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Talar mit Taille

16. Januar 2017

Die Reformation gelang vor 500 Jahren auch durch die tatkräftige Unterstützung von Frauen. Doch es dauerte noch rund 400 Jahre, bis die Evangelische Kirche Frauen zum Pfarrdienst zuließ. Die Entwicklung zeigt eine neue Schau im Frauenmuseum in Bonn.

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Bonn (epd). Eine Frau im Talar? Noch in den 1950er Jahren war das für viele evangelische Christen undenkbar. Wohl um der Vorstellungskraft des Kirchenvolks auf die Sprünge zu helfen, fertigte Pfarrvikarin Änne Kaufmann 1952 Entwürfe von Talaren für Pfarrerinnen an. Wesentlicher Unterschied zu den Herren-Modellen: Die abgesetzte Taille, ganz im Chic der 1950er Jahre. Mühsame Versuche auf dem Weg der Frauen ins Pfarramt. Und das, obwohl sie schon rund 400 Jahre zuvor bei der Reformation kräftig mitgemischt hatten.

"Die wenigsten Menschen wissen aber, dass es auch Reformatorinnen gab", sagt Marianne Pitzen, Direktorin des Frauenmuseums. Die Ausstellung "Katharina von Bora - von der Pfarrfrau zur Bischöfin, die Geschichte der weiblichen Reformation - Künstlerpaare" will deshalb den langen Weg der Frauen zur Gleichberechtigung in der evangelischen Kirche nachzeichnen.

Mehr Gleichberechtigung

Zunächst habe sich mit der Reformation auch für die Frauen eine Tür zu mehr Gleichberechtigung in Glaubensdingen geöffnet, sagt Kuratorin Bettina Bab. Das neue Bibelverständnis, nach dem alle Christen direkt vor Gott stehen und Zeugnis über sich und ihren Glauben ablegen, habe auch Frauen neue Handlungsspielräume eröffnet. Die Übersetzung der Heiligen Schrift ins Deutsche gab zudem mehr Frauen die Möglichkeit, sich profundes Bibelwissen anzueignen.

"So verfassten Frauen nun Katechismen, religiöse Erbauungsbücher oder Kirchenlieder", erklärt Bab. Andere setzten sich tatkräftig für die Reformation ein. Allen voran stellt die Schau die Ehefrau des Reformators Martin Luther, Katharina von Bora, vor. Sie galt als Geschäftsführerin des Hauses Luther. "Sie hat jeden Tag mindestens 50 Leute beköstigt", sagt Pitzen. Denn im Haus hielten sich stets zahlreiche Studenten und Reformatoren auf. Vor allem die Briefe Luthers an seine Frau dokumentierten ihre gleichberechtigte Rolle in der Ehe.

Daneben fällt der Blick auch auf weniger bekannte Verfechterinnen der Reformation. So zum Beispiel die bayerische Adelige Argula von Grumbach, die seit 1522 mit Luther korrespondierte. Sie setzte sich unter anderem tatkräftig für den jungen Theologen Seehofer ein, der an der Universität Ingolstadt reformatorische Vorlesungen hielt.

Auch Katharina Zell, Ehefrau des Predigers des Straßburger Münsters, mischte sich in Glaubensdispute ein. Sie predigte sogar und setzte sich für Glaubensflüchtlinge ein. Jacqueline de Rohan, die nach dem Tod ihres Mannes Regentin von Neuchatel in der Schweiz wurde, unterstützte die Reformation aktiv. Sie setzte reformierte Pfarrer ein und überließ ihnen katholische Kirchen, gestattete aber zugleich Katholiken weiterhin ihren Glauben.

Mühsamer Weg ins Pfarramt

Doch die neuen Mitwirkungsmöglichkeiten in Glaubensfragen führten noch lange nicht zur Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche. Nach dem Religionsfrieden von Augsburg 1555 habe jede Konfession ihre eigenen Universitäten bekommen, sagt Bab. "Frauen hatten aber keinen Zugang zum Studium und daher auch keine Möglichkeit, theologisch zu lehren."

Erst rund 400 Jahre später bahnten sich Frauen mühsam ihren Weg ins Pfarramt. Das Pfarrvikarinnengesetz der Evangelischen Kirche der Union von 1952 ermöglichte den Gliedkirchen, ordinierte Pfarrvikarinnen mit vollem Auftrag in den Landgemeinden einzusetzen. Doch es dauerte noch Jahrzehnte, bis die Theologinnen ihren männlichen Kollegen in allen Landeskirchen gleichgestellt waren. Und erst 1992 konnte Maria Jepsen in Hamburg als weltweit erste lutherische Bischöfin ihr Amt antreten.

Die Ausstellung wird in einem zweiten Teil ergänzt durch Arbeiten von aktuellen Arbeiten zum Thema "Paare in der Kunst". Ausgangspunkt sind die Doppelporträts von Lucas Cranach d. Ä. von Martin Luther und seiner Ehefrau Katharina von Bora. Zu sehen sind Werke von 17 Künstlerpaaren.

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 13. Januar 2017, 16:39 Uhr


Wenn über eine Ausstellung berichtet wird - was ja auch Werbung sein soll - ist es hilfreich, ohne Ratespiel zu erfahren, wo diese stattfindet. Die Information, woher der Artikel kommt, nämlich Bonn, gibt einen Hinweis, ein Zweiter befindet sich in der Bildunterschrift. Um mehr zu erfahren, müßte ich jetzt gugeln, mach ich aber nicht, sondern klicke es einfach als überflüssig weg.
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Atlantica, 16. Januar 2017, 14:16 Uhr


Ist mir noch gar nicht aufgefallen, dass die Talare für Frauen anders geschnitten sind.
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