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Ehre, wem Ehre gebührt. So sagt der Volksmund. Was dabei häufig übersehen wird: Gott allein gebührt die Ehre – denn alles, was wir haben, stammt von ihm. Das heißt nicht, dass wir gebückt durchs Leben laufen sollen und falsche Bescheidenheit üben. Leistungen – egal wie groß oder klein – dürfen und sollen anerkannt werden. Aber wer dahinter den Geber aller Gaben entdecken kann, wird demütig und dankbar und schärft seinen Blick dafür, dass Liebe niemals verdient werden kann. Foto: lassedesignen

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Eigenlob stinkt

Andacht

Von Carsten Haeske | 28. Januar 2018

Über den Predigttext zum Sonntag Septuagesimä: Jeremia 9, 22-23

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Ehre, wem Ehre gebührt. So sagt der Volksmund. Was dabei häufig übersehen wird: Gott allein gebührt die Ehre – denn alles, was wir haben, stammt von ihm. Das heißt nicht, dass wir gebückt durchs Leben laufen sollen und falsche Bescheidenheit üben. Leistungen – egal wie groß oder klein – dürfen und sollen anerkannt werden. Aber wer dahinter den Geber aller Gaben entdecken kann, wird demütig und dankbar und schärft seinen Blick dafür, dass Liebe niemals verdient werden kann. Foto: lassedesignen
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Carsten Haeske (54), Pfarrer und Pädagoge, ist stellvertretender Leiter des Instituts für Aus-, Fort- und Weiterbildung in Villigst. Er leitet den Fachbereich Gottesdienst und Kirchenmusik.

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Predigttext
22 Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. 23 Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der Herr.

Dient das Leben dem Ruhm der Menschen oder dem Ruhm Gottes? Jeremia hat das für sich klar: Selbstruhm nein! Gottesruhm ja! Schauen wir uns die Alternative näher an.

Die hebräische Sprache bringt uns auf die Spur, was mit Selbstruhm gemeint ist. Denn im Hebräischen heißt „sich rühmen“ hallel, also: „ein Halleluja auf sich selbst singen“.

Wie schräg das klingt, wenn ein Mensch ein Halleluja auf sich selbst anstimmt, zeigt ein „Gebet“ von Robert Gernhardt:
Lieber Gott, gib endlich zu,
dass ich größer bin als Du.
Und preise künftig meinen
 Namen,
denn sonst setzt es etwas. −
Amen!

Die Medien sind voll mit Selbstverliebten

Irgendetwas stimmt da nicht. Zeigen, was ich kann, ja; und stolz sein auf das, was ich geschafft habe, das ist normal und gut. Aber, wo es nur noch um das Eigenlob geht, wo das Sich-selber-toll-Finden zur Selbstinszenierung wird, da wird es peinlich oder lächerlich. Wie bei Donald Trump, der sich zweimal am Tag eine Mappe bringen lässt mit guten Nachrichten über sich selbst: Presseberichte, die seine Politik loben und Fotos, die ihn besonders vorteilhaft darstellen. Die Medien sind voll mit Selbstverliebten wie ihm, die davon überzeugt sind, dass sich die Welt nur um sie drehe und die dafür leben, von andern bewundert zu werden. Es scheint im Wesen des Menschen zu liegen, mit dem, was er hat und kann, zu prahlen. Die Starken geben an mit ihrer Stärke, die Weisen mit ihrer Weisheit, die Reichen mit ihrem Reichtum.

Als Papst Gregor der Große im 6. Jahrhundert einen Lasterkatalog zusammenstellte, hatte er für die Ruhmsucht einen Namen: Hochmut. „Ein Hochmütiger betrachtet nicht Gott, sondern sich selbst als den Urheber all seiner Talente und Erfolge. Er prahlt mit diesen Erfolgen, stellt ihre Früchte zur Schau und glaubt, dass ihm bestimmte Dinge einfach zustehen. Er sieht auf (vermeintlich) weniger erfolgreiche Menschen herab.“
Luther hielt das für die Grundsünde des Menschen: Anzunehmen, ich hätte meine Stärke, meine Weisheit, meinen Reichtum aus mir selbst; ich hätte mir das alles selbst erarbeitet, ich hätte es verdient und müsse dafür bewundert werden. Anzunehmen, alles drehe sich nur um mich − und über all dem den Schöpfer zu vergessen.

Die Grundsünde: Alles dreht sich um mich

Damit rückt Jeremias zweite Möglichkeit in den Blick: den zu loben, der mir meine Begabungen und Fähigkeiten schenkt. „Soli deo gloria!“, „Gott allein die Ehre!“, das schrieb Johann Sebastian Bach unter seine Kompositionen, um damit zum Ausdruck zu bringen: Ich bin nicht Macher, sondern Empfänger. Was ich kann, das verdanke ich einem andern. Was ich habe und erreiche, das ist Geschenk.

Gute Gaben Gottes sind unverdient

Weisheit, Stärke, Reichtum sind gute Gaben Gottes, die mir unverdient zufallen. Ich kann mich über sie freuen und sie genießen. Aber es geht nicht allein um mich, es geht um den Geber; es geht darum, „dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält“ (Luther).

Weitergeben, was wir empfangen haben

Klug ist, wer Gott kennt, sagt Jeremia. Klug, wer die eigenen Grenzen kennt und etwas weiß von Gottes grenzenloser Gnade. Gott zu loben, das weitet die Perspektive und verändert die Blickrichtung: Ich sehe nicht nur mich, sondern auch die anderen neben mir, mit denen ich lebe. Und sie sehen mich. Wir geben einander weiter, was wir empfangen von dem, der „Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit“ liebt. Deshalb mischen wir uns ein in die Welt, ringen um Gerechtigkeit, hinterfragen Unrecht, mit dem Herz bei denen, die im Leben nichts zu prahlen haben. Gemeinsam loben wir den, der uns geschaffen hat. „Solches gefällt mir, spricht der Herr“. Halleluja! Amen.

Gebet: Ach, ich bin viel zu wenig, zu rühmen Deinen Ruhm. Du, Herr, allein bist König, ich eine welke Blum. Jedoch weil ich gehöre gen Zion in Dein Zelt, ist’s billig, dass ich mehre dein Lob vor aller Welt. Amen.

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