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Die Bibel lesen

Walter Schroeder | 5. Oktober 2017

Woche vom 8. bis 14. Oktober

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Sonntag:     Psalm 25
Montag:      Lukas 16,1-9
Dienstag:     Lukas 16,10-18
Mittwoch:     Lukas 16,19-31
Donnerstag:     Lukas 17,1-10
Freitag:       Lukas 17,11-19
Samstag:     Lukas 17,20-37

Am Ende des Lukas-Jahres folgen noch schwere und wichtige Abschnitte. Die Gleichnisse vom ungerechten Verwalter und vom armen Lazarus sind scharfe Angriffe gegen die Pharisäer. Aber Lukas hat diese Jesusworte nicht aus historischem Interesse festgehalten, sondern im Blick auf die spätere Gemeinde. Die ersten Jünger konnten diese Erfahrungen so noch gar nicht haben, aber die frühen Gemeinden hatten inzwischen in der Weite des römischen Reiches vieles erlebt und durchlitten und wussten: Dieser Jesus ist auch heute bei uns und in uns.
Jesus antwortete auf die Frage, wann denn das Reich Gottes komme, sogar zugespitzt mit dem Satz: Das Reich Gottes ist mitten unter euch! Luther hatte übersetzt „inwendig in euch“, aber wahrscheinlich geht diese sprachlich an sich mögliche Übersetzung doch ein wenig über das hinaus, was Jesus meinte. Vor allen Dingen gilt auch: Man kann das Reich Gottes nicht sehen, aber seine Wirkungen spüren! (17,21). Das ist die Kraft, die Hoffnung, aber auch der Trost der nachfolgenden Kirche. Auch der Trost wird ein ständiges Bedürfnis der späteren Generationen bleiben. Das ist dann die andere Seite dieser Erfahrung: Christliche Existenz ist zwar auf Hoffnung, aber eben nicht auf Rosen gebettet. Der Menschensohn muss bis zum Ende noch viel leiden und verworfen werden (17,25), was auch bedeutet, dass Jesus selbst in denen leidet, die um seines Namens willen Unrecht und Gewalt erleiden.
Die Geschichte von den zehn Leprakranken, die durch Jesus gesund wurden, macht sehr betroffen, weil nur einer von ihnen sich bedankt. Das griechische Wort für danken (eucharizein) bringt vor allem die Freude zum Ausdruck, die jemand empfindet, der ein Geschenk erhält. Das deutsche „danken“ ist hingegen dem „denken“ sehr verwandt und setzt insofern noch einen weiteren Akzent. Einer, der dankt, ist jemand, der in seiner Freude nachdenklich wird und eben nicht mehr so weiterlebt wie zuvor.
Den Abschluss des Kapitels bildet ein bedrückender Ausblick auf den „Tag des Menschensohns“, der als ein erschreckender Gerichtstag angesagt wird. Es wird kein glanzvoller Einzug eines himmlischen Herrschers sein, sondern sogar Jünger werden verunsichert fragen: Wo ist denn der Herr? Er bricht mitten hinein in den Alltag der Menschen, beim Schlaf und bei der Arbeit wird der Riss des Richters geschehen: Der eine wird angenommen, der andere preisgegeben. Mann und Frau, groß und klein, alt und jung. Auch hier will Jesus durch das Ausmalen jenes Tages nicht in lähmende Angst versetzen, sondern zum entschiedenen Aufbruch mahnen.

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