hg
Bild vergrößern
Auch Superman ist wieder da Foto: NeuPaddy

Die Rückkehr der Helden

Gesellschaft

Aus der Printausgabe - UK 34 / 2017

Von Gerd-Matthias Hoeffchen | 23. August 2017

Ob im Alltag oder auf der Kino-Leinwand: Heldinnen und Helden sind wieder schwer angesagt. Warum ist das so? Und kann man daraus etwas lernen?

Bild vergrößern
Auch Superman ist wieder da Foto: NeuPaddy

Anzeige

Die Helden sind da. Alle paar Wochen wird für die Kinos der Republik mit großem Getöse ein neuer Superhelden-Film präsentiert. Wonderwoman, Batman und Superman, Avengers, Captain America – man kann es kaum vermeiden, den Heldinnen und Helden über den Weg zu laufen. Riesige Plakatwände in Innenstädten und an Ausfallstraßen sorgen dafür. Und die Bezahl-Fernsehsender und Videodienste sind voll von diesen modernen Märchen.

Das ist eigentümlich – und bei näherem Hinsehen interessant. Eigentlich waren Superman & Co. seit den 70er Jahren abgemeldet. Die Heftchen, mit denen wir aufgewachsen waren, gab es in den 80er und 90er Jahren kaum noch. Die Abenteuer der maskierten Helden im ewigen Kampf gegen das Böse schlummerten in einer Art langem Winterschlaf.
Jetzt sind sie wieder da.

Warum? Man kann das als Mode abtun. Die pulsiert in Wellenbewegungen.
Vielleicht aber steckt mehr dahinter.
Was ist ein Held? Derjenige oder diejenige, die für das Gute kämpfen. Selbstlos sich für andere einsetzen. Weit über das normale Maß hinaus. Zum Alltags-Held kann werden, wer sich bei einem Unfall an das brennende Auto heranwagt, um den Bewusstlosen aus dem Feuer zu ziehen. Oder wer – gerade in Hamburg geschehen – sich dem mit einem Messer bewaffneten Amokläufer in den Weg stellt.

Helden sind diejenigen, die das tun, was wir im Normalfall nicht leisten zu können meinen. Solche Helden gab es zu allen Zeiten. Auch die Bibel kennt sie.
Aber Helden haben auch eine Funktion. Sie sollen Vorbild sein. Motivieren. Beeinflussen. Besonders deutlich kann man eine solche Instrumentalisierung sehen etwa bei der Vorstellung vom „Held der Arbeit“ in sozialistischen Gesellschaften.
Und das gilt auch für die sogenannten Superhelden. Nicht von ungefähr fällt ihre Geburt in die Zeit der Entstehung des Dritten Reiches. Die erste Aufgabe von Superman und Nachfolgern war, gegen die scheinbar übermächtige Bedrohung durch Nazis und neue Vernichtungstechnologien zu kämpfen. Dazu schrieb man ihnen Super-Kräfte zu. Mit Beginn des Kalten Kriegs kamen ganze Heerscharen von Kampfgefährten dazu. Und dann, als der Eiserne Vorhang fiel, hatten die Superhelden plötzlich Pause.

Jetzt sind sie zurück. Sie kämpfen nicht mehr gegen Russen. Sondern gegen internationale Superschurken und Außerirdische. Gegner, deren Gedankengänge uns verborgen bleiben. Vielleicht kein Zufall in einer Zeit, in der Diktatoren wie in Nordkorea oder Bewegungen wie der Islamismus für Angst und Schrecken sorgen.
Im Mythos vom Helden bleibt die Erinnerung wach, dass der Kampf für das Gute lohnt. Und das Außergewöhnliche möglich ist. Sich dabei nicht allein auf Superhelden zu verlassen, sondern zu überlegen: Was kann ich dazu beitragen, dass Gutes in  meiner Umgebung geschieht – das wäre die Botschaft, die es in all dem Rummel um die Rückkehr der Helden  zu sehen lohnte.

Per E-Mail empfehlen