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Verstörend

Bundestagswahl

Von Gerd-Matthias Hoeffchen | 28. September 2017

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Das Wahlergebnis ist ein Schock. Verstörend, dass annähernd jeder achte Wähler seine Stimme einer Partei gegeben hat, die vor rassistischen Parolen nicht zurückschreckt. Merkwürdig aber, dass nun ausgerechnet die Kirchen stärker in die Pflicht genommen werden: Sie müssten mehr und stärker gegen den Antisemitismus eintreten, so der bisherige religionspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck

Die Kirche hat grundlegende historische Schuld gegenüber den Juden. Das hat sie in den vergangenen Jahren deutlich bekannt. Beim Reformationsjubiläum war das ein Schwerpunkt. Und die AfD? Da haben die Kirchen in den Monaten vor der Bundestagswahl klar Stellung bezogen.

Dass einige in der Aufarbeitung des Wahlergebnisses hinter diesen Stand der Dinge zurückspringen, irritiert. Es mag der großen Sorge über die künftige Entwicklung in Deutschland geschuldet sein. Aber Juden in Deutschland dürfen sich sicher sein: Die Kirchen werden auch weiterhin jede Form von Antisemitismus als das benennen, was er ist: Sünde.

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Leser-Kommentare öffnen

Paperback, 6. Oktober 2017, 16:42 Uhr


Lieber Herr Hoeffchen,

ich sehe und lese Ihren Beitrag erst jetzt, warum auch immer. Es hat mich schon irritiert, als da vor einiger Zeit- UK berichtete darüber- ein Vertreter unserer Kirche, der katholischen Kirche mit einem Vertreter der Muslime sich in Jerusalem abbilden ließen, ohne dass ein Vertreter des Judentums anwesend war.
Unser Glaube, wie er wir ihn sonntags bekennen, gründet auf den Juden Jesus von Nazareth. Jesus war Jude, und er wollte nichts Anderes sein.
Es hat mich seiner Zeit bitter berührt, als Ignaz Bubis am Ende seines Lebens ebenso bitter Abschied nahm.
Heute erleben wir in unserem Land die teilweise aggressiven Auswüchse eines aggressiven Islamismus. Und da muss man daran erinnern, dass es Jesus war, der der Botschaft der Gewalt die Botschaft der Friedfertigkeit entgegensetzte.
Ich erlebte schon als Lehrer vor etlichen Jahren, wie ein junger Jude von einem jungen Mann, der aus der ehemaligen Sowjetunion zu uns gekommen war, mit "Du gottverdammter Jude" betitelt wurde.
Weder der junge Mann und schon gar nicht seine Eltern waren dann den Sanktionen zugänglich, die wir als Schule darauf verhängten.
Und heute - das sehe ich sehr deutlich- muss unsere Willkommenskultur da ihr Ende finden, wenn sich muslimische Gäste, die wir willkommen heißen in unserem Land gegen jüdische Mitbürger oder auch gegen Homosexuelle wenden.
Unterlassen wir es aus falschverstandener Toleranz, hier Grenzen zu ziehen, verstoßen wir gegen den Geist dessen, der der Gründer und Felsen unserer Kirche ist.
Dank nochmals für Ihren eindringlichen Hinweis.

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Atlantica, 10. Oktober 2017, 8:19 Uhr


Der Antisemitismus ist eine Ideologie. Eine diabolische Ideologie.Ich weiß nicht, wie er sich hat ausbreiten können. Es ist mir ein Rätsel, widerspricht er doch jeglicher Menschlichkeit und normalen Weltsicht. - Als ich in Israel war, hieß es von Seiten der Palästinenser, deren Anliegen, Land zurückzubekommen, ich ausdrücklich unterstütze ( ihnen wurde ihr Land 1947 großen Teiles gestohlen), die "Juden würden nur ballern". Ich weiß nicht, ob das schon Anti-Semitismus ist; ich gebe nur das wieder, was ich erfahren habe. Ich kann das Böse, das seit dem Sündenfall und seit Kains Brudermord besteht, nicht verstehen.

Allerdings denke ich, dass der Begriff "Sünde" nicht ausreicht, um als aufgeklärter Christ eine Erklärung zu erhalten: Adolf Eichmann war der Ansicht, er habe "das Richtige" getan - Nürnberger Prozess 1962. Dietrich Bonhoeffer sagte, das Dumme ist gefährlicher als das Böse. Richtig daran ist nur, dass die Dummheit nicht einfach mit Beten und Frommsein auszurotten ist. Damit widerspreche ich Herrn Hoeffchen nicht grundsätzlich, möchte nur die Komplexität des Themas ansprechen.

Ich möchte aber noch etwas hinzufügen: Der Islamismus/Salafismus breitet sich mehr und mehr aus, beispielsweise im Kosovo. Es kann nicht die richtige Reaktion von uns Christen darauf sein, in eine Gedankenwelt zurückzufallen, die vor der Zeit des achtzehnten Jahrhunderts das Christentum beherrschte.

Ich musste den Satz, den ich vorher geschrieben hatte, streichen, denn es wird sonst nicht deutlich, was wichtig ist: es ist eine dramatische Fehleinschätzung, zu meinen, man könne alleine mit Beten und Frommsein den Antisemitismus beseitigen. Es ist zu respektieren, wenn Menschen fromm sind. Doch beim Frommsein stehenzubleiben und nicht alle Kräfte des Verstandes zu mobilisieren, das wäre auch falsch.

Und jetzt, lieber Herr Hoeffchen, fände ich es toll, wenn Sie dazu einmal persönlich Stellung beziehen könnten, denn wir führen ja schon seit längerem eine kontroverse Diskussion.
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Alwite, 10. Oktober 2017, 10:00 Uhr


Da sich das "Verstörend" allein auf die Wahlen bezieht, kann ich dem Artikel gut folgen. Der angeführte Antisemitismus bezieht sich auf unsere längst nicht aufgearbeitete Vergangenheit, die sich in der Fremdenfeindlichkeit der AfD wieder zu manifestieren scheint und das verstört auch mich.
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