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Wenn es doch so einfach wäre: Ein Pflaster auf die Wunden der Welt, und alles ist gut. Aber so funktioniert das nicht. Es gibt Kräfte in der Welt und unter uns Menschen, die scheinen gegen das Gute immun. Das macht ratlos und hilflos. Aber es gibt Menschen, die sich damit nicht zufriedengeben wollen. Im Predigttext wird von so einem erzählt: Er kommt zu Jesus, und er lässt nicht locker. Er will Heilung, und er bekommt sie. Ein Wunder – und ein Hoffnungszeichen: Gott hat die Macht. Foto: Cigdem

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Heil werden

Andacht

Von Anke von Legat | 8. Oktober 2017

Andacht über den Predigttext zum 17. Sonntag nach Trinitatis: Markus 9, 17-27

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Wenn es doch so einfach wäre: Ein Pflaster auf die Wunden der Welt, und alles ist gut. Aber so funktioniert das nicht. Es gibt Kräfte in der Welt und unter uns Menschen, die scheinen gegen das Gute immun. Das macht ratlos und hilflos. Aber es gibt Menschen, die sich damit nicht zufriedengeben wollen. Im Predigttext wird von so einem erzählt: Er kommt zu Jesus, und er lässt nicht locker. Er will Heilung, und er bekommt sie. Ein Wunder – und ein Hoffnungszeichen: Gott hat die Macht. Foto: Cigdem
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Anke von Legat (48) ist Pfarrerin und theologische Redakteurin bei UK.

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Predigttext
17 Einer aber aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist. 18 Und wo er ihn erwischt, reißt er ihn zu Boden; und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, dass sie ihn austreiben sollen, und sie konnten‘s nicht. 19 Er antwortete ihnen aber und sprach: O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen? Bringt ihn her zu mir! 20 Und sie brachten ihn zu ihm. Und sogleich, als ihn der Geist sah, riss er ihn hin und her. Und er fiel auf die Erde, wälzte sich und hatte Schaum vor dem Mund. 21 Und Jesus fragte seinen Vater: Wie lange ist‘s, dass ihm das widerfährt? Er sprach: Von Kind auf. 22 Und oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen, dass er ihn umbrächte. Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns! 23 Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst! Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. 24 Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! 25 Als nun Jesus sah, dass die Menge zusammenlief, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir: Fahre von ihm aus und fahre nicht mehr in ihn hinein! 26 Da schrie er und riss ihn heftig hin und her und fuhr aus. Und er lag da wie tot, sodass alle sagten: Er ist tot. 27 Jesus aber ergriff seine Hand und richtete ihn auf, und er stand auf.

Unsere Welt ist ein schwerer Fall. Was bei der Schöpfung als Paradies gedacht war, ist zu einem Universum geworden, in dem Leid, Krieg, Hass, Egoismus, Gier, Gleichgültigkeit herrschen. Statt miteinander zu leben, wenden wir Menschen uns gegeneinander. Aus der heilen Welt ist eine unheile geworden.

Zu biblischen Zeiten hat man sich die Bösartigkeit in der Welt und das Ausgeliefertsein an Krankheiten oder Naturkatastrophen mit Dämonen erklärt. Heute halten wir uns für aufgeklärter – und haben trotzdem keine wirkliche Erklärung für das Böse in der Welt. Und auch keine Medizin dagegen, trotz all unseres Wissens.

Auch im Predigttext geht es um einen schweren Fall. Da ist ein Junge, der eines Tages zusammenbricht, in Krämpfen zuckt und nicht mehr bei sich ist. Die kleine heile Welt der Eltern geht in Stücke. Etwas Böses, Lebensfeindliches hat von ihrem Sohn Besitz ergriffen – und damit auch von ihrem Leben –, und sie können nichts dagegegen ausrichten. Es gibt keine Erklärung, und eine Medizin gibt es auch nicht.

Aber damit will der Vater sich nicht zufriedengeben. Dieser Dämon, der das Leben zerstört – kann man dagegen nicht angehen? Anbeten? Anglauben? Wo ist Gott in diesem Kampf mit den lebensfeindlichen Mächten? Kann er denn nicht helfen?
Mit diesen Fragen kommt der Vater zu den Jüngern. Warum zu ihnen und nicht direkt zu Jesus? Vielleicht kannte er einen von ihnen, oder sie schienen ihm zugänglicher als der Meister selbst, von dem es hieß, er könne Wunder tun. Vielleicht wollte er sich langsam herantasten an die göttliche Macht, die die bösen Mächte besiegen sollte.

Fest steht: Die Jünger konnten nicht helfen. Offenbar war es ihnen zwar in anderen Fällen gelungen, im Namen Gottes zu heilen, aber in diesem schweren Fall waren sie machtlos. Also bringen sie ihn zu Jesus selbst. Und der kann, was keiner kann: Er kann heilen. Und er heilt, obwohl der Vater ihm nur einen ungläubigen Glauben anbieten kann.

Diese Geschichte hat man sich später in den ersten Gemeinden erzählt. Ein Wunder. Nicht zu erklären – und leider auch nicht nachzumachen. Denn die Nachfolger Jesu machten die gleiche Erfahrung wie die ersten Jünger: Sie schafften es häufig nicht, den bösen Mächten etwas entgegenzusetzen. Manchmal gelang es zwar, Menschen zu heilen, Nächstenliebe zu üben, Streit zu schlichten, Verfolgung zu entkommen – aber häufig genug eben auch nicht. Die bösen Mächte hielten sich. Die Welt blieb unheil. Aber: Es gab die Erinnerung an Gottes Macht in Jesus. Davon erzählte man sich, und das tun wir bis heute.

Denn wir erleben es ja ähnlich wie die ersten Jüngerinnen und Jünger: Unsere Kräfte sind schwach. Wir versuchen es, aber wir schaffen es nicht. Die Welt ist ein zu schwerer Fall für uns, im Großen wie im Kleinen.

Wir können nur tun, was die Jünger taten: die schweren Fälle zu Jesus bringen. Und selbst zu ihm kommen mit unseren schweren Fällen. Wir können beten und bitten.
Manchmal erleben wir ein Wunder. Manchmal müssen wir klarkommen mit dem, was unsere eigenen Kräfte erreichen, auch wenn es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Die Geschichte von der Heilung des kranken Jungen erinnert uns: Gott ist mächtig. Auf ihm ruht unsere Hoffnung und unser ungläubiger Glaube.

Gebet: Allmächtiger Gott, wir fragen uns oft, wo denn deine Allmacht sichtbar wird. Um uns herum scheint das Böse die Oberhand zu behalten, und unsere Kräfte sind so schwach. Wir bitten dich um einen langen Atem und einen hoffnungsvollen Blick. Mach du uns und unsere Welt heil. Amen.

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