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Diese Frau liegt mit ihrem Schal bereits voll im Trend: Violett und Lila sollen in diesem Jahr in der Mode – und nicht nur da – dominieren. Foto: olgavolodina

Violett – Duft, Buße und Aufbruch

Farben

Aus der Printausgabe - UK 03 / 2018

Von Christoph Arens | 16. Januar 2018

Sie ist nicht gerade die Lieblingsfarbe der Deutschen: violett. Doch das könnte sich bald ändern. Eine Firma – internationaler Marktführer – hat Violett zur Farbe des Jahres 2018 gekürt

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Diese Frau liegt mit ihrem Schal bereits voll im Trend: Violett und Lila sollen in diesem Jahr in der Mode – und nicht nur da – dominieren. Foto: olgavolodina

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Sie gehört nicht gerade zu den Lieblingsfarben der Deutschen. Glaubt man einer Umfrage der Farben- und Lackindustrie aus dem Jahr 2016, nennen gerade mal sechs Prozent der Bundesbürger Lila/Violett ihre Lieblingsfarbe. Damit liegt Lila auf der Rangliste sogar noch hinter Grau und Braun. Spitzenreiter Blau (40 Prozent) und Rot (19 Prozent) sind unerreichbar vorn.

Doch das könnte sich ändern: Denn jetzt hat die Firma Pantone, internationaler Marktführer im Bereich der Farbkommunikation für die Grafik- und Designbranche, Textil- und Kunststoffindus­trie, Violett zur Farbe des Jahres 2018 gekürt. Violett stehe, zumal in der Power-Version „ultra“, für „visionäres Denken, für den Kosmos und das Geheimnisvolle an dem, was uns die Zukunft bringen wird“, so lautet in blumigen Worten die Begründung.

Dunkle Lilatöne seien schon seit langer Zeit ein Zeichen der Gegenkultur, der Unangepasstheit und der künstlerischen Brillanz, so die Farbexperten. „Mit Prince, David Bowie und Jimi Hendrix rückten Ikonen der Musikgeschichte verschiedene Töne von Ultraviolett als persönlichen Ausdruck von Individualität ins Zentrum der westlichen Popkultur.“

Mystisch anmutende Sonnenuntergänge, duftende Lavendelfelder, zart blühender Flieder: In der Natur ist die Farbe Violett etwas Seltenes, Besonderes. Violette Pflanzen wie Veilchen (Englisch und Französisch violet), Flieder, Lavendel und Salbei bestechen mit einem überaus angenehmen Duft. Der Begriff Lila, der ja ein aufgehelltes Violett beschreibt, geht auf die Fliederpflanze zurück, die im Arabischen Lilak, im Französischen Lilas und im Englischen Lilac heißt.

Violett/Purpur war über Jahrhunderte eine der kostbarsten Farben überhaupt, wie das Online-Portal farbimpulse.de berichtet: Die Herstellung des Farbstoffs aus Purpurschnecken war so aufwendig und teuer, dass nur die Reichsten solche Kleidung tragen konnten.

Bei den Römern war die Farbe Senatoren oder anderen ranghöchsten Vertretern des Reiches vorbehalten. Bis heute sind Violett und Purpur zentrale Farben der Kirchen: Katholische Bischöfe sind an violetter Kopfbedeckung, violettem Gürtel und den entsprechenden Knöpfen erkennbar.

Spirituelle Bedeutung

Violett hat auch eine spirituelle Bedeutung, wie der Farbpsychologe Harald Braem in seinem Buch „Die Macht der Farben“ berichtet: Es verbindet das Rot als Symbol der Welt des Körpers mit dem Blau, das für die Welt des Geistes und des Himmels steht. Violett ist deshalb auch die Farbe der Buße und der Trauer: In der Advents- und Fastenzeit und bei Bußgottesdiensten schmücken lila Paramente Kanzel und Altar.

Schon im Mittelalter ist die Wirkkraft der Farbe von Illustratoren genutzt worden. So zeigt etwa der „Stuttgarter Psalter“, eine kostbare Handschrift aus dem neunten Jahrhundert, Jesus mit violetten Gewändern, um seine Mittlerfunktion zwischen Mensch und Gott farbsymbolisch zu unterstreichen.

„Auch das Geschlechtliche von Rot (männlich) und Blau (weiblich) wird im Violett aufgehoben“, so Braem. Als Grenzgänger außerhalb des genormten Rollenverhaltens wählten Homosexuelle und Transvestiten in manchen Ländern daher bewusst Violett als Erkennungsfarbe.

Lila ist nicht zuletzt auch die Farbe der Frauenbewegung, die sich ab den späten 1960er Jahren in Deutschland formierte: Legendär ist das Klischee von der lila Latzhose, die die Grenze zur Männerwelt auflöste und Aufbruch signalisierte. In dem Roman von Alice Walker „Die Farbe Lila“ (und in der gleichnamigen Verfilmung) geben die violetten Blumenfelder der misshandelten Protagonistin Kraft; sie stehen für Aufbruch und Selbstbefreiung.

