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In einem Kind kommt Gott uns ganz nah. Das ist die Botschaft von Weihnachten. In diesem Kind, so glauben wir Christinnen und Christen, haben sich die Verheißungen Gottes erfüllt. Bisher zwar nur bruchstückhaft, nur als Ahnung; aber doch so, dass wir seit Jahrtausenden gewiss sind: Einmal wird das große Licht, von dem im Predigttext zu Heiligabend die Rede ist, die ganze Welt erfüllen. Foto: S.kobold
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Dietmar Arends (54) ist Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche. Foto: Lippische Landeskirche

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Ein Kind ist uns geboren

Andacht

Von Dietmar Arends | 24. Dezember 2017

Über den Predigttext für die Christvesper am Heiligen Abend: Jesaja 9,1-6.

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In einem Kind kommt Gott uns ganz nah. Das ist die Botschaft von Weihnachten. In diesem Kind, so glauben wir Christinnen und Christen, haben sich die Verheißungen Gottes erfüllt. Bisher zwar nur bruchstückhaft, nur als Ahnung; aber doch so, dass wir seit Jahrtausenden gewiss sind: Einmal wird das große Licht, von dem im Predigttext zu Heiligabend die Rede ist, die ganze Welt erfüllen. Foto: S.kobold
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Dietmar Arends (54) ist Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche. Foto: Lippische Landeskirche

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Predigttext
1 Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. 2 Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir freut man sich, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt. 3 Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians. 4 Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. 5 Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; 6 auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er‘s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth.

Was für eine Zukunftsansage, die der Prophet da laut werden lässt! Es sind Worte, die mich in ihren Bann ziehen. In einer Welt, in der immer noch so oft das Recht des Stärkeren zu gelten scheint, üben diese Worte eine große Anziehungskraft auf mich aus. In kraftvollen Bildern erzählt der Prophet davon, was geschehen wird, wenn sich alles zum Guten wendet. Licht durchbricht die Dunkelheit; Freude und Jubel breiten sich aus. Menschen, die man niedergedrückt und ausgebeutet hat, erfahren Befreiung. Und – endlich! – ist Frieden. Soldatenstiefel werden nicht mehr gebraucht. Die blutgetränkten Mäntel ein für alle Mal vernichtet. Wie hören wir diese Worte in einer Welt, in der noch immer so oft Krieg und Gewalt das Sagen haben?
Zur Zeit des Propheten verband sich diese Hoffnung mit der Gestalt eines neuen Königs, eines Nachfolgers des großen Königs David. Dieser König wird mit wundersamen Namen belegt. Sie sollen sagen: Letztlich ist es Gott selbst, der in diesem König handelt und regiert. Er bringt dem Volk Israel und der Welt Heil, wendet alle Wege zum Guten.

Jahrhunderte vor der Nacht, die wir nun bald wieder feiern, hat ein Prophet in Israel dieses großartige Hoffnungsbild gemalt. Der Prophet hatte diese Wende zum Guten wohl viel eher erwartet, sah sie sozusagen schon am Horizont. Es waren Hoffnungsworte in einer fast aussichtslos scheinenden Lage. Es kamen dann neue Könige und gingen auch wieder. Neuanfänge wurden für das Volk möglich. Aber die große Wende zum Guten blieb aus.

Über 700 Jahre später wird vor den Toren Bethlehems ein Kind geboren. Licht durchbricht die Dunkelheit. Menschen, die ihr Leben als trostlos empfanden, werden mit neuer Hoffnung erfüllt. Man erzählt sich, ein neuer König sei geboren. Die Engel beginnen zu jubeln. Schon früh haben die, die von dieser Nacht erzählten, sich an die alten Worte der Propheten erinnert. Sie haben in ihnen etwas wiedergefunden in der Nacht von Bethlehem.

Und ich liebe es jedes Mal, wenn diese Worte im Gottesdienst zu Heilig Abend erklingen am Beginn des Gottesdienstes, als Lesung, als Wort zur Predigt: „Denn ein Kind ist uns geboren...“ Wir wagen zu hoffen und zu glauben, dass uns in diesem Kind Gott selbst begegnet, uns nahe kommt. Und wir vertrauen darauf, dass diese Nähe unserem Leben gut tut, dass sie unser Leben heller macht und manche Dunkelheit unseres Lebens durchbricht.

Ja, dieses Kind, das uns geboren ist, macht mein Leben heller und freundlicher. In ihm begegnet mir die unendliche Liebe Gottes. In ihm erfahre ich mich angenommen, wie ich bin, aufgehoben auch mit meinen Fehlern und Schwächen. In ihm bekomme ich eine Ahnung, dass dem Tod, der oft so dunkel auf unserem Leben lastet, die Macht genommen ist. In ihm lerne ich immer wieder neu, mich nicht mit der Welt abzufinden, wie sie ist, sondern für eine gerechte Welt einzutreten und zu streiten.
Denn auch das ist wahr: Auf den Tag, an dem sich alles zum Guten wendet, warten wir noch immer. Wir leben in einer Welt, in der weiter Kriege und Bürgerkriege Menschen in die Flucht treiben. Wir leben in einer Welt, in der Länder einander schon wieder mit der totalen Vernichtung drohen. Wir leben in einer Welt, in der der Terrorismus Angst und Schrecken verbreitet. Nein, die Stiefel und blutgetränkten Mäntel sind noch immer nicht endgültig vernichtet.

Solange das so ist und so viel Unrecht zum Himmel schreit, so lange brauchen wir Hoffnungsbilder wie dieses, das der Prophet malt. Sie verbinden uns mit dem Volk Israel. Denn das Kind aus jener Nacht bei Bethlehem hat uns mit hineingenommen in diese Hoffnung.

Gebet: Gott, unfassbar aber wahr: Zu Weihnachten kommst du selbst zur Welt. Ja, komm zu uns, Gott, du Licht in unsere Dunkelheit, du Rat in unsere Ratlosigkeit, du Stärke in unsere Schwäche, du Gott in unsere Gottlosigkeit, du Friedefürst in unsere Friedlosigkeit. Amen.

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