hg

Anzeige

Die Bibel lesen

Walter Schroeder | 18. Januar 2018

Woche vom 21. bis 27. Januar

Anzeige

Sonntag:    Psalm 54
Montag:     5. Mose 5, 23-33
Dienstag:     5. Mose 6, 1-9
Mittwoch:     5. Mose 6, 10-25
Donnerstag:     5. Mose 7, 1-11
Freitag:     5. Mose 7, 12-26
Samstag:     5. Mose 8, 1-20

Das sechste Kapitel ist wohl das wichtigste des ganzen Buches. Hier steht der „Grundvertrag“, der zwischen Gott und seinem Volk gilt, ja, der Israel erst zu einem Volk macht. Jahwe ist allein Gott, der Einzige, nicht nur für Israel, sondern für die ganze Welt, für alle Menschen. Die Israeliten „wissen schriftlich“, dass es nur einen einzigen Gott gibt, und der ist in allem. Man kann die Verehrung anderer Götter hinnehmen, sogar respektieren, aber es gibt nur diesen einen Gott! Alle Welt ist von ihm erschaffen, es gibt keinen Bereich, der außerhalb seines Reiches, seiner Reichweite steht. Und schließlich: Gott entzieht sich zwar jeder Vorstellungskraft. Aber er ist nicht ein Gott, der in einem fernen Himmel wohnt, sondern einer, der nahe ist, sich dem Menschen zuwendet, mit ihm durchs Wort kommuniziert, auf Gebete hört, der in und nicht jenseits der Welt ist.

Von dieser Basis des Glaubens leitet sich alles andere ab: das Tun und Lassen des Einzelnen, der Familie und Kommune, aber auch des ganzen Volkes, der gesamten Gesellschaft, später wird man sagen: des Staates. Und zwar nicht nur des eigenen, sondern darin einbezogen sind alle Völker, auch wenn sie selbst nicht auf diesem Grundgesetz stehen oder womöglich überhaupt noch nicht davon gehört haben. Gott ist nicht nur der Herr über die sichtbare Welt, sondern das ganze Universum, die Unterwelt mit dem Reich der Toten und die Sternenwelt und – wie man damals meinte – die Geisterwelt sind damit einbezogen.

Natürlich war die heutige Weltvorstellung noch nicht ansatzweise entwickelt. Auch das Wesen des Individuums wurde keineswegs so verstanden wie heute. Gottes Bund war einer mit dem Volk, der Gemeinschaft. Moses „verhandelt“ insofern für sein Volk, auch wenn auffällig ist, wie er selbst besonders, wie ein Partner, ja als „Freund Gottes“ behandelt wird. Er „verhandelte“ mit Gott „auf Augenhöhe“ als Person, auch wenn aller „Rangunterschied“ selbstverständlich blieb.

Nicht umsonst gelten die Verse ab 6,4 als das „jüdische Glaubensbekenntnis“, das jeder Jude auswendig kann und im Leben und Sterben in seinem Herzen trägt. In letzter Verzweiflung wurde es an Wände der Todeslager gekritzelt und legt Zeugnis ab vom Glauben derer, die die Thora als Gottes „Lebens-An-Gebot“ geglaubt und gehofft und gegen allen Augenschein festgehalten (6,3) haben. Auch Christen können diese Worte ohne jede Einschränkung mitsprechen. Der Glaubenssatz von der Dreieinigkeit Gottes, von Vater, Sohn und Heiligem Geist, hebt die grundsätzliche Einheit Gottes nicht auf, sondern differenziert sie, auch wenn das etwa im Dialog mit dem Judentum und Islam einer der schwierigsten Punkte ist, die es zu klären gilt.

0

Leser-Kommentare öffnen

Bitte melden Sie sich erst an, um einen Kommentar zu verfassen
zum Login
Per E-Mail empfehlen