hg
Bild vergrößern
In seiner Zeit als Bordseelsorger hat Arthur Stenzel viel gesehen und erlebt. Das Foto zeigt ihn auf dem Schiff in der Nähe des Kap Hoorn vor Südamerika. Foto: privat

Anzeige

Dreimal um die ganze Welt

Bordseelsorge

Aus der Printausgabe - UK 50 / 2017

Von Karin Ilgenfritz | 7. Dezember 2017

21 Jahre lang war Arthur Stenzel auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs. Jetzt fuhr der Pfarrer zum letzten Mal auf hoher See – zumindest als Bordseelsorger

Bild vergrößern
In seiner Zeit als Bordseelsorger hat Arthur Stenzel viel gesehen und erlebt. Das Foto zeigt ihn auf dem Schiff in der Nähe des Kap Hoorn vor Südamerika. Foto: privat

Anzeige

102 Länder hat er gesehen, manche davon mehrmals. 684 Tage auf See. Drei Weltreisen waren dabei. Arthur Stenzel war 21 Jahre als Bordseelsorger aktiv. In diesem Jahr hat er zum letzten Mal eine Kreuzfahrt in dieser Funktion begleitet. „Ich bin 74 Jahre alt“, meint er. „Irgendwann muss auch mal Schluss sein.“

Das Reisen liegt dem gebürtigen Hildesheimer im Blut. Schon  als ehrenamtlicher Mitarbeiter in der Jugendarbeit hat er gerne Reisen für Kinder und Jugendliche organisiert. So kam es auch, dass der gelernte Großhandelskaufmann noch wechselte und Diakon wurde. In dieser Funktion hat er 1972 eine Reise für „seine Jugendlichen“ nach Südafrika durchgeführt. „Das war ein tolles und prägendes Erlebnis“, sagt er.

Es begann mit Reisen für Jugendliche

Damals arbeitete er als Jugenddiakon in Uslar. „Von dort holte mich der damalige Jugendpfarrer Erich Eltzner nach Villigst“, erzählt Stenzel. Dort übernahm er die Geschäftsführung des Amtes für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen und bildete sich noch einmal weiter: zum Pfarrer. „Damals gab es die so genannte Predigerpastorenausbildung.“ Auch wenn er nie Pastor werden wollte, so ist er heute froh, dass alles so gekommen ist. Nach 20 Jahren in Villigst ging Stenzel nach Hagen, wo er für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege zuständig war. „Das war eine schöne Aufgabe“, meint er.

Dort wurde ihm auch klar, dass Reisen nicht nur etwas für jüngere Menschen ist. „Ältere Menschen haben die Zeit und auch das Geld, um sich die Welt anzuschauen“, so seine Erfahrung. So organisierte er während seiner Zeit in Hagen – 13 Jahre – jährlich zwei Reisen: „Eine für die älteren Senioren und eine Studienreise für die jüngeren oder fitten Senioren. Das kam gut an.“

Eines Tages hat seine Frau in UK einen Artikel über Bordseelsorge gelesen und ihm den gezeigt mit den Worten: „Das wäre doch was für dich.“ Und so hat er sich damals bei der „Evangelischen Auslandsberatung für Auswanderer, Auslandstätige und Ausländerehen e.V.“ in Hamburg gemeldet. Längere Zeit sei nichts passiert, doch schließlich wurde er angefragt. Seine erste Kreuzfahrt führte ihn 1996 rund um Westeuropa: von Southampton nach Venedig. „Für mich war das echt happig, denn die Reise war englischsprachig, und ich musste die Gottesdienste immer zweimal halten – einmal auf deutsch und einmal auf englisch.“

Wenn Arthur Stenzel von seinen Reisen erzählt, kommt er ins Schwärmen. Vor allem die drei Weltreisen haben ihn geprägt. „Da hatte ich als Seelsorger auch für die Crew eine ganz andere Bedeutung. Da wächst man zusammen.“ Zwischen vier und viereinhalb Monaten war er jeweils unterwegs.

Alle drei großen Reisen begangen im November oder Dezember. „Die meisten Gäste haben sich das gezielt ausgesucht und wollten bewusst über Weihnachten und Neujahr unterwegs sein“, berichtet Stenzel. Das sei auch für ihn etwas Besonderes gewesen. „In der Adventszeit habe ich zu den üblichen Andachten und Gottesdiensten noch Meditationen zum Advent angeboten.“

An Weihnachten war er als Pfarrer besonders wichtig. Ein Gottesdienst gehörte zum festen Programm. „Heiligabend haben wir schon nachmittags zum Singen eingeladen. Da habe ich mich mit dem Bordpianisten zusammengetan“, berichet Arthur Stenzel. Abends gab es eine große Galashow, bei der er eine tragende Rolle hatte: „Ich war der Weihnachtsmann, habe Geschichten erzählt und Geschenke verteilt.“

Das Beste an den Kreuzfahrten? „Man sieht viel. Vor allem aber habe ich viele interessante, freundliche Menschen kennengelernt.“

0

Leser-Kommentare öffnen

Bitte melden Sie sich erst an, um einen Kommentar zu verfassen
zum Login
Per E-Mail empfehlen