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Rassistisches Denken und Reden in der öffentlichen Debatte sind wieder möglich; auch in Deutschland. Barack Obama, der frühere US-Präsident, fragt: „Bin ich bereit, etwas dagegen zu tun?“ Foto: Wikipedia

Falsch. Verwerflich. Gefährlich

Rassismus

Von Bernd Becker | 30. Januar 2018

Jahrzehntelang undenkbar, jetzt zurück in der öffentlichen Debatte: Rassistische Denkmuster und Formulierungen sind plötzlich wieder da. Warum wir dagegen aufstehen müssen

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Rassistisches Denken und Reden in der öffentlichen Debatte sind wieder möglich; auch in Deutschland. Barack Obama, der frühere US-Präsident, fragt: „Bin ich bereit, etwas dagegen zu tun?“ Foto: Wikipedia

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Das Thema Rassismus ist hierzulande wieder erschreckend präsent. Galt offen geäußerter Rassismus vor wenigen Jahren als verpönt, hat sich das in den vergangenen Monaten verändert. Mit dem Erstarken rechtspopulistischer Parteien ist nicht mehr tabu, was vor wenigen Jahren noch undenkbar schien. So bezeichnete der AfD-Abgeordnete Jens Maier den Sohn von Tennislegende Boris Becker kürzlich als „Halbneger“. Wiederholt Maier seine rassistischen Beleidigungen über Noah Becker, droht ihm ein Ordnungsgeld. Die AfD mahnte ihren Bundestagsabgeordneten lediglich ab.

In Deutschland ist der Begriff der „Rassen“ seit 1945 verpönt. Was nicht heißt, dass damit auch der Rassismus verschwunden wäre. In den vergangenen Jahrzehnten gab es immer wieder rassistisch motivierte Straftaten und Anfeindungen. Dass sich aber Politiker westlicher Staaten trauen, solche Beleidigungen auszusprechen, ist eine neue Entwicklung. Selbst der derzeitige US-Präsident schreckt nicht davor zurück, ganze Ethnien oder Länder herabzuwürdigen. So bezeichnete Donald Trump jetzt in einer Besprechung im Weißen Haus einige afrikanische Länder sowie Haiti als „Dreckslöcher“. Ein Sprecher des Uno-Menschenrechtsrats rügte diese Aussagen als „rassistisch“ und „schockierend“.  

Die Vereinten Nationen erklärten bereits 1963, „dass jede auf Rassenunterschiede oder rassische Überlegenheit gegründete Lehre wissenschaftlich falsch, moralisch verwerflich, sozial ungerecht und gefährlich ist.“ Und dennoch ist das Phänomen aus manchen Köpfen nicht herauszubekommen.

Barack Obama äußerte sich jetzt in einem TV-Interview dazu: „Menschen finden alle möglichen Gründe, sich über andere zu stellen. Rassismus ist ein Beispiel dafür. Biologisch gesehen hat das keine reale Grundlage. Wir haben das erfunden. Aber es wird zur gesellschaftlichen Realität.“ Der Ex-Präsident erläutert: „Afroamerikaner sind im Durchschnitt ärmer als andere Amerikaner. Das liegt aber nicht an der Rasse, sondern an sozialen Konstrukten, die sie im Laufe von 300, 400 Jahren arm gemacht haben.“ Jeder, der Ungleichheit und Ungerechtigkeit sieht, müsse sich fragen: „Bin ich bereit, etwas dagegen zu tun? Das ist nicht immer einfach, aber es ist notwendig.“

Damit spricht der Christ Obama aus, was zum Kern der biblischen Botschaft gehört. Dass die Liebe Gottes allen Menschen gilt, ungeachtet ihrer Herkunft oder ihrer Hautfarbe. Paulus schreibt im Galaterbrief: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“ Und laut Schöpfungsgeschichte sind alle Menschen nach Gottes Ebenbild geschaffen. Damit haben auch alle die gleiche Würde.

Christinnen und Christen sind geradezu verpflichtet, gegen jegliche Diskriminierung aufzustehen. Auch wenn es nicht immer einfach ist.

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Leser-Kommentare öffnen

Atlantica, 30. Januar 2018, 22:39 Uhr


Das Böse, welches mir widerfährt, kommt immer von einem Menschen, einem Gegenüber, das so ist wie ich: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Es ist verständlich, dass schlichte Naturen alles Böse auf das andere Geschlecht, andere Ethnien, andere Nationen, abwälzen. Wie begrenzt.
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Alwite, 31. Januar 2018, 9:15 Uhr


Sobald sich der Mensch dem Bösen überlässt, steht er auf verlorenem Posten.

Atlantica, 31. Januar 2018, 11:20 Uhr


Das stimmt, Alwite. Wer ethisch handeln will, ist im Vorteil. Manchmal ist das Gute schwer zu erkennen. Manchmal schweigt man da, wo man reden sollte und redet da, wo man schweigen sollte. "Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun". Manche Menschen erkennen ihr eigenes Fehlverhalten nicht - und laufen dann gegen die Wand, manchmal in der Vorstellung, alles richtig gemacht zu haben. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen".

Atlantica, 31. Januar 2018, 11:20 Uhr


Das stimmt, Alwite. Wer ethisch handeln will, ist im Vorteil. Manchmal ist das Gute schwer zu erkennen. Manchmal schweigt man da, wo man reden sollte und redet da, wo man schweigen sollte. "Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun". Manche Menschen erkennen ihr eigenes Fehlverhalten nicht - und laufen dann gegen die Wand, manchmal in der Vorstellung, alles richtig gemacht zu haben. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen".
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