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Die Bibel lesen

Walter Schroeder | 10. November 2017

Woche vom 12. bis 18. November

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Sonntag:    Psalm 110
Montag:     Hesekiel 36, 16-32
Dienstag:     Hesekiel 37, 1-14
Mittwoch:     Hesekiel 37, 15-28
Donnerstag:     Hesekiel 40, 1-16
Freitag:     Hesekiel 42, 15–43, 12
Samstag:     Hesekiel 47,1-14

Das Volk ist als Volk tot, ohne Hoffnung. Das ist der Tiefpunkt. Der Prophet schaut nichts als Totengebeine. Die gegenwärtige Situation wird ohne Illusion gesehen.
Aber die kommende Heilszeit ist im Anbruch. Jahwe ist Richter und Schöpfer. Er bringt das Zerschlagene zusammen und gibt Bewegung und Leben, wo Totenstarre und Verwesung herrschten: eine Neuschaffung. Das neue Gottesvolk ist bei Hesekiel die Gruppe der Verbannten im Exil. Das Neue geschieht aber eben nicht aus einer Entwicklung, sondern ist eine neue Schaffung von Leben aus dem Tod (37). Jahwe hat ein neues Herz geschenkt (36). Er gießt seinen Geist aus (36,27). Kapitel 37 lenkt den Blick nicht mehr auf den Einzelnen, sondern auf das Volk, ein visionäres Bild wiederum. Gott macht aus dem Zerstreuten wieder ein Ganzes.

In einer weiteren großartigen Vision, die Zeitangabe 40,1 bedeutet das Jahr 573, schaut Hesekiel eine Stadt, die ihm „ein Mann“ mit einem Messband zeigt. Das ist vergleichbar mit den Bildern, die der Seher Johannes in der Offenbarung schauen wird. Und bei beiden steht: Gott wird wieder in diese Stadt einziehen und in ihr wohnen. Schließlich wird das zukünftige Heilige Land beschrieben, in das sich segnend die Wasser der Tempelquelle ergießen bis zum Toten Meer. Das Land dieser Verheißung umfasst also das gesamte Westjordan­land (auffällig: nicht den Osten, 47,8). Alle zwölf Stämme werden dort wieder wohnen, dazu passend auch die zwölf Tore.

Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass sich Hesekiel die neue Gemeinde und die neue Stadt als etwas Irdisches vorstellte, also konkret Jerusalem und das Land der Verheißung. Eine Generation nach Hesekiel wird mit dem Neuaufbau begonnen. Aber ebenso ist spürbar, dass hier noch eine endzeitliche, eschatologische Dimension mitschwingt. Das Kommende passt in die Geschichte nicht hinein, sondern durchbricht sie durch das letzte Ziel, das Ende aller Zeiten.

Damit geht das schwierig zu erschließende, jedoch mit seinen Bildern gewaltige und noch heute beeindruckende Prophetenbuch zu Ende. Natürlich lohnt sich auch ein Blick in die Abschnitte, die der Leseplan ausgelassen hat. Vor allem dann, wenn man mit dem eigenen Herzen bei den Menschen ist, die heute in diesem Land leben. Es ist eine Spannung dort unter den Menschen, die einerseits neue Visionen, aber eben auch neue Trostlosigkeit und daraus wachsend neue Gewalt gebiert. Wie Hesekiel das wohl gesehen hätte?

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