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Kirchengemeinden fühlen sich alt, aber wichtig

Umfrage

28. August 2017

Die Kirchengemeinden sind nach eigener Einschätzung überaltert und chronisch überlastet. Ihre Arbeit sei jedoch auch künftig für die Gesellschaft notwendig, heißt es in einer bundesweiten Umfrage.

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Teilnehmer und Teilnehmerinnen eines Gottesdienstes in Leipzig Foto: epd

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Hamburg (epd). Die Agentur des Rauhen Hauses (Hamburg) hatte hauptamtliche Mitarbeiter in 436 evangelischen und katholischen Gemeinden befragt.

90 Prozent sagten, die Kirche sollte gerade angesichts der heutigen Spaltungstendenzen in der Gesellschaft Menschen zusammenführen. Die Stimmung an der Basis ist nicht schlecht: Befragt nach der Gesamtsituation ihrer Gemeinde gab es im Durchschnitt die Note 2,8. Die Mehrheit der Befragten (56 Prozent) nannte Nachwuchsmangel und Überalterung als drängendstes Problem für die Gemeindearbeit.

Alte Lieder

Jeder Zweite (51 Prozent) gab an, dass in die Gottesdienst kaum noch Menschen unter 60 kommen. Familien fänden nur noch bei besonderen Gelegenheiten den Weg in die Kirche, erklärten 82 Prozent der Befragten. Dass so wenig Jugendliche kommen, liege vor allem an den alten Liedern, sagten 47 Prozent.

Nur wenige glauben noch an eine "Volkskirche", die Menschen über alle Altersstufen und sozialen Milieus hinweg bindet. 65 Prozent sehen dies als "Auslaufmodell". Veranstaltungen mit "Event-Charakter" könnten gegen diesen Trend helfen, sagten 47 Prozent. Nur 18 Prozent sehen darin eine "Anbiederung an den Zeitgeist". 72 Prozent setzen auf neue Gottesdienste, die statt äußerer Tradition mehr Wert auf eine emotionale Ansprache legen.

Eine Mehrheit von 60 Prozent betrachtet die Entkirchlichung der Gesellschaft und die Austrittswellen der vergangenen Jahre mit großer Sorge. 47 Prozent nannten als großes Problem die Überlastung der Gemeindemitarbeiter. Dies gelte insbesondere für die Geistlichen und Hauptamtlichen, sagten 69 Prozent. Jede dritte Kirchengemeinde (31 Prozent) muss Kirchenräume schließen, jede fünfte (20 Prozent) Gemeindehäuser oder Jugendzentren.

Neuansätze für Gottesdienste

Ihren Optimismus haben die Kirchengemeinden offenbar dennoch nicht verloren. 48 Prozent der Befragten haben ein wachsendes Bedürfnis in der Gemeinde nach spirituellen Inhalten wahrgenommen. Allerdings müssten sich die Gemeinden dafür auch öffnen. 65 Prozent sind der Meinung, dass die Kirche neue spirituelle Zugangsformen erschließen müsse, 61 Prozent wünschen sich Neuansätze für Gottesdienste.

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Leser-Kommentare öffnen

Atlantica, 28. August 2017, 21:23 Uhr


Ganz interessanter Artikel.

Stichwort: Pluralisierung.

Was mich aber verwundert: ein Nachwuchsmangel! Warum? Trauen sich junge Leute etwa nicht mehr zu, fuer Kirche aktiv zu werden?
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Paperback, 1. September 2017, 21:37 Uhr


Atlantica, wenn sich junge Leute erstmal auf Ochsentour begeben müssen, um mitmachen zu dürfen, sich gegen die Platzhirsche durchkämpfen müssen, gehen die jungen Menschen da hin, wo sie willkommen sind.

Atlantica, 1. September 2017, 21:44 Uhr


Danke für die Antwort, Paperback. Ich hatte als junger Mann oft das Gefühl, unwichtig zu sein und nicht gebraucht zu werden. Wenn man jungen Menschen nur dann eine Chance gibt, wenn sie sich selbst ihren Weg bahnen, dann verpasst man, diejenigen aufzuwerten, zu fördern, die später zu Persönlichkeiten heranreifen.
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Schallblech, 11. September 2017, 9:30 Uhr


Anstatt zu jammern ("Wir werden älter, ärmer und weniger" - ich kanns nicht mehr hören!) sollten sich die Gemeinden überlegen, wie sie sich selber für Jugendliche und junge Familien attraktiver machen. Angebote für Konfirmanden, statt sie raus zu konfirmieren. Gut gestaltete Familiengottesdienste, Kindergottesdienst, Werbung für die Angebote z.B. bei Hochzeiten und Taufen. Wir gehen diese Wege seit der vorletzten Presbyteriumswahl mit gutem Erfolg.
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