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Primeln gibt es in vielen bunten Farben. Sie sind im Frühlingsgarten echte Hingucker. Foto: epd

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Prima heißt „die erste“

Pflanzen

Aus der Printausgabe - UK 06 / 2018

Von Alexander Brüggemann | 2. Februar 2018

Schon seit Wochen sind im Handel erste Frühlingsgrüße zu haben: Die Primel, ursprünglich in China, der Mongolei und dem Kaukasus beheimatet, kam über die Türkei zu uns

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Primeln gibt es in vielen bunten Farben. Sie sind im Frühlingsgarten echte Hingucker. Foto: epd

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Wer freut sich in diesen trüben Tagen nicht über ein bisschen Farbe? Kaum eine Pflanze steht so sehr für den Frühling wie die Kissenprimel (Primula vulgaris). Primula – der Name leitet sich vom lateinischen ab – und heißt wörtlich „die kleine Erste“. Und tatsächlich: Die bunt blühende Primel bringt uns eine allererste Ahnung des Frühlings. Noch vor Krokussen, Tulpen und Narzissen – aber ironischerweise inzwischen, zeitlich überdreht, in manchen Läden sogar schon vor Beginn des kalendarischen Winters am 21. Dezember.

Primeln blühen normalerweise von März bis Mai, einige Sorten sogar nochmals im Spätsommer. Ihre wilden Arten sind auf der gesamten Nordhalbkugel verbreitet. Mehr als die Hälfte ihrer rund 500 Unterarten stammen aus Asien: aus China, der Mongolei und dem Kaukasus. Über farbige Züchtungen kam sie über die osmanische Türkei seit dem 17. Jahrhundert auch als Zierpflanze zu uns.

Symbol der Hoffnung – wegen der frühen Blüte

Aufgrund ihrer frühen Blüte gilt die Primel traditionell als Symbol der Hoffnung, der Jugend und der Heilkraft des Frühlings. Durch ihren hohen Saponin-Gehalt haben die Wurzeln eine Wirkung, die von Medizinern spektakulär als „sekretolytisch und expektorierend“ beschrieben wird. Sie lösen also, einfacher gesagt – etwa als Tee bei Erkältungskrankheiten und Bronchitis – den Schleim und fördern den Auswurf. Die Blüte der Primel wird von Kräuterkundlern als Nervenmittel gegen Kopf- und Nervenschmerzen, Schwindel, Asthma und Gicht sowie zur Stärkung des Herzens genutzt.

Primelblüten haben fünf Kronblätter, die zu einer langen Röhre verwachsen sind. Tief am Boden der Blüte wird süßer Nektar produziert, der Insekten zur Bestäubung anlockt. Allerdings kommen am Ende doch nur Hummeln und Falter in Frage – weil nur sie mit ihren langen Rüsseln den Grund der Röhre erreichen können. Dabei wird der Blütenstaub auf den Stempel übertragen.

Besonders artenreich sind Primeln im Gebirge vertreten. Bemerkenswert ihre Anpassung an den Lebensraum: Während sie im Flachland stets gelb blühen, sind alpine Arten fast durchgängig rosa, rot, violett oder blau. Der Grund ist biologisch simpel, aber für Laien frappierend: Im Flachland übernehmen eher Bienen und Hummeln die Bestäubung, im Gebirge eher Falter. Die jeweilige Farbwahl wirkt auf sie besonders anziehend.

Primeln wachsen krautig und sind sommergrün. Normal werden sie bis zu 15 Zentimeter hoch. Durch die Züchtung auf große und bunte Blüten haben die meisten al-lerdings ihre sehr gute Winterhärte verloren. Nur in Staudengärtnereien findet man die viel robusteren kleinblütigen Gartenformen.

Nachdem Primeln verblüht sind, werden sie fälschlicherweise oft weggeschmissen. Verschwendung – denn zumindest die nicht stark überzüchteten Sorten sind sehr ausdauernd und mehrjährig; sie sind gut im Garten zu kultivieren. „Eingehen wie eine Primel“, sagt man zwar landläufig – doch das Gegenteil ist der Fall. Allerdings reagiert die Primel sehr empfindlich auf Trockenheit. Empfohlen wird daher, im Frühjahr mit Kompost um die Pflanzen herum zu mulchen.

In größere Gruppen gepflanzt, erzielen Primeln mit ihrer Farbpalette eine beeindruckende Fernwirkung im Frühlingsgarten. Zu empfehlen ist eine Kombination mit Weißblühern wie Christrosen, Schneeglöckchen oder Krokus. Teilt man die Pflanzen alle drei bis fünf Jahre, fördert man ihre Langlebigkeit. Und blickt man derzeit aus dem Fenster, ist allein das doch schon eine gute Nachricht.

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Leser-Kommentare öffnen

Matthäus53, 2. Februar 2018, 18:08 Uhr


Welche wunderbare Blume die Primel , mit nicht nachahmbaren grandiosen Farbspielereien sowie zig Inhaltsstoffen für medizinische Zwecke .Meine Großmutter, die 102 Jahre alt wurde, liebte zwar die Blume sehr aber beim Berühren bekam sie gelegentlich Hautreizungen. Wie steht schon im 1.Buch Mose 12“……Das Land brachte junges Grün hervor……und Gott sah daß es gut war.
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Schallblech, 2. Februar 2018, 18:52 Uhr


Unser Vorgarten ist voll mit Nachfahren geschenkter Primeln aus kleinen Töpfen ;)
Es stimmt, die mit den größten Blüten kommen meist nicht wieder, aber ich mag sowieso lieber die natürlichen Sorten.

Saponin wirkt zwar schleimlösend, es wird aber vor übermäßiger Anwendung gewarnt, weil es bei Überdosierung zu Übelkeit und Erbrechen kommen kann.
Früher hat man die Pflanzen, in denen Saponine in hoher Konzentration vorkommen, als Waschpflanzen benutzt. Sie setzen die Oberflächenspannung des Wassers herab, ähnlich wie Seife. Dadurch werden die Stoffe besser benetzt.
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Alwite, 3. Februar 2018, 17:11 Uhr


Primel = Prima = Erste. Keine Ahnung, warum ausgerechnet Heike Drechslers Werdegang, die ich gestern in einer Talk Show sah, meinen Blick auf die robusten, becheidenen Himmelschlüssel lenkt, während die Primel seit den trauten Fensterbänken meiner Kindheit, mich mit der Farbe lila verbindet.
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