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Der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, Jan Janssen, ist von seinem Amt zurückgetreten. Foto: epd

Stühlerücken im deutschen Protestantismus

Bischof Janssen tritt zurück

24. November 2017

Zwei Führungspositionen im deutschen Protestantismus müssen neu besetzt werden: Die Landeskirchen in Oldenburg und Mitteldeutschland brauchen neue Spitzen. Die westfälische Synode wählte einen neuen Theologischen Vizepräsidenten.

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Der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, Jan Janssen, ist von seinem Amt zurückgetreten. Foto: epd

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Erfurt/Bielefeld (epd). Überraschungen im deutschen Protestantismus: Der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, Jan Janssen (54), ist am Donnerstag von seinem Amt zurückgetreten. Auch die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland steht vor einem Wechsel an der Spitze. Der Landeskirchenrat verwehrte der 60 Jahre alten Bischöfin Ilse Junkermann die Verlängerung ihrer Amtszeit über 2019 hinaus. Derweil wählte die Synode der Evangelischen Kirche von Westfalen den Dortmunder Superintendenten Ulf Schlüter zum neuen Theologischen Vizepräsidenten.

Zur Personalie Junkermann sagte der Vorsitzende des Landeskirchenrats, Diethard Kamm, am Mittwochabend auf der Herbsttagung des Kirchenparlaments in Erfurt, das Leitungsgremium habe beschlossen, keinen Antrag auf eine Amtszeitverlängerung bei der Landessynode zu stellen. Junkermann sprach in einer ersten Reaktion von einer Entscheidung, die schmerze. Sie wollte nach dem Ende ihrer regulären Amtszeit 2019 noch vier Jahre bis zum Erreichen des Ruhestandsalters im April 2023 Bischöfin bleiben.

Der Rücktritt von Janssen wurde auf der Synode der Oldenburger Kirche in Rastede bekanntgegeben. Nach den Jahren als Bischof wolle er einen Neuanfang als Pastor «in Verkündigung und Seelsorge an der Basis vor Ort», erklärte Janssen zur Begründung. Er war im Mai 2008 zum Nachfolger von Peter Krug gewählt worden. Der heute 54-Jährige war damals der jüngste Bischof in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg zählen 116 Gemeinden zwischen der Nordseeinsel Wangerooge und den Dammer Bergen. Ihr gehören knapp 424.000 Mitglieder an.

Wie es mit ihm weitergeht, kann Janssen nur andeuten. Eine Stelle außerhalb der oldenburgischen Kirche habe er bereits im Blick, doch sei das Bewerbungsverfahren noch nicht abgeschlossen. Damit die Kirche handlungsfähig bleibt, hat die Kirchenleitung Janssen bis Ende Januar mit der Vertretung des Bischofsamtes beauftragt.

Junkermann war von der Landessynode im März 2009 für eine Amtszeit von zehn Jahren gewählt worden. Kamm vom mitteldeutschen Landeskirchenrat sagte, im ausführlichen Austausch und gründlicher Beratung sei der Landeskirchenrat zu dem Ergebnis gekommen, dass «andere und neue Impulse der Konsolidierung und des Aufbruchs in die Gesellschaft» für die mitteldeutsche Kirche wichtig seien. Junkermann erwiderte, sie wäre gerne zu einer Verlängerung ihrer Amtszeit bereit gewesen. Selbstverständlich respektiere sie den Beschluss des Landeskirchenrats. «Zu diesem Zeitpunkt schafft er Klarheit, auch für mich selbst.»

Auch die Evangelische Kirche von Westfalen hat ein wichtiges Leitungsamt neu besetzt: Der Dortmunder Superintendent Ulf Schlüter wird neuer Theologischer Vizepräsident der viertgrößten deutschen Landeskirche und damit Stellvertreter von Präses Annette Kurschus.

Die Landessynode wählte den 55-jährigen Theologen am Donnerstag zum Nachfolger von Albert Henz (63), der in den Ruhestand geht. Der Amtswechsel erfolgt am 1. Juli 2018, die Amtszeit beträgt acht Jahre. Zum Abschluss seiner Jahrestagung verabschiedete das Kirchenparlament auch den Haushalt für das kommende Jahr.

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