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Auf Stein gebaut – das ist es, was der Predigttext von unserem Glauben fordert. Nur so kann er in den Stürmen des Lebens bestehen. Ein festes Fundament für den Glauben entsteht dann, wenn wir das Hören auf Gottes Wort mit dem Tun verknüpfen und uns in den vielen kleinen Entscheidungen unseres Alltags an seinen Weisungen orientieren. Erst dann bekommt der Glaube Substanz. Schön, wenn er dann auch so weit sichtbar ist wie die Kirche St. Michel im französischen Le Puy. Foto: Friedhelm Dröge/Wikipedia
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Heike Dreisbach (50) ist Referentin für Erwachsenenbildung beim Evangelischen Kirchenkreis Siegen und Prädikantin in der Evangelischen Reformierten Kirchengemeinde Rödgen-Wilnsdorf.

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Auf festem Grund

Andacht

Von Heike Dreisbach | 13. August 2017

Über den Predigttext zum 9. Sonntag nach Trintitatis: Matthäus 7, 24-29

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Auf Stein gebaut – das ist es, was der Predigttext von unserem Glauben fordert. Nur so kann er in den Stürmen des Lebens bestehen. Ein festes Fundament für den Glauben entsteht dann, wenn wir das Hören auf Gottes Wort mit dem Tun verknüpfen und uns in den vielen kleinen Entscheidungen unseres Alltags an seinen Weisungen orientieren. Erst dann bekommt der Glaube Substanz. Schön, wenn er dann auch so weit sichtbar ist wie die Kirche St. Michel im französischen Le Puy. Foto: Friedhelm Dröge/Wikipedia
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Heike Dreisbach (50) ist Referentin für Erwachsenenbildung beim Evangelischen Kirchenkreis Siegen und Prädikantin in der Evangelischen Reformierten Kirchengemeinde Rödgen-Wilnsdorf.

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Predigttext
24 Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. 25 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet. 26 Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. 27 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß. Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet hatte, dass sich das Volk entsetzte über seine Lehre; denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie ihre Schriftgelehrten.

Wir hatten die heraufziehende schwarze Wolkenwand zunächst gar nicht bemerkt. Was sich da über uns zusammenbraute, realisierten wir erst, als unsere Campingplatznachbarn hektisch zu werkeln begannen. Um uns herum wurden Wohnwagen und Vorzelte mit dicken Spanngurten und zusätzlichen Pflöcken abgesichert.  

Au weia! Was soll das bloß werden? Verzagt schauten wir auf unser winziges Zelt. Ganz sicher eine wunderbare Unterkunft  für zwei Liebende, wenn die Nächte lau sind. Aber im Gewittersturm?

Hinter uns lag ein Sommertag, wie er schöner nicht hätte sein können. Direkt am Seeufer hatten wir ein lauschiges Plätzchen gefunden. Ganz für uns alleine, so gut wie nicht einsehbar. Ideal für ein junges Elternpaar, das sich eine kleine Auszeit vom Familienalltag  gönnt.

Ich will es kurz machen: Das Gewitter fiel wirklich extrem aus. Aber wir sind glimpflich davongekommen. Den ärgsten Teil des Unwetters verbrachten wir im Auto. Die schmächtigen Heringe hielten und die Zelthaut blieb dicht. Dass wir am nächsten Tag eine klatschnasse Campingausrüstung zusammenpacken mussten: Nun ja, das ließ sich verschmerzen.

Dieses, inzwischen viele Jahre zurückliegende Urlaubserlebnis kommt mir immer dann in den Sinn, wenn es um das Gleichnis vom Haus auf dem Fels und vom Haus auf dem Sand geht. Es steht im Matthäusevangelium, am Ende der Bergpredigