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Fast sieben Millionen sehen «Terror»-Film im Ersten

18. Oktober 2016

Schuldig oder nicht schuldig? Die deutliche Mehrheit der Fernsehzuschauer stimmte beim TV-Experiment "Terror. Ihr Urteil" für einen Freispruch des Piloten Lars Koch, der in einer moralischen Zwickmühle eine schwere Entscheidung zu treffen hatte.

Frankfurt a.M. (epd). Der Fernsehfilm "Terror. Ihr Urteil" hat dem Ersten eine gute Quote beschert. Der am Montagabend ausgestrahlte Film nach dem gleichnamigen Theaterstück von Ferdinand von Schirach erreichte rund 6,9 Millionen Zuschauer, wie die ARD am Dienstag mitteilte. Das sei ein Marktanteil von 20,2 Prozent. Bei der Abstimmung über das Urteil in dem dargestellten Prozess ergab sich eine eindeutige Mehrheit für einen Freispruch des angeklagten Bundeswehr-Piloten.

In dem Film wird der fiktive Fall des Kampfpiloten Lars Koch verhandelt, der eine Lufthansa-Maschine mit 164 Menschen an Bord abgeschossen hat, um zu verhindern, dass dieses Flugzeug von einem Terroristen in ein Stadion gesteuert wird, in dem sich 70.000 Menschen befinden. Nach dem Film konnte das Publikum darüber abstimmen, ob es den Piloten für schuldig hält. 86,9 Prozent stimmten für Freispruch.

Technische Probleme bei der Abstimmung

Gemeinsam mit "Hart aber fair" war der Film laut ARD die meistgesehene Sendung des Tages. In der Diskussionsrunde wurde im Anschluss über den Film diskutiert. Rund 6,3 Millionen Zuschauer schalteten ein, ein Marktanteil von 22,5 Prozent. Per Telefon und online gaben den Angaben zufolge über 600.000 Zuschauer ihre Stimme ab.

Während der Abstimmung kam es allerdings zu technischen Problemen. Die Internetseite war nur schwer erreichbar, die angegebenen Telefonnummern oft besetzt. Christine Strobl, Geschäftsführerin ARD Degeto und Koproduzentin des Films, sagte: "Wir haben mit externen Dienstleistern, die die modernste Infrastruktur zur Verfügung gestellt haben, zusammen gearbeitet." Offenbar stöße aber selbst modernste Technik bei einer so großen Beteiligung an ihre Grenzen. "Das ändert aber nichts an der Validität des Ergebnisses", sagte sie.

Der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum warnte davor, dass die Terrorangst in der Bevölkerung zu stark um sich greifen und zu Gesetzesänderungen führen könnte. "Wir dürfen die Grundlagen unseres Zusammenlebens nicht ändern, weil wir von Terrorismus bedroht sind", sagte er.

Zum Ergebnis der Abstimmung sagte er, damit habe das Publikum auch gegen das Grundgesetz gestimmt. Der FDP-Politiker hatte 2005 gemeinsam mit seinem Parteikollegen Burkhard Hirsch Verfassungsbeschwerde gegen das Luftsicherheitsgesetz eingelegt, das in einem solchen Fall den Abschuss des Passagierflugzeugs erlaubt hätte. Die Bundesverfassungsrichter kippten 2006 den entscheidenden Paragrafen und sagten, Menschenleben dürften nicht gegen Menschenleben aufgerechnet werden.

Intensiv eingestiegen

Der frühere Verteidigungsminister Franz-Josef Jung fühlte sich durch das Votum des Publikums bestätigt. Die Menschen in dem Flugzeug hätten keine Chance mehr gehabt, sagte der CDU-Politiker. Es gehe hier um das Lebensrecht derjenigen, die im Stadion seien.

Die evangelische Theologin Petra Bahr warnte davor, die Abstimmung des Publikums als "Volksjustiz" einzuordnen. Die Zuschauer hätten in diesem Fall nur über das Ende des Films abgestimmt, sagte sie. Sie selbst wolle in diesem Fall nicht wie eine Richterin über schuldig oder nicht schuldig entscheiden. Dies wäre Amtsanmaßung, sagte Bahr, die zum Februar nächsten Jahres das Amt der leitenden Landessuperintendentin in Hannover übernimmt.

Der Programmdirektor des Ersten, Volker Herres, sagte, dass die Zuschauer derart intensiv in die verhandelte Schuldfrage eingestiegen seien, sei ein beachtlicher Erfolg.

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 18. Oktober 2016, 15:50 Uhr


Das war unheimlich schwer, für sich eine Entscheidung zu treffen (abgestimmt habe ich selber nicht). Auf den ersten Blick sieht man natürlich die Zahlen. 164, die aller Voraussicht nach sowieso sterben werden gegen 70.000 noch völlig ahnungslose Menschen im Stadion. Aber wenn die den Terroristen im Flugzeug doch überwältigt hätten? Wenn der Pilot im letzten Moment hochgezogen hätte? Wenn der Terrorist einen Herzinfarkt bekommen hätte? Wenn.....
Das Beispiel mit dem Zug, das die Staatsanwältin anführte, war so zynisch wie wahr, der Auftritt der Nebenklägerin sehr aufwühlend.
Und warum hat man nicht wenigstens versucht, das Stadion zu räumen?

