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Alle Jahre wieder: Die Weihnachtsstress-Falle

5. Dezember 2016

Trotz aller guten Vorsätze klappt es meist dann doch nie, die Hektik im Advent zu vermeiden. Kein Zufall, sagt Soziologe Bastian Roet: Der Weihnachtsstress zeigt, dass uns das Fest wichtig ist - und das Reden darüber gehört zum Small Talk.

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(Einkaufs-)Stress im Advent

Köln/Mannheim (epd). Beim Thema Weihnachten fällt Sonja Müller zuallererst das Wort Stress ein: "Die Adventszeit empfinde ich immer als die anstrengendste Phase des ganzen Jahres." Mit drei Kindern rotiert sie schon ab November: Plätzchen backen, Adventskalender basteln, Klassenräume schmücken, Weihnachtsfeiern in der Schule, bei der Arbeit und im Sportverein. "Und auf ihre Wunschzettel schreiben alle drei immer dick unterstrichen: 'Viele Überraschungen'. Aber die muss man auch erst einmal finden", stöhnt die Kölnerin.

Je näher das Fest rückt, desto höher steigt der Weihnachtsstresspegel - muss es denn wirklich jedes Jahr so sein? Theoretisch weiß jeder, wie man es machen sollte: Die Geschenke am besten schon im Oktober besorgen, die Plätzchen im November backen. Die Vorbereitungen für das Weihnachtsessen auf möglichst viele Helfer verteilen. Und die Tickets für die Weihnachtsbesuche schon dann buchen, wenn es noch günstige Verbindungen gibt. Allerdings scheint das bei den meisten dann doch nie zu klappen. Liegt es an der Trägheit? Ist es Aufschieberitis?

Strenger innerer Antreiber

"Der Plan, die Weihnachtsvorbereitungen im nächsten Jahr früher anzugehen, ist ein frommer Vorsatz, aber das allein reicht nicht aus, um Stress zu vermeiden", sagt die Psychologin Claudia Jessen aus Mannheim. Stress sei einfach auch typbedingt: Was den einen stresse, müsse für den anderen noch lange keine Belastung sein. "Es gibt Menschen, die machen sich einfach mehr Druck als andere, die haben eben einen besonders strengen inneren Antreiber."

Bastian Roet vom Berufsverband Deutscher Soziologen findet, dass vor Weihnachten zwischen gefühltem und kommuniziertem Stress zu unterscheiden ist: "Wir alle neigen dazu, viel darüber zu reden. Das gehört mit zur Kommunikation mit anderen, zum Small Talk, zum guten Ton. Letztendlich betonen wir damit aber auch unsere eigene Wichtigkeit." Nach dem Prinzip: Wer viel Weihnachtsstress hat, ist jemand, der beliebt und eingebunden ist und an Weihnachten an viele Familienmitglieder und Freunde zu denken hat. "Wir vergewissern uns der eigenen Position, indem wir darüber reden."

Der Vorsatz, möglichst früh mit den Weihnachtsvorbereitungen zu beginnen, sei schön und gut, findet der Soziologe: "Aber im Oktober denkt man oft noch an den vergangenen Sommer zurück und will sich ganz bestimmt noch nicht mit Weihnachten befassen." Über die im Supermarkt schon ab September angebotenen Lebkuchen rege man sich gern auf.

Bedeutung des Weihnachtsfestes

Aber spätestens ab Ende November schmeckten sie dann eigentlich doch ganz gut. "Je näher der Dezember rückt, desto mehr verschiebt sich die eigene Wahrnehmung: Der Anspruch an soziale Beziehungen steigt und auch die Wichtigkeit zu handeln wird anders bewertet", sagt Roet. Man hört sich die Kommentare anderer zu ihren Weihnachtsvorbereitungen an und denkt sich: Möchte ich da wirklich zurückstehen?

"Es ist gerade der aufkeimende Stress, der Ihnen klarmacht, dass Ihnen das Fest doch wichtiger ist, als Sie sich im September eingestanden haben." Wem Weihnachten nichts bedeute, der gerate nicht in Weihnachtsstress.

Wer dennoch befürchtet, unter der Last der Weihnachtsvorbereitungen zusammenbrechen, dem empfiehlt Psychologin Jessen einen Drei-Punkte-Plan: "Im ersten Schritt sollten Sie sich überlegen, was Ihre persönliche Vorstellung von einem schönen Weihnachten ist." Was ist mir wirklich wichtig? "Im zweiten Schritt dann auflisten: Was an Weihnachten und an den Vorbereitungen stresst mich am meisten?" Diese "Stressoren" könnten anhand ihres Stressgrades bewertet werden von "wenig stressig" bis "sehr stressig".

Helfer einbinden

"Dann gilt es, Lösungen zu entwickeln, um die Stressbelastung zu reduzieren", sagt Jessen. Wer beispielsweise merke, dass Einkaufen und Kochen viel Energie raube, der könne hier rechtzeitig um Hilfe bitten oder vorschlagen, ins Restaurant zu gehen.

Im dritten Schritt geht es dann um die konkrete Umsetzung: "Tragen Sie rechtzeitig einen verbindlichen Termin in den Kalender ein, an dem Sie eine To-do-Liste für Weihnachten erstellen." Es sei wichtig, sich einen realistischen Zeitraum zu überlegen, in dem die Punkte abgearbeitet werden.

Sonja Müller hat sich für dieses Jahr vorgenommen, die Kinder stärker einzubinden und helfen zu lassen: "Sie können die Weihnachtsdeko aufbauen, Geschenke für die Omas und Opas einpacken und etwa Vorspeise und Nachtisch fürs Weihnachtsessen übernehmen." Vielleicht gelingt es ihr ja tatsächlich, sich in der Adventszeit ab und zu mit einem Buch aufs Sofa zurückzuziehen. Dieses Jahr aber jetzt wirklich mal.

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 5. Dezember 2016, 9:54 Uhr


Wir haben vor zwei oder drei Jahren in der Familie eine sehr gute und wirksame Entscheidung getroffen: Keine Geschenke mehr.
Vorher: Anfang Dezember die Kinder gefragt, was sie sich wünschen. Mitte Dezember nachgehakt. Selber nachgedacht und zu dem Ergebnis gekommen: eigentlich haben sie ja alles. Eine Woche oder weniger vor Weihnachten im besten Fall Wunschzettel erhalten, ansonsten einen Link zu einem Online-Shop, wo es eine Wunschliste gab, aus der wir etwas bestellen konnten, was wegen der Überlastung der Post und der knappen Zeit oft genug erst nach Weihnachten ankam. Gutscheine oder Geld wollten sie nicht, sie wollten was auspacken.
Im Gegenzug wurden wir Eltern von den Kindern gefragt, was wir uns wünschen. Aber wir haben doch alles, was wir brauchen! Wir mußten also nicht nur über die Wünsche anderer nachdenken, sondern auch noch über unsere, und gleichzeitig überlegen, was mit schmalen Studenten- und Berufsanfängerbudgets zu stemmen ist. Es lief dann eigentlich immer auf eine Bücherliste hinaus. Da das so keinen Spaß macht, haben wir einfach mal mit allen Dreien + Partnern drüber gesprochen und sind zu dem Schluß gekommen, daß das Wichtigste ja eigentlich das Zusammensein ist. Also sehen wir zu, daß alle an einem der Festtage zusammen kommen - die erwachsenen Kinder sehen sich ja auch nicht mehr so oft. Dieses Jahr ist es der Heilige Abend, und wir freuen uns ganz entspannt darauf. Es gibt nach dem Gottesdienst Brühe-Fondue mit zwei Kacheln, und die Kinder werden die meisten Zutaten dafür besorgen und teilweise auch bei den Vorbereitungen helfen.
Was bleibt? Deko, Plätzchen backen, Musik, Musik, Musik. Schööön!
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Erika Moers, 5. Dezember 2016, 12:22 Uhr


Es mag schon sein, dass in Familien, in größeren Familien, die Gefahr des „WeihnachtsStress“ besteht. WAS aber ist das für ein Wort! Wenn ich in meiner BerufstätigenZeit damals am Tag vor Heiligabend nach Hause kam, empfing meine Mutter mich mit den Worten: „Jetzt fängt Weihnachten an.“
Und das tat es.
Das Packen von Päckchen, das Backen von Plätzchen, geschah in der Adventszeit in fröhlicher Atmosphäre. Kleine Überraschungen füreinander wurden vorbereitet, und nun freuten wir uns auf den gemeinsamen Heiligen Abend, wenn wir miteinander die Weihnachtsgeschichte lesen und die altbekannten und zuzeiten auch neuere Weihnachtslieder singen - und die kleinen ÜberraschungsPäckchen auspacken würden.
Ob Sie es glauben oder nicht - das gab es, und es gibt es noch heute.
Darum spreche ich in diesen Tagen so gern die Verse von Ernst Wiechert mit: „Komm nun wieder, stille Zeit, Krippe, Stern und Kerzen . . .“
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Ulrich Keßler, 5. Dezember 2016, 12:39 Uhr


Gestern war'n wir auf dem Weihnachtsmarkt - Enkelwunsch! Hier mein kleines,
gar erschröckliches Resümee:

Auf dem Weihnachtsmarkt

Kommt, ihr Leute, kommt zu mir:
Hier gibts Glühwein und auch Bier
in der schönen Weihnachtszeit!
Hab ein ganzes Fass bereit!

Statt Geschenke einzukaufen
lasst uns miteinander saufen
und mit Jauchzen und mit Lallen
selig in die Arme fallen!

Kommt, ihr Leute, seid nicht schüchtern:
Neujahr sind wir wieder nüchtern! UK
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