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Elvis Presley (1935-1977, Mitte) mit seinem Gospel-Quartett "The Imperials" (undatiertes Archivfoto) Foto: epd

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«Seine Hand in meiner»

Elvis Presley

16. August 2017

Elvis Presley, der vor 40 Jahren starb, liebte Gospels. Christliche Songs gaben dem im "goldenen Käfig" seines Ruhms gefangenen Rockstar Halt. Davon sind ein früherer Mitmusiker und die Präsidentin des größten deutschsprachigen Elvis-Clubs überzeugt.

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Elvis Presley (1935-1977, Mitte) mit seinem Gospel-Quartett "The Imperials" (undatiertes Archivfoto) Foto: epd

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Bad Nauheim, Nashville (epd). Terry Blackwood hat keinen Zweifel: "Elvis wäre heute ein Gospelsänger", sagt der christliche Sänger aus Nashville im US-Bundesstaat Tennessee. Viel lieber habe dieser religiöse Lieder zur Ehre Gottes gesungen als wilden "Jailhouse Rock" oder schnulzige Balladen, sagt er. Blackwood kennt den "King" gut, schließlich begleitete er ihn mit seinem Gospel-Quartett "The Imperials" von 1969 bis 1971 bei Konzerten und Studioaufnahmen. Seine drei Grammys erhielt Elvis 1967, 1972 und 1974 nur für seine Gospelmusik.

Werkzeug Gottes

Elvis Presley, der am 16. August 1977 mit 42 Jahren in Memphis/Tennessee starb, habe eine Botschaft mit seinen Gospels geben wollen, sagt Blackwood: "Jesus Christus ist die Antwort auf alle Probleme." Der US-amerikanische Jahrhundert-Entertainer habe sich als ein Werkzeug Gottes gefühlt, glaubt Blackwood. Mit den "Imperials" tritt er als letztes Urmitglied beim "16th European Elvis Festival" auf, das von 18. bis zum 20. August im mittelhessischen Bad Nauheim stattfindet. Rund 10.000 Elvis-Fans werden zu dem Event erwartet.

1969 fragte Elvis die "Imperials", ob sie ihn nicht begleiten wollten, erzählt der Baptist Blackwood. "Das hat uns viele Türen geöffnet", sagt er dankbar. Zur Entspannung habe Elvis gerne religiöse Lieder angestimmt. "In seinem Haus sangen wir einmal zusammen die ganze Nacht Gospelsongs", erinnert er sich. Bereits 1960 hatte Elvis mit "His Hand in Mine" (Seine Hand in meiner) das erste von drei erfolgreichen Gospelalben veröffentlicht.

"Auf jeden Fall" würde Elvis heute als 82-Jähriger Gospels und nicht mehr Rock'n'roll singen, ist auch Maria Hesterberg, die Präsidentin der Elvis-Presley-Gesellschaft, überzeugt. Dem nach eigenen Angaben größten deutschsprachigen Elvis-Fanclub mit Sitz in Bonn gehören rund 2.000 Mitglieder an.

Tief religiös erzogen

Für Elvis seien die christlichen Songs "ein Statement" gewesen, sagt Hesterberg. Schon als Jugendlicher habe er Gospelsänger werden wollen. Die traditionellen Weisen hätten dem "spirituellen Sucher" auch später Halt gegeben. Zwar sei Elvis, der der Baptistengemeinde "First Assembly of God" angehörte, nicht wirklich konfessionell gebunden gewesen, sagt Westerberg. Doch habe ihn seine Mutter Gladys tief religiös erzogen. Sie habe ihn regelmäßig mit in die Kirche genommen, wo er weiße und schwarze Gospelgruppen hörte.

1968, mit 33 Jahren, versuchte sich Elvis mit einer umjubelten "Comeback"-Fernsehshow aus den Fesseln seines Ruhms zu befreien. Gereift präsentierte er sich und beendete das NBC-TV-Special mit "If I Can Dream": Der Song in bester Gospelmanier ist ein gesungenes Gebet, in dem es um den Traum von einer besseren Welt geht.

Elvis entwickelte sich zum selbstbewussten Entertainer, der sich von seichter Unterhaltungsmusik abwandte und mehr Lieder mit Tiefgang auswählte. Ab 1969, als Elvis die großen Shows etwa in Las Vegas spielte, nahmen die Gospels einen festen Platz in seinem Programm ein - und sie stießen beim Publikum auf offene Ohren.

Depression und Sucht

Wenn Elvis mit Inbrunst "Amazing Grace" oder "How Great Thou Art" sang, war dies "mehr als nur ein Stück Musik", sagt Hesterberg. Gospels habe er mit großer Ernsthaftigkeit zelebriert. Die alten Rockhits wurden hingegen oft in blutleeren Medleys hingeschludert. Geistliche Lieder streute Elvis meist in der Mitte seines Konzertprogramms ein, als "Kontrapunkt", um besondere Aufmerksamkeit für sie zu erhaschen.

Die Gospels begleiteten und stützen den von der Welt isolierten Sänger bis zum Ende. Immer mehr rutschte Elvis in den 1970er Jahren in Depressionen und Sucht ab. Den Lebenssinn schien er nicht gefunden zu haben, glaubt Maria Hesterberg: "Dies führte vielleicht auch schließlich zu seinem Tod."

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