In der Diskussion hinterher hat sich Gerhart Baum ziemlich daneben benommen. Andauernd ist er anderen ins Wort gefallen und hat versucht sie zu überschreien. Was er sagte, war ja teilweise richtig. Wir dürfen nicht aus Angst vor Terror unseren Rechtsstaat aushebeln. Zum Teil hörte er sich aber auch an wie ein sturer Paragraphenreiter.

Interessant fand ich, daß die Theaterbesucher anders abgestimmt haben als das Fernsehpublikum. Zwar waren auch hier die meisten für Freispruch, aber es gab deutlcih mehr Gegenstimmen. Ich denke, das zeigt, daß Theaterbesucher sich differenzierter mit so einer Frage auseinandersetzen als die große Masse der Fernsehzuschauer.

Was auch nach der Urteilsverkündung bleibt, ist immer noch die Frage der Schuld. Selbst wenn der Mann vor dem Gesetz freigesprochen wird, ist er trotzdem schuldig, weil er den Tod von 164 Menschen verursacht hat. Wie würde ein Mensch in einem echten Fall damit zurecht kommen? Würde er an seinen Arbeitsplatz, an seine Waffen zurückkehren? Ist das überhaupt auszuhalten?
Möge Gott verhindern, daß ein Mensch in diese Lage kommt.

Atlantica, 19. Oktober 2016, 11:37 Uhr


Hallo Schallblech, danke für deinen Beitrag.
Du schriebst:
"Selbst wenn der Mann vor dem Gesetz freigesprochen wird, ist er trotzdem schuldig, weil er den Tod von 164 Menschen verursacht hat."
Nein, das stimmt nicht. Vor einem deutschen Gericht wäre der Mann schuldig zu sprechen: geltende Rechtslage!
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Glybyrne, 18. Oktober 2016, 19:35 Uhr


vielen dank schallblech du hast meinen empfindungen präzise worte verliehen :)
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Matthäus53, 19. Oktober 2016, 12:15 Uhr


Der Film regte an und machte die Sinne zum Nachdenken gleichzeitig ruhig . Die Abstimmungen haben letztendlich gezeigt, daß dort Volksjustiz nachgedacht und ein Urteil gesprochen hat. Besser Volksjustiz als Lynchjustiz. Viele grundsätzliche schwer wiegende Argumente beider Seiten machten nachdenklicher denn je aber letztendlich zeigten Sie auch auf , daß bis hin zum Bundesgerichtshof nicht jeder Fall §§ mäßig abzuhandeln ist. Der Begriff des " übergesetztlichen Notstands" den der ehem. Verteidigungsminister Junk äußerte, machte den Offizier zwar zum Mörder aber gleichzeitig zum Retter von zig Tausend Menschen.
Als vor einigen Jahren in Norwegen ein Massenmörder in der Hauptstadt Explosionen und Chaos verursache und anschließend auf einer Insel noch ca. 80, 90 Jugendliche einer Ferienfreizeit kaltblütig erschoß, mußte die norweg. Justiz feststellen, daß für diese Tat die Strafgesetze des Landes überfordert und sie nicht geeignet sind um eine gerechte Verurteilung zu gewährleisten. Zusammengefasst möchte ich feststellen, eine wahre und gerechte Bestrafung wird es eines Tages nur bei Gott geben.
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Alwite, 19. Oktober 2016, 13:24 Uhr


Lieber Schallblech,
Dein Für und Wider ist identisch mit jedem Aufrechtdenkenden. Selbst hätte ich dem Mut des abwägenden Piloten, der die Frage, ob er Frau und Kind geopfert hätte, nicht zu beantworten fähig war, beigepflichtet. Du sprichst vom AUSHALTEN.

Gestern erklärte Hardy Krüger bei Markus Lanz, dass er im Krieg einen Mörder (Nazi), ehe er ihn erschoß, "umlegte", während er als verteidigender Soldat nicht im Stande war, aus dem Unterholz auf die farbigen Gesichter der "Feinde" zu schießen. Es gab Augenblicke, an denen die Erinnerung ihn nicht weiter sprechen ließ. Nur wenige Jahre jünger, gehöre ich seiner Generation an. Meine Kinder baten, unser Leben aufzuschreiben, nun stecke ich auf der Flucht, dem Tod der Mutter unfähig weiterzuschreiben, fest. "Auszuhalten," um zur Tagesordnung überzugehen hat uns die Natur den Verdrängungsmechanismus angediehen. Dieser Mechanismus wird z.B. bei Frau Käßmann dauerverletzt. Das auszuhalten ohne zu verbittern oder hart zu werden bewundere ich an ihr. Warum ich das schreibe? Dem Aushalten entkommt niemand.
Was Schirach mir bewusst macht ist: Es sind nicht unsere Fähigkeiten, die zeigen, wer wir wirklich sind, sondern unsere Entscheidungen!
Und mit Christian Morgenstern : "Versuchen wir uns doch einmal entschieden auf die Seite des Positiven zu stellen, IN JEDER SACHE."
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