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Verrückt, was Paulus da behauptet: Ausgerechnet einer, der nach den Regeln dieser Welt komplett versagt hat, soll der Retter sein? Mit so einem Programm gewinnt man im Poker um Macht und Einfluss ganz sicher keinen Blumentopf. Und doch besteht Paulus darauf: Was die Welt für verrückt hält, zählt bei Gott als Weisheit. Jesu Machtlosigkeit, sein Verzicht auf Gewalt, sein Tod am Kreuz und seine Auferstehung zeigen: Die Liebe Gottes stellt die Regeln dieser Welt auf den Kopf. Foto: fizkes

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Auf den Kopf gestellt

Andacht

Von Ingo Neserke | 14. Januar 2018

Über den Predigttext zum 2. Sonntag nach Epiphanias: 1. Korinther 2, 1-10

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Verrückt, was Paulus da behauptet: Ausgerechnet einer, der nach den Regeln dieser Welt komplett versagt hat, soll der Retter sein? Mit so einem Programm gewinnt man im Poker um Macht und Einfluss ganz sicher keinen Blumentopf. Und doch besteht Paulus darauf: Was die Welt für verrückt hält, zählt bei Gott als Weisheit. Jesu Machtlosigkeit, sein Verzicht auf Gewalt, sein Tod am Kreuz und seine Auferstehung zeigen: Die Liebe Gottes stellt die Regeln dieser Welt auf den Kopf. Foto: fizkes
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Ingo Neserke (52) ist Leiter des Amtes für missionarische Dienste der Evangelischen Kirche von Westfalen.

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Predigttext
1 Auch ich, meine Brüder und Schwestern, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten oder hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu predigen. 2 Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, ihn, den Gekreuzigten. 3 Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; 4 und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten der Weisheit, sondern im Erweis des Geistes und der Kraft, 5 auf dass euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft. 6 Von Weisheit reden wir aber unter den Vollkommenen; doch nicht von einer Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen. 7 Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit, 8 die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. 9 Sondern wir reden, wie geschrieben steht (Jesaja 64,3): „Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.“ 10 Uns aber hat es Gott offenbart durch den Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen Gottes.

Die Regierungsbildung ist schwierig. Es geht ja auch um nichts weniger als die Verteilung von Macht und Einfluss. Da kommt es in den Verhandlungen auf fundiertes Wissen, Geschick und Überredungskunst an. Denn am Ende geht es auch darum, wer die meisten Positionen hat durchsetzen können, wer am besten in der Öffentlichkeit dasteht.

Das sind die Spielregeln der Politik. Es ist gut und richtig, dass die Verteilung der Macht nach diesen Regeln verläuft, dass sie nicht mit Gewalt geregelt wird oder alles nur von einer Person abhängt. In der Welt der Politik, ja in dieser Welt insgesamt sind diese demokratischen Regeln der Machtverteilung ein hohes Gut. Sie können sogar als „weise“ bezeichnet werden.

Paulus hat damit aber schlechte Erfahrungen gemacht. Kaum ist er weg aus seiner „Lieblingsgemeinde“ in Korinth, da gibt es Ärger. Die Gemeinde hat sich gespalten. Einige haben Paulus auf ihren Schild gehoben, andere Apollos, den brillanten Redner. Eine dritte Gruppe steht hinter Kephas, der auch als Pe­trus bekannt ist, und eine vierte Gruppe behauptet, Christus selbst sei ihr Mann (1. Korinther 1,12). Der Inhalt der Botschaft, der doch für alle der gleiche sein sollte, ist völlig in den Hintergrund getreten. Es geht nur noch um das „Wie“, nicht mehr und das „Was“.

Da kann und will Paulus nicht mithalten. Er ist kein guter Redner, besticht nicht durch sein Auftreten oder großes Wissen. Er hat nur eine Botschaft, um die all sein Reden kreist: „Ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten.“

Das ist „verrückt“ nach den Regeln der politischen Klugheit, die in der Welt gilt. Mit dieser Botschaft gewinnt man keine Anhänger. Scheitern am Kreuz ist kein gutes Programm. Das weiß auch Paulus, doch er betont, dass es genau darauf ankommt. Deswegen „hielt (er) es für richtig, … nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten“. Dabei weiß er viel mehr von Christus zu sagen und zu schreiben und tut dies auch in seinem Brief. Christus, der Gekreuzigte, ist nicht alles, was er weiß, aber ohne dieses Zentrum ist alles Wissen nichts.

Es geht Paulus eben nicht um das „Was“ oder „Wie“, sondern um das „Wer“ und das „Wo“. Das Kreuz ist der Dreh- und Angelpunkt zum Verständnis dessen, wer Jesus Christus für uns ist: Gottes menschgewordene Liebe zu uns!

Am Kreuz wird erlebbar, wie weit Gott in seiner Liebe zu uns geht. Am Kreuz wird sichtbar, wohin die Liebe Gottes führt, die Weihnachten in Jesus in die Welt gekommen ist. Und nur vom Kreuz her ist erfahrbar, dass Gottes Liebe stärker ist als der Tod, wie er es an Ostern gezeigt hat (1. Korinther 15, 14). Davon schreibt Paulus in immer wieder neuen Wendungen an die Gemeinde in Korinth und wirbt so für den, auf den es ihm wirklich ankommt: Jesus Christus, den Gekreuzigten.

Ja, von dieser Liebe ist er so ergriffen, dass er von ihr zu singen beginnt: Diese Liebe „sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu“ (1. Korinther 13, 5). Aus dieser Liebe heraus dürfen wir als Menschen leben. Sie ist gegründet in der Liebe Gottes zu uns Menschen. Erst durch diese Liebe sind unsere Erkenntnis, Weisheit und Reden nicht nur Schall und Rauch. All dies erkennt Paulus in Jesus Christus, dem Gekreuzigten.

So ist es die Liebe Gottes, die alle Regeln dieser Welt auf den Kopf stellt – am Kreuz. Dort zeigt sich „was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben“ (Vers 9).

Gebet: Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken, mich in das Meer der Liebe zu versenken, die dich bewog, von aller Schuld des Bösen uns zu erlösen.
Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden ein Ärgernis und eine Torheit werden: so sei’s doch mir, trotz allen frechen Spottes, die Weisheit Gottes. (aus EG 91)

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