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Heiner Geißler beim Interview zur Bergpredigt am 28.04.2017. Foto: epd

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Ein Freund der klaren Worte

Heiner Geißler

13. September 2017

Der Tod des früheren CDU-Generalsekretärs Heiner Geißler hat über alle Parteigrenzen hinweg große Betroffenheit ausgelöst. In einem seiner letzten Interviews klagte er, in den Ordinarien und Büros der Oberkirchenräte regierten die Betriebswirte.

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Heiner Geißler beim Interview zur Bergpredigt am 28.04.2017. Foto: epd

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Der jetzt verstorbene CDU-Politiker Heiner Geißler war ein Freund der klaren Worte. Und damit verschonte er niemanden. Auch nicht die Kirchen. In einem seiner letzten Interviews, geführt im Mai dieses Jahres mit Hartmut Metzger vom Evangelischen Kirchenboten in Speyer, klagte er, in den Ordinarien und Büros der Oberkirchenräte regierten die Betriebswirte. Die Kirchen müssten Widerstand leisten gegen die Mächte dieser Erde. In der Welt des Kapitalismus, der Investmentbanker, einer gigantischen Finanzindustrie mit ihren „unchristlichen Leitbildern ,Egoismus, Gier, Geld, Geiz, Erfolg, Dividende, Profit, Rang und Titel‘“ sei Jesus eine totale Provokation und die Verkörperung von Menschlichkeit und Barmherzigkeit.

Nächstenliebe war für den ehemaligen CDU-Generalsekretär gleichwertig mit Gottesliebe. Mit Verweis auf das Matthäus-Evangelium sagte er, Jesus spreche die Menschen an wie sie sind: In ihrer Armut, ihrem Hunger, ihrer Trauer, ihrer Verfolgung – eben im Elend der Welt. Was das heiße, habe Jesus selbst erklärt. Wer zu ihm gehören wolle, „muss den Hunger bekämpfen, den Menschen Trinkwasser geben, den Obdachlosen eine Wohnung, Flüchtlinge aufnehmen, den frierenden Kleider geben, Kranke pflegen und Gefangene besuchen“. Diese Forderungen seien die Konkretion der Nächstenliebe. „Moderner geht es nicht“, so Geißler. „Das ist der Kern der jesuanischen Botschaft. Eine glänzende Botschaft! Es ist eine schwere Verfehlung der maßgeblichen Theologen und Kirchenführer, dies nicht in der heutigen Welt als die Hoffnung für die Menschen zu präsentieren. Franziskus und Bedford-Strohm allein schaffen es nicht. Das Gedenken an die Reformation darf sich nicht erschöpfen in Reden und Gebeten, Liedern und Musik und in was weiß ich allem.

Die Bergpredigt war für Geißler als gläubigem Katholiken und Mitglied der globalisierungskritischen Attac-Bewegung auch der Aufruf zu einer neuen, friedlichen und gerechten Weltordnung. „Doch das machen die Kirchen nicht“, so Geißler. In einer Welt mit einem täglichen Umsatz von zwei Billionen Dollar an den Börsen müsste endlich eine Börsenumsatzsteuer eingeführt werden. Es gebe auf der Erde „Geld wie Dreck“, es hätten nur die falschen Leute.

Ein christlicher Demokrat ist Geißler zufolge jemand, der seiner Politik das christliche Menschenbild zu Grunde legt. Das bedeute aber nicht, dass es christliche Politik gebe. Das Evangelium gebe keine Gebrauchsanleitung für politisches Handeln, aber ein Bild vom Menschen. Und dieses Bild vom Menschen unterscheide sich ganz wesentlich von den Menschenbildern anderer Religionen und anderer Ideologien. „Ein Mensch war nur Mensch für die Marxisten, wenn er zur richtigen Klasse gehörte, für die Nationalsozialisten zur richtigen Rasse. Bei den Nationalisten muss man zum deutschen Volk gehören. Bei den Fundamentalisten muss man die richtige Religion haben, sonst wird man ausgepeitscht wie in Saudi Arabien oder wie bei uns vor 400 Jahren auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Und bei wieder anderen Fundamentalisten darf man nicht das falsche Geschlecht haben, darf man keine Frau sein. Der Mensch wird zum Kostenfaktor degradiert. Er gilt umso mehr, je weniger er kostet. Und er gilt umso weniger, je mehr er kostet. Menschen, die zur falschen Kategorie gehörten, wurden liquidiert, vergast, zu Tode gefoltert, gesteinigt oder verhungerten. Die Antwort auf die Frage nach dem richtigen Menschenbild gibt uns das Evangelium. Und diese Chance dürfen sich die Kirchen nicht aus der Hand nehmen lassen.“

Das komplette Interview lesen Sie hier (bitte anklicken)

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Alwite, 13. September 2017, 13:50 Uhr


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