Menschen Widerstand, bleib ihnen dennoch zugewandt"!

Friede auf Erden!
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