hg
Bild vergrößern
Oh, diese Wünsche. Welche soll man Kindern erfüllen? Und welche hätten wir selbst gern erfüllt? Foto: TSEW
Buchtipp

Heidemarie Langer
Versteckte Geschenke
Kalendergeschichten von Advent bis Heilige Drei Könige

zur Detailseite

Anzeige

Über Bitten und Verstehen

Advent

Aus der Printausgabe - UK 50 / 2017

Von Gerd-Matthias Hoeffchen | 11. Dezember 2017

Nicht nur Kinder haben Wünsche. Auch wir. Und zwar ständig: Lass meine Mutter nicht sterben. Steh meinen Kindern bei. Gib mir Kraft. Und Gott gibt – oder er gibt nicht. Warum?

Bild vergrößern
Oh, diese Wünsche. Welche soll man Kindern erfüllen? Und welche hätten wir selbst gern erfüllt? Foto: TSEW

Anzeige

Jetzt hat sie wieder begonnen – die Zeit der Wunschzettel. Und so mancher muss erst mal schlucken: Kann, soll, darf ich dem Kind diesen Wunsch erfüllen? Kriegsspielzeug. Handy. Haustier. Da ist psychologischer Sachverstand und vielleicht auch Beratung gefragt.

Interessant ist die Frage nach dem Wunschzettel auch aus der Sicht des christlichen Glaubens. Wir erleben hier quasi eine Umkehrung der üblichen Situation, in der wir es sind, die Gott um etwas bitten.

Kann man das vergleichen? Gott als der Vater, die Mutter – und der Mensch ist das Kind, das von den Eltern etwas will? Die Bibel kennt durchaus diese Vorstellung. Wir betteln Gott geradezu an: Gib, dass ich meine Arbeitsstelle nicht verliere. Steh meinem Freund bei der OP bei. Lass meine Mutter nicht sterben. Und Gott gibt – oder auch nicht.

Eine gewagte Vorstellung, eine Zumutung, zumindest für die Menschen der heutigen Tage. Wir – die unmündigen Kinder? Die wissen ja in der Regel nicht, was gut für sie ist. Ihnen fehlt die Wunsch-Kompetenz. Kinder wünschen –Erwachsene entscheiden, was davon gut ist.

Ist das bei Gott auch so? Letztlich kann wohl niemand genau sagen, wie das alles genau zusammenhängt. In der Bibel geht es jedoch in der Tat durchaus in diese Richtung. Wir sollen Gott bitten. Und er gibt. Aber: Er gibt über Bitten und Verstehen, über das Maß unserer menschlichen Einsicht  hinaus, heißt es im Epheserbrief im dritten Kapitel.

Über Bitten und Verstehen – das mag zunächst einmal tatsächlich arg nach Entmündigung klingen. Allerdings – und diese Erfahrung dürfte jeder kennen: Wie oft war man im Nachhinein froh, dass sich ein Herzenswunsch dann doch nicht erfüllt hatte. Bei der Partnerwahl. Im Beruf. Und wie oft hatte man sich, wenn sich ein Wunsch erfüllt hatte, später sehnlichst gewünscht, dass dieser Wunsch wieder rückgängig gemacht werden könnte. Die Sagen und Märchen der Menschheit sind voll davon. König Midas, der sich überbordenden Reichtum wünschte. Und dann fast verhungerte und verdurstete, weil alles, was er anfasste, zu Gold wurde. Des Fischers Frau, die ihr Wünschen zur Maßlosigkeit verführte.

Sicher, manches kann man einfach nicht akzeptieren. Und schon gar nicht verstehen. Wenn jemand jung stirbt zum Beispiel. Überhaupt: das Leid in der Welt. All die Dummheit, die Ignoranz. Die Gewalt.

Die Menschen bekommen etwas zugemutet. Geschenke Gottes?
Das Geschenk Gottes ist Jesus Christus. Mit ihm kommt Hoffnung in die Welt. Er hat gelebt, sich gefreut, gefeiert. Wie wir. Gezittert und gezagt. Er hat gelitten und ist früh gestorben. Der Sohn Gottes kennt das Leid. Die Enttäuschung. Das bange Fragen: Könntest du den Kelch nicht doch an mir vorübergehen lassen? Die Enttäuschung. Und dann das Fügen, das Sich Fallen Lassen. Das Vertrauen: Letztlich wird alles gut.

