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Die Bibel lesen

Walter Schroeder | 12. Januar 2018

Woche vom 14. bis 20. Januar

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Sonntag:    Psalm 55
Montag:     5. Mose 2, 16-25
Dienstag:     5. Mose 3,1 2-29
Mittwoch:     5. Mose 4, 1-14
Donnerstag:     5. Mose 4, 15-24
Freitag:     5. Mose 4, 25-40
Samstag:     5. Mose 5, 1-22

In den ersten vier Kapiteln geht es um einen geschichtlichen Rückblick. In 4,41 sind die drei Freistädte im Ostjordanland erwähnt, in die ein Täter bei fahrlässiger Tötung oder Totschlag fliehen konnte. Und interessant die Ergänzung: „... der ihm (dem Opfer) vorher nicht feind gewesen ist!“ Das heißt, es betrifft nur solche Täter, die den Frieden nicht willentlich aufs Spiel gesetzt und bislang die Harmonie des Zusammenlebens nicht gestört hatten. In diesen Freistädten war ein Täter vor der Blutrache geschützt, nicht vor dem ordentlichen Gericht! Die Blutrache ist archaisches Erbe der Menschheit, auch in zivilisierten Nationen spürt man davon noch Reste etwa bei der Todesstrafe oder wenn nach scheußlichen Verbrechen spontan radikale und drastische Strafen als „Sofortmaßnahme“ gefordert werden.

Damals sollte ein Vergehen gegen Leib und Leben gewiss mit dem Tode bestraft werden (2.Mose 22,12), aber erst nach einer ordentlichen Gerichtsverhandlung. In der Praxis wurde dann stillschweigend dafür gesorgt, dass in der Nacht vor der Vollstreckung die Gefängnistür offen stand. Der Verurteilte konnte fliehen und sich andernorts, keinesfalls in der Heimat, eine neue Existenz aufbauen. Er konnte, musste aber nicht.

In Kapitel 5 werden noch mal die Zehn Gebote aufgeführt. Es lohnt sich der Vergleich zu Exodus 20. Das Sabbat- und das Bilderverbot nehmen großen Raum und Gewicht ein. Die Mitte ist jedoch das fünfte Gebot „Du sollst nicht töten!“ – und du brauchst es auch nicht. Im Laufe der Zeit haben sich die Gewichte verschoben, auch ist die Zählung im christlichen Gebrauch verändert worden. Im Grunde ist das in unserer Bezifferung neunte und zehnte Gebot ursprünglich nur eins zum Stichwort „begehren“, dafür ist das Bilderverbot in den Hintergrund getreten und – etwa in Luthers Kleinem Katechismus – in die „Erklärungen“ gerückt.

Immer gilt: Es sind keine diktatorischen „Verbotsschilder Gottes“, mit denen der seine Geschöpfe drangsalieren will. Ganz im Gegenteil wollen sie An-Gebote sein, die das Leben absichern wie Geländer den Übergang über Brücken schützen und so davor bewahren, in Abgründe zu stürzen.

Bei Vers 16 lautet der Akzent: Du sollst deine Eltern ehren, wenn sie alt und gebrechlich sind! Das Gebot zielt weniger auf die Kindererziehung, sondern auf die Altersversorgung. In Vers 21 handelt es sich bei den Knechten und Mägden um Sklaven, also Gekaufte, Kriegsgefangene zumeist. Fremdlinge dagegen sind Besucher oder besser noch: Gäste.

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