Auf andere Künstler wirkte Violett allerdings eher bedrohlich; gerade in seinen dunkleren, schwereren Schattierungen. So beschrieb der Expressionist Wassily Kandinsky Violett „als abgekühltes Rot, im physischen und im psychischen Sinne. Es hat deshalb etwas Krankhaftes, Erlöschtes, etwas Trauriges an sich.“ Und Goethe assoziierte in seiner Farbenlehre mit Lila die „Schrecken des Weltuntergangs“.

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Leser-Kommentare öffnen

Alwite, 19. Januar 2018, 18:02 Uhr


"Lila der letzte Versuch" - Na klar:-) ...der pikante Ruf stammt aus einer Zeit, in der Lila noch nicht als Modefarbe Einzug in sämtliche Kleiderschränke gehalten hatte, sondern symbolisch in erster Linie für Feminismus stand. Und da die Farbe ihren Trägerinnen einen gewissen Kampfgeist unterstellte, der nicht selten boshafterweise auf sexuelles Unbefriedigtsein zurückgeführt wurde, hatte die Farbe Lila halt erstmal ihr Image weg. Selbst glaube ich, dass es Farben ähnlich den Horoskopen ergeht:-)
Schlagartig tauchen Erinnerungen auf:
Als ich mit etwa vier Jahren von all dem noch nicht wusste, wäre ich am liebsten von früh bis spät in Lila gehüllt einhergewandelt. Beim malen griff ich immer zuerst zum lila Stift. Meine Mutter amüsierte meine Vorliebe und nähte mir aus lila Samt ein Leibchen, das ich tagein, tagaus über jedes Kleidchen gezogen trug, bis es zu klein wurde. Farbe bekennen, sich in ihr wohlfühlen - muss man Wohlgefühl unbedingt definieren?

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Schallblech, 19. Januar 2018, 18:18 Uhr


Mir fällt dazu spontan Wolle Kriwanek ein, der 2003 leider verstorbene Schwabenrock- und Bluessänger. Im Stil alter Schlager sang er: "Nein nücht rot, rot steht mit nücht, bitte lilla, bitte lilla" - mit etwas makabrem Ausgang.
https://www.youtube.com/watch?v=ieFxMQIEJuU
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Atlantica, 20. Januar 2018, 8:14 Uhr


Spirituelle Farbe? Eher eine schöne Phantasie. - Ich erinnere mich, wie ich im ersten Semester im Hörsaal der Goethe-Uni mit den lilafarbenen Wänden saß. Ich fand es irgendwie beruhigend.
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Alwite, 20. Januar 2018, 9:14 Uhr


Zu Schallblechs Kommentar, der zu erwarten war,
fällt mir :

https://www.youtube.com/watch?v=EpPVgptC16k

ein...

Und ja, lieber Atlantica, aus früher Kindheit taucht unser Wohnzimmer auf: Tieflila Wände mit Goldleisten als Abschluss unter der weissen Oberdecke. Dies Wagnis fand im Ort viele Nachahmer. (Obwohl ich ja nun nicht weiss, ob sich meine Eltern nicht ebenso nur dem tendierenden Trend anpassten) Damals fand ich das ob der besonderen Beachtung nur lustig, heute neige ich dazu, Dir beizupflichten. Ich habe mich in der Umgebung der Farbe, wie in meiner ganzen Kindheit, sehr wohl gefühlt:-)
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Erika Moers, 20. Januar 2018, 10:31 Uhr


Und ich kaufte mir damals während einer BerlinReise einen lila Hut, mit dem ich am Sonntag als KindergottesdienstMitarbeiterin in die Kirche ging und mich zu den Kindern setzte. Die Orgel stimmte an "Wie schön leuchtet der Morgenstern"; da trat mein Pastor zu mir und sprach mit liebenswertem Lächeln: "Wie schön leuchtet der lila Hut" . . .

Alwite, 20. Januar 2018, 10:51 Uhr


Liebe Erika Moers, wunderbar - es wäre schön zu wissen, ob es den Hut noch gibt:-)

http://www.journeypraxis.com/angebotkontakt/lesenswertes/der-lila-hut

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Erika Moers, 20. Januar 2018, 11:42 Uhr


Ach, liebe Alwite - hätte ich ihn doch noch! Ich würde ihn jetzt ganz schnell aufsetzen - und dann: HINAUS! wie die 80-Jährige . . . Wie herrlich, was so ein Ding mit einem macht. Aber wir gehen einfach ohne ihn hinaus, nicht wahr?
Danke für dieses Lesenswerte.
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Alwite, 20. Januar 2018, 12:04 Uhr


Ehrensache:-)
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karinakr, 24. Januar 2018, 12:52 Uhr


Super, ich gehe mit.
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