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Seltsamer Besuch

Angemerkt

Uwe Hermann | 16. November 2017

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Sie kommt bevorzugt im Dunkeln zu Besuch. Unangemeldet. Weder Brief noch E-Mail und auch kein Anruf künden vorher ihr Kommen. Das kann von der stets gleich gekleideten älteren Dame auch nicht erwartet werden. Denn schreiben ist ihre Sache nicht. Und außer gelegentlichem Schnaufen oder Grunzen entfährt ihrem Spitzmund nichts, was auch nur ansatzweise  sprechen genannt werden kann.
Ebenso wenig würde die etwas krummbeinig Dastehende an der Haustür schellen. Müsste sie sich dazu doch eines mindestens vier Körperlängen messenden Stocks bedienen, um an den Klingelknopf zu gelangen. So sie den denn halten könnte. Wie dem auch sei. Besagte Betagte ist – eine Igel-Mutter.

Neulich schaute sie wieder einmal unversehens vorbei. Über die Terrasse tippelte sie – hinterdrein ihr Igelkind im selben zwei Stachelnummern kleineren Outfit – schnurstracks Richtung Fressnapf. Hörbar schmatzend wurde dann alles aufgeschleckt, was die beiden Haustiger übrig gelassen hatten. Nach einem kurzen Blick in deren Unterschlupf ging‘s – alle Krummbeinchen abmarschbereit aufgestellt – tippelnd und ebenso unversehens wieder fort.

Die Dunkelheit hatte die beiden Stachelhäuter kaum verschluckt, als Madame Katze auf der Bildfläche erschien. Irritiert, so als hätte sie ewas in ihrem Schönheitsschlaf gestört, lugte sie hervor. Nichts zu sehen. „Aber da war doch was?! Oder etwa doch nicht?“, hätte sie wohl von sich gegeben. Aber das ist nur aus Märchen bekannt und selbst da nur von Katern, die Mikesch oder der Gestiefelte heißen. Sie aber war eine Dame, die „Smilla“ gerufen wird. Gekommen war auch sie einst unangemeldet. Übers Garagendach. Und durfte bleiben. Leerer Napf? Für sie kein Problem mehr. – Heißt: Setzen und vertrauensvoll gucken.

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