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Urbedürfnis Wasser

Andacht

Von Annette Kurschus | 1. Januar 2018

Zur Jahreslosung für das Jahr 2018: Offenbarung 21, 6

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Annette Kurschus (54) ist Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen. Foto: gmh

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Jahreslosung 2018
Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Durst hat es in sich. Mehr noch als Hunger. Man kann einige Zeit ohne feste Nahrung auskommen. Ohne Flüssigkeit nicht.
Durst stößt uns auf das Elementarste und Kostbarste, was wir zum Leben brauchen. So nötig wie die Luft zum Atmen. Und ausgerechnet das – umsonst?
Von wegen: Was nichts kostet, ist nichts wert.
In diesem Gotteswort geht es ums Ganze. Und das wird uns „gratis“ in Aussicht gestellt.

Absurd also und himmelschreiend im wahrsten Sinne des Wortes, dass fast 850 Millionen Menschen auf der Erde keinen Zugang zu frischem Wasser haben. In vielen Ländern herrscht Dürre. Mancherorts gehört das Wasser nicht mehr allen, sondern ein paar großen Konzernen. Nitrat belastet das Grundwasser. Die Meere verdrecken.
„Wasser für alle“: Es ist, als brächte das diesjährige Motto von „Brot für die Welt“ die biblische Jahreslosung auf den Punkt.
Ja, es geht ums Überleben.
Und darum, dass Gott selbst es will. Für jeden Menschen, ausnahmslos.
„Gratis“ – umsonst.

Wir kommen nicht weit, wenn wir unterscheiden wollen zwischen dem „echten“ Durst nach Wasser und dem „Durst im übertragenen Sinne“ nach Lebenssinn. Das Urbedürfnis unseres Körpers lässt sich nicht trennen von der Sehnsucht unserer Seele.

In beidem geht es um das Recht zu leben.
Und wenn weltweit so viele verdursten; wenn auch hier bei uns Unzählige durstig bleiben: Dann ist das tiefstes Unrecht. Weil es sich gegen den erklärten Willen des Schöpfers wendet.
Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Trost für Leib und Seele

Die große Vision des Sehers Johannes am Ende der Bibel gibt lebensnot-wendigen Trost für Leib und Seele: Gott selbst wird bei den Menschen wohnen. Alle Tränen wird er abwischen. Der Tod wird nicht mehr sein.
Es wird kein Leid mehr geben, kein Geschrei, keinen Schmerz.
Ein neuer Himmel und eine neue Erde werden sein, in denen alles Unrecht, aller ungestillte Durst nach Leben ein Ende haben.
All das wird uns in Aussicht gestellt – von dem, der das A und das O ist, der Anfang und das Ende, der Grund und das Ziel.

Auch im neuen Jahr wird der Menschheitsschrei „Mich dürstet!“ nicht verstummen. Bei manchen verdunstet die Hoffnung, diese Welt sei noch zu retten: „Umsonst, dass ich mich einsetze. Umsonst, dass ich mich mühe. Vergeblich. Sinnlos.“
Verrückt, dass dieses eine kleine Wörtchen „umsonst“ zwei derart unterschiedliche Bedeutungen hat. Es kann tiefe Resignation ausdrücken – und beglücktes Beschenktsein. Frust und Gnade.

Durst stillen. Kostenlos. Geschenkt

Womöglich weist uns dieses sprachliche Phänomen auf ein tiefes Geheimnis unseres Glaubens. Auf einen scheinbaren Widersinn, der womöglich ein heilsamer Doppelsinn ist: Da, wo menschliche Möglichkeiten an ihr Ende geraten; da, wo mir alles aussichtslos und vergebens erscheint; da, wo mir die Zunge am Gaumen klebt vor Durst und die Seele austrocknet: Da ist Gott auf dem Plan mit seiner Verheißung des Lebens. Mitten da hinein sagt der Schöpfer sein erlösendes: Ich werde deinen Durst stillen. Kostenlos, geschenkt.

Zu diesem Weihnachtsfest bin ich auf eine außergewöhnliche Krippe gestoßen. Sie wurde von einem Künstler aus Afrika gemacht.

Die Krippe hat keinen Stall, sondern einen Brunnen. Sämtliche Figuren – Maria und Joseph, die Hirten und die Könige, auch die Engel – aus schwarzem Ebenholz.
Die Geburt dessen, der aller Welt Durst löschen wird: Hier, an dieser Krippe mit dem Brunnen, fand ich sie auf berührende Weise ins Bild gesetzt. Da liegt der in der Krippe, der später – wieder an einem Brunnen –  von sich sagen wird: Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten.
Diese Verheißung wird uns durch ein neues Jahr tragen.
Der das sagt, lässt niemanden im Stich.

An jedem Tag anno Domini 2018 wird er bei uns sein.

Gebet: Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst. Dass du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir. Wir hoffen auf dich – sei da, sei uns nahe, Gott. Amen.

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