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Warum fällt es uns so schwer, mit Dank auf das zu blicken, was wir haben? Siehe Leitartikel unten Foto: TSEW

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Danke! Für gar nichts ...

Erntedank

Aus der Printausgabe - UK 40 / 2017

Von Gerd-Matthias Hoeffchen | 29. September 2017

Wir leben in einer Zeit der Unzufriedenheit. Sich aufzuregen, zu ärgern und lautstark zu klagen ist normal. Und das in einer Gesellschaft, der es besser geht als allen anderen zuvor

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Warum fällt es uns so schwer, mit Dank auf das zu blicken, was wir haben? Siehe Leitartikel unten Foto: TSEW

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„Danke für diesen guten Morgen, danke für jeden neuen Tag.“ Generationen evangelischer Jugendlicher sind mit diesem Lied aufgewachsen. Heute mag dieses Lied nicht mehr aktuell sein. Vor allem fragt man sich: Danken? Wofür?
Dafür, dass Nordkorea mit der Wasserstoffbombe droht? Dass der amerikanische Präsident seine Bomber losschickt? Dass im neuen Bundestag – Schande über Deutschland – erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder rechtsradikale Positionen gesellschaftsfähig werden? Dass die Vorsorgeuntersuchung eine erschütternde Diagnose ergeben hat? Dass bald acht Milliarden Menschen die Erde bevölkern, und wir nicht annähernd wissen, wie wir die damit verbundenen Probleme in den Griff bekommen?

Es gibt 1000 Gründe, jeden Morgen voller Sorge auf die Welt zu blicken.  Danken also wofür?

Es ist eine komische Sache mit dem Dank. Nie in der Geschichte ging es in Europa, den USA und weiten Teilen der Welt den Menschen so gut wie heute. Krankheit, Hunger, Krieg – immer und zu allen Zeiten war es schlimmer als jetzt für uns.
Trotzdem hadern und fragen wir: Wofür sollen wir danken?

Dank hat damit zu tun, wohin man schaut. Dahin, wo es immer noch besser sein könnte? Es gibt Menschen, die haben Geld, Ansehen, Gesundheit. Und sind zerfressen von der Unzufriedenheit. Und es gibt diejenigen, die in schwerer Krankheit sagen: Ich bin dankbar! Für jeden Atemzug.

Denn das Gegenteil von Dank ist die Klage, die Verbitterung: Mir stünde etwas zu! Die Wahrheit ist: Nichts steht mir zu. Es gibt kein Grundrecht auf Glück. Alles ist Gnade.

Gott gibt. Oder er gibt nicht. Wem? Warum? Man weiß es nicht. Es bleibt sein Geheimnis.

Es gibt Ansätze und Erfahrungen. Wer hart arbeitet und Fähigkeiten entwickelt, macht den Erfolg wahrscheinlicher. Wer gesund lebt, Sport treibt und immer zur Vorsorgeuntersuchung geht, macht das lange Leben wahrscheinlicher. Aber eine Garantie? Die gibt es nicht.

Das Sinnbild dafür ist seit Jahrtausenden der Bauer. Er ackert. Er müht sich von früh bis spät. Die Ernte? Liegt in Gottes Hand.

Glück, Zufriedenheit und Dank. Am Ende entscheidet sich das nicht so sehr an dem, was man erhält. Sondern, wie man es annimmt. Es könnte noch viel besser sein? Oder: Es tat mir gut. Es tut mir gut. Danke dafür.

Wenn man Menschen fragt, wofür sie dankbar sind, sind häufige Antworten: die Familie – sie gibt mir Halt. Mein bester Freund, Freundin – bei ihnen kann ich mich ausweinen. Kann reden, meine Sorgen teilen. Ich muss nicht alleine dastehen, in diesem Wahnsinn, der Welt heißt. Da ist jemand, der mit mir geht, mich begleitet, mich trägt.

Danke für diesen guten Morgen, danke für jeden neuen Tag. Das Lied geht ja noch weiter: Danke, dass ich all meine Sorgen auf dich werfen mag. Denn die Sorgen, die sind da.

Am Sonntag ist Erntedank. Vielleicht ein guter Anlass, einfach mal für sich im Stillen zu überlegen, wem und wofür ich dankbar sein kann.

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Leser-Kommentare öffnen

Atlantica, 29. September 2017, 8:51 Uhr


Der Artikel vermittelt ein gutes Gefühl; ich empfinde das mit der Dankbarkeit auch so. Anfügen möchte ich den Gedanken, dankbar zu sein für die richtigen Menschen. Es gibt in meinem Leben immer Menschen, die mir in dieser und jener Hinsicht voraus sind: mehr Erfahrung, mehr wissen, höhere Intelligenz. Ich bin dankbar, das zu erkennen, dadurch wird mein Leben reicher.
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Alwite, 29. September 2017, 9:40 Uhr


Dank ist keine Erniedrigung, sondern ein Zeichen hellen Verstandes, welcher die Verhältnisse erkennt, und ein Zeichen eines guten Gemütes, welches der Liebe fähig ist. Denn wer nicht danken kann, kann auch nicht lieben.
Die eigentliche Anspruchslosigkeit ist nichts anderes als der demütige, kindliche Sinn, dem, wie Christus selbst sagt, das Himmelreich gehört, der keiner Verdienste sich bewußt ist, aber ein inniges Danke hat für jede Gabe, jedes Zeichen der Liebe.
Jeremias Gotthelf
(1797 - 1854), eigentlich Albert Bitzius, Schweizer Pfarrer und Erzähler
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Erika Moers, 29. September 2017, 14:23 Uhr


"Keine Schuld ist dringender als die, Dank zu sagen" lese ich bei Cicero.
Für nichts?
Blicken wir auf die unendlich vielen GnadenBezeigungen, die wir immer wieder erleben, Gnaden, die Helder Camara so beschreibt:
"Es ist eine göttliche Gnade, gut zu beginnen.
Es ist eine größere Gnade, auf dem guten Weg zu bleiben.
Aber die Gnade der Gnaden ist es, sich nicht zu beugen und,
ob auch zerbrochen und erschöpft, vorwärts zu gehen bis zu dem Ziel,
das Gott uns gesetzt hat."

Ich wünsche uns allen dieses befreiende DankSagen.
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ellybe, 29. September 2017, 15:21 Uhr


"Danke! Für gar nichts...".
Besser kann man es nicht sagen.
Gott kann mit uns machen, was er will.
Er kann uns alles geben. Er darf uns alles nehmen.
Sogar das Leben. Das ist absolut überzeugend. Also:
"Danke! Für gar nichts...".

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Atlantica, 29. September 2017, 22:43 Uhr


Ellybe, vielleicht kommt das Leben von Gott. Aber er nimmt es sicher nicht: das ist Natur, Sterblichkeit.
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Ruckzuck, 30. September 2017, 10:25 Uhr


Atlantica, ich weiß nicht ... Hiob 1,20f:   20 Da stand Hiob auf und zerriss sein Kleid und schor sein Haupt und fiel auf die Erde und neigte sich tief 21 und sprach: Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren. Der Herr hat\'s gegeben, der Herr hat\'s genommen; der Name des Herrn sei gelobt!
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Atlantica, 30. September 2017, 10:40 Uhr


Ja, das ist gut. Ich überlege nur, was das bedeutet: durch einen, Adam, kam der Tod. Das ist die christliche Überlieferung: der Mensch ist durch seine Sündhaftigkeit sterblich geworden. Nüchtern betrachtet ist alles Leben sterblich. Auferstehung ist eine Erfahrung, die ich im Leben machen kann; leibliche Auferstehung gibt es nicht. Die Erscheinungen Jesu nach Ostern bewirken Zweifel bei den Jüngern. Erst die Himmelfahrt, wo sich Jesus zur Rechten des Vaters setzt, beendet das irdische Dasein Jesu und öffnet die Ewigkeits-Perspektive. Dafür bin ich unendlich dankbar!
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ellybe, 30. September 2017, 12:03 Uhr


"Gott, der HERR...sprach:..von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm issest, mußt du des Todes sterben." (1.Mose 2,17)
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Alwite, 1. Oktober 2017, 10:39 Uhr


https://www.bibleserver.com/text/LUT/1.Mose2%2C17

Was ich aus diesem einen Anschnitt lese, ist, dass der Mensch wie Mose ihn wahrnimmt und Jesus ihn vorlebte, ohne das Geländer namens Jesu, aus sich selbst, unfähig bleiben wird ein gottgefälliges Leben zu gestalten.

>Denn das Gegenteil von Dank ist die Klage, die Verbitterung: Mir stünde etwas zu! Die Wahrheit ist: Nichts steht mir zu. Es gibt kein Grundrecht auf Glück. Alles ist Gnade.<

Zu diesem Satz finde ich keinen Widerspruch.
Für diese Gnade immer wieder zu danken ist mir Bedürfnis.
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