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Balkan-Flüchtlinge bleiben im Regensburger Dom

6. Juli 2016

Der Regensburger Dom als Zufluchtsort für Balkan-Flüchtlinge und Roma: 45 Frauen, Männer und Kinder aus Albanien, Mazedonien, Serbien und dem Kosovo sind seit Dienstag in der Kathedrale inmitten der Altstadt untergebracht.

Die Flüchtlinge hatten am Dienstag den Dom besetzt, um sich ihrer drohenden Abschiebung zu widersetzen. Mit ihrem stillen Protest wollen die Flüchtlinge ein Bleiberecht erreichen, zudem demonstrieren sie gegen die Anerkennung von Balkanstaaten als sichere Herkunftsländer.

"Geduldete Präsenz"

Die Flüchtlinge, darunter viele Kinder, werden auch die nächsten Tage wohl im Dom verbringen. "Die Menschen bleiben hier", sagte der Generalvikar des Bistums, Michael Fuchs, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dabei handele sich nicht um ein Kirchenasyl, sondern um eine "geduldete Präsenz", wie er betonte. Die Kirche werde sich um ihre Belange kümmern, das Humanitäre stehe dabei im Vordergrund. Mit der Polizei sei vereinbart worden, dass die Beamten nicht einschreiten werden. In unregelmäßigen Abständen beobachteten Polizisten die Lage vor Ort, bestätigte ein Polizeisprecher.

Der Generalvikar hatte am Mittwoch mit den Flüchtlingen über ihre Lage gesprochen. Neben Essen und Trinken sicherte er ihnen zu, dass drei Asylsozialberater der Caritas in den Dom kommen werden, die ihre Asylanträge überprüfen sollen und die Betroffenen beraten. Die zuständigen Behörden sind laut Fuchs über die kirchliche Hilfe informiert worden. Der Generalvikar machte jedoch klar, dass die Kirche auf die politische Entscheidung über Asylbewilligung oder Abschiebung nur begrenzt Einfluss habe. Es werde noch nach einer Lösung gesucht. Es sei noch offen, wie es mit den Flüchtlingen weiter gehen wird. Auch sehe das Bistum keine Möglichkeit, die Gruppe in anderen Häusern unterbringen zu können.

Flüchtlingssprecher Asanowski hofft dagegen auf kirchlichen Beistand. "Wir haben uns entschlossen, in die Kirche zu gehen, zu Leuten Gottes, damit sie über unsere Zukunft entscheiden." Nach seinen Angaben sollen alle Protestteilnehmer abgeschoben werden. Alle hätten einen Abschiebebescheid erhalten. In ihre Heimatländer könne aber keiner von ihnen zurück. Roma-Kinder könnten dort nicht zur Schule gehen, schwerstkranke Menschen könnten nicht ärztlich behandelt werden oder erhielten nicht die richtigen Medikamente. "Wir sind gekommen, um Hilfe zu erhalten." Asanowski gehört zu der Initiative "Romano Jekipe Ano" aus Hamburg, die sich für die Belange der Roma in Deutschland einsetzt.

"Wir können nicht zurück"

Andere Flüchtlinge berichten von schlimmen Zuständen in den bayerischen Rückführungszentren. Haustiere lebten besser als die Menschen dort, sagte eine 27-jährige Frau und zweifache Mutter, die von einem "kasernierten Lagerleben" erzählt. 17 Monate hatte sie mit ihrer Familie zunächst in Eichstätt und später in Manching bei Ingolstadt verbracht. "Wir leben seit Jahren in Angst", ergänzte sie.

Sie wurde in Deutschland geboren und ist hier zur Schule gegangen, mit zwölf Jahren wurde sie mit ihren Eltern erstmals in den Kosovo abgeschoben. Wenn das Land wirklich sicher sei, müssten dort keine fremde Soldaten stationiert sein. "Wir können nicht zurück, wir haben keine andere Chance, als hier zu bleiben." Die junge Frau ist nach eigenen Angaben selbst schwer an einem Tumor erkrankt.

Über die Aktion der Flüchtlinge informieren freiwillige Helfer Besucher an einem Stand vor dem Dom. Die Gruppe wird in den nächsten Tagen auch Getränke und Essen verteilen, das die Caritas liefert.

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 7. Juli 2016, 10:15 Uhr


Nach welchen Gesichtspunkten wird eigentlich entschieden, welche Länder sichere Herkunftsländer sind? Anscheinend wird da nur ganz allgemein draufgeschaut. Wie mit Minderheiten umgegangen wird, scheint mir kein Thema zu sein. Umso wichtiger wäre auch bei Balkanflüchtlingen die Einzelprüfung!
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