Das meint Advent. Den einen Wunsch: Unser Herr, komm bald. Lass dein Reich anbrechen. Mach, dass alles gut wird.

3

Leser-Kommentare öffnen

Alwite, 11. Dezember 2017, 15:49 Uhr


Das Weihnachtsgeschenk
von Father Joe (Schulpfarrer)

Paul bekam von seinem Bruder zu Weihnachten ein Auto geschenkt. Als Paul am Nachmittag des Heiligen Abend sein Büro verließ, sah er, wie ein Junge um sein nagelneu blitzendes Auto herumschlich. Er schien echt begeistert davon zu sein. „Ist das ihr Auto, Mister?“ fragte er.

Paul nickte. „Ja, mein Bruder hat es mir zu Weihnachten geschenkt. Der Junge blieb wie angewurzelt stehen. “Mensch ich wünsche … .“ Er zögerte. Natürlich wusste Paul, was der Junge sich wünschen würde. Auch so einen Bruder zu haben. Aber was er sagte, kam für Paul so überraschend, dass er seinen Ohren nicht traute.

„Ich wünsche mir“, fuhr der Junge fort, “ich könnte auch so ein Bruder sein.“ Paul sah den Jungen an – und fragte ihn spontan:“ Hast Du Lust auf eine kleine Spritztour mit dem neuen Auto?“

„Das wäre echt toll!“

Nachdem sie eine kurze Strecke gefahren waren, fragte der Junge mit glühendem Augenaufschlag: “Würde es ihnen etwas ausmachen, bis zu unserer Haustür zu fahren?“

Paul schmunzelte. Er wollte seinen Nachbarn zeigen, dass er in einem großen Auto nach Hause gefahren wurde. Paul irrte sich ein zweites Mal.

„Können sie da anhalten, wo die Stufen beginnen?“ Er lief die Stufen hinauf. Nach kurzer Zeit hörte er ihn. Er kam nicht schnell gerannt. Der Junge trug seinen behinderten kleinen Bruder.

Er setzte ihn auf der untersten Stufe ab und erzählte ihm von dem Auto.

„Eines Tages werde ich Dir auch ein Auto schenken, dann kannst Du dir all die schönen Sachen in den Schaufenstern ansehen, von denen ich dir erzählt habe.

Paul stieg aus und hob den kleinen Burschen auf den Beifahrersitz. Mit glänzenden Augen setzte sich sein großer Bruder neben ihn – und die drei machten sich auf zu einem Weihnachtsausflug, den keiner von ihnen jemals vergessen würde.

An diesem Heiligabend verstand Paul, was Jesus gemeint hatte, als er sagte: „Es ist seliger, zu geben..."

Auch wenn die Begebenheit vom Thema abweicht - und Liebe auszudrücken in Vielfalt nicht zu übertreffen ist. Wenn wir genau hinschauen, kennen wir alle Menschen wie diesen Jungen. Haben wir womöglich wie Paul nur vergessen, wie es sich wahrhaft zu lieben anfühlt?
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login

Erika Moers, 17. Dezember 2017, 13:50 Uhr


Darum sind solche Erzählungen so wichtig, liebe Alwite. Danke dafür; ich bin eine Sammlerin solcher "kleinen geschichten" mit GROßEN BOTSSCHAFTEN! Und hier ist es wieder ein Kind, das auf seine Weise unseren Blick auf Wesentliches lenkt.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit.
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login

Alwite, 18. Dezember 2017, 19:43 Uhr


Lieben Dank, liebe Frau Erika Moers, das moralische Gesetz, von dem Kant in seiner Kritik der Vernunft schreibt, ist wie in diesem Kind, bei allen Kindern, die in Liebe heranwachsen vorhanden. Gerade von meinen Enkeln erfahre ich in jetziger Zeit, da Menschen um sie herum in negativen Botschaften baden, so viel Lehrreiches, das aufzugreifen und sie darin zu bestärken, Freude ist.
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login
Bitte melden Sie sich erst an, um einen Kommentar zu verfassen
zum Login
Buchtipp
Buchtipp

Heidemarie Langer
Versteckte Geschenke
Kalendergeschichten von Advent bis Heilige Drei Könige

zur Detailseite
Buchtipp

Heidemarie Langer
Versteckte Geschenke
Kalendergeschichten von Advent bis Heilige Drei Könige

zur Detailseite
Per E-Mail empfehlen