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Dazugehören – wann und für wen gilt das? Im Predigttext macht Jesus klar, dass sich für die, die ihm nachfolgen, vieles verändert: Auch die privatesten Beziehungen werden neu definiert und bewertet. Familie ist nicht mehr nur Vater, Mutter, Kind, sondern eine weltweite Gemeinschaft, die bei allen Unterschieden über den Glauben an Gott verbunden ist. Wer sich dazuzählt, weiß: Hier ist mein Zuhause. Foto: william87

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Eine besondere Familie

Andacht

Von Lars Kunkel | 10. September 2017

Über den Predigttext zum 13. Sonntag nach Trinitatis: Markus 3, 31-35

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Dazugehören – wann und für wen gilt das? Im Predigttext macht Jesus klar, dass sich für die, die ihm nachfolgen, vieles verändert: Auch die privatesten Beziehungen werden neu definiert und bewertet. Familie ist nicht mehr nur Vater, Mutter, Kind, sondern eine weltweite Gemeinschaft, die bei allen Unterschieden über den Glauben an Gott verbunden ist. Wer sich dazuzählt, weiß: Hier ist mein Zuhause. Foto: william87
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Lars Kunkel (49) ist Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Bad Oeynhausen-Altstadt.

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Predigttext
31 Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. 32 Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir. 33 Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? 34 Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! 35 Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.

 

Ihm kommt es vor wie ein paar Sekunden, aber es ist jetzt elf Jahre her, dass sie auf seinen Knien sitzend quietschvergnügt zuhörte, wie er ihr Kinderlieder vorsang. Wenn er heute im Supermarkt mit einkauft und an ihrer Seite ein Liedchen summt, mault sie ihn drohend an: „Papa, du bist total peinlich!“ Pubertät ist, wenn Eltern schwierig werden. In dieser Zeit kommt es häufiger mal vor, dass die Tür zum Kinderzimmer zugeknallt wird und die Eltern außen vor stehen.

Maria steht vor einer geschlossenen Tür und fühlt sich außen vor. Ihr Sohn hat sich von ihr entfernt. Statt Zimmermann wurde er Wanderprediger. Statt eine Familie zu gründen und ein Haus zu bauen, zieht er mit fragwürdigen Gestalten durchs Land. Jesus eckt an und die Maria macht sich Sorgen um ihn. Sie ist die Mutter. Sie will Jesus holen und nach Hause bringen.

Familie ist nicht nur eine Sache der Gene

Auf der anderen Seite der Tür sitzt Jesus in diesem Moment mit vielen Leuten zusammen. Und er stellt die Frage, wer seine wahre Familie sei. Das wirkt schroff, fast wie ein Kind, das sich abgrenzen will. Aber hier spricht ein erwachsener Mann, der sich von seiner Mutter wie ein Kind behandelt fühlt.

Jesus stellt mit seiner Frage nach den wahren Verwandten das traditionelle Familienbild infrage. Familie ist für Jesus nicht in erster Linie eine Sache der Gene. Er selbst wird bei seiner Taufe als Sohn Gottes offenbart, und das hat nichts mit Biologie zu tun. Jesus versteht unter Familie eine Haltung zueinander und zu Gott.
Die Menschen, die um ihn herum sitzen, sind seine Familie. Darunter werden Kranke sein oder Menschen, die keinen Platz in der Gesellschaft finden. Vielleicht auch Ausgebrannte, deren Lebenskonzept nicht aufgegangen ist. Männer und Frauen, Reiche und Arme, ganz unterschiedliche Menschen mit verschiedenen sozialen Hintergründen. Aber sie alle eint, dass sie Gottes Willen tun. Und Gottes Wille ist es, auf ihn zu vertrauen, nach ihm zu fragen und ihn zu suchen. Und auch die eigenen Ansprüche nicht als selbstverständlich zu sehen, wie Maria das in diesem Moment tut.

Jesus schließt keine Türen zu, auch nicht die zu Maria. Sie ist und bleibt seine Mutter. Jesus öffnet Türen, indem er den Kreis der Familie größer und weiter denkt. Familie sind die Menschen, die füreinander einstehen, sich helfen und unterstützen. Und auch darin den Willen Gottes tun.

Auch eine Gemeinde ist eine Familie mit Schwestern und Brüdern. Nicht nur die Kerngemeinde oder die, die schon immer da waren, gehören dazu. Sondern alle, die sich auf den Weg machen und Glauben wagen. Auch die Zweifelnden und Verzweifelten. Und auch die Neuen. Die mit der anderen Sprache, Herkunft und Hautfarbe.

Freunde sucht man sich aus. Familie nicht. So ist das nun mal. Manchmal kann Familie auch ein bisschen anstrengend sein, vielleicht wird uns zum Trost auch deshalb vom Konflikt in der „Heiligen Familie“ erzählt. Und in der Familie darf man sich auch streiten, und manchmal knallt im Eifer der Gefühle auch mal eine Tür zu. Aber sie geht auch wieder auf, weil man in einer Familie zusammengehört und durch dick und dünn geht.

Abendmahl mit Schwestern und Brüdern

Was Familie in der Gemeinde bedeutet, wird oft ganz besonders beim Abendmahl spürbar. Man steht im Kreise ganz unterschiedlicher Menschen. Einige sind darunter, die kennt man kaum, und andere, die man viel zu gut kennt. Aber in diesem Moment bei Brot und Wein oder Traubensaft gibt es keine geschlossene Tür mehr. Die Menschen im Kreis erkennen sich als Schwestern und Brüder. Und die dürfen auch mal verschiedener Meinung sein, solange sie wissen, was und wer sie verbunden hat: Jesus Christus, Marien Kind und Gottes Sohn.

Gebet: Ich danke dir Gott, Vater im Himmel, dass ich dein Kind sein darf. Lass deine Gemeinde und Kirche ein Ort sein und werden, an dem Menschen als Schwestern und Brüder miteinander leben. Halte unsere Herzen und Türen offen für alle, die zu uns kommen. Amen.

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