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Die Bibel lesen

Walter Schroeder | 15. Dezember 2017

Woche vom 17. bis 23. Dezember

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Sonntag:    Lukas 1, 46-55
Montag:     Sacharja 11, 4-17
Dienstag:     Sacharja 12, 9–13, 1
Mittwoch:     Sacharja 14, 1-11
Donnerstag:     Maleachi 1, 6-14
Freitag:     Maleachi 2, 17–3, 12
Samstag:     Maleachi 3, 13-24

Mit dem letzten Buch des ersten Testamentes endet die Adventszeit. Maleachi (=mein Bote) ist möglicherweise ein „Kunstname“ für einen, der den „Schicksalsspruch Jahwes gegen Israel“ überbrachte. Der zerstörte Tempel war inzwischen wieder aufgebaut worden. Die Gottesdienste sind in Gang, und auch die Stadt Jerusalem hat ihre Ordnung. Aber damals wie heute geht die Zeit weiter. Trotz dieser guten Voraussetzungen herrscht eine lähmende Gleichgültigkeit gerade bei den „Frommen“. Zweifel an der Kraft der Nächstenliebe und überhaupt der Macht Gottes sind aufgekommen. Dazu treten um den Tempeldienst herum schlimme Zustände zutage: Korruption beim Verteilen der Opfer!

Insgesamt zeigt sich der fromme Alltag wie die Krise einer Ehe, bei der dem „Weib deiner Jugend“ die Tochter eines fremden Gottes vorgezogen wird. Hinter diesen Anschuldigungen stehen vermutlich die Scheidungen der Heimgekehrten, die womöglich ihre alten Bindungen aufgelöst hatten, um im Exil einheimische Frauen heiraten zu können. Gegeißelt werden auch sonst die „alten Sünden“. Die zeigen sich weniger im Gottesdienst als in der unsozialen Einstellung gegenüber Arbeitern, Witwen, Waisen und gegen Fremde, aber auch an abergläubischen Gebräuchen. Und die alte Frage quält: Ist Gott angesichts solcher Realität gerecht? Alle Bittprozessionen zu Jahwe, auch wenn sie „seinen Altar mit Tränen bedecken“, nützen nichts, sondern auf die Änderung des Lebens kommt es an.

Aus heutiger Sicht vollzieht sich die Prophetie des Maleachi in engen zeitgeschichtlichen, ja wohl auch national-partikularistischen Grenzen jener Zeit des Wiederaufbaus. Wie nach jeder Katastrophe zeigte sich hier, dass es nicht genügt, einfach das Alte wieder herzustellen; es muss vor allem Platz für neuen Geist sein. Unter diesem Gesichtspunkt muss zwar Altes erhalten werden, aber sich eben auf Neues hin verwandeln. Und dieser Neue ist der Herr, den ihr sucht! Der letzte Prophet des ersten Testamentes steht für die Hoffnung auf das erwartete, aber noch nicht in Erscheinung getretene Heil. Immerhin wurde damals auch deutlich, dass die Gründe für das Ausbleiben nicht bei Gott liegen, der seinen Geschöpfen zugewandt ist, sondern allein bei dem Volk , den Menschen und einem Gott unwürdigen Verhalten.
Diese prophetischen Texte begleiten in diesem Jahr bis Heiligabend und wollen helfen, die weihnachtliche Botschaft auf dem rechten Hintergrund zu verstehen. Wenn die Sonne der Gerechtigkeit aufgeht und sich unter ihren Flügeln das Heil ausbreitet, ist das auch der große und schreckliche Tag des Herren, dem wir mit jedem Jahr näherrücken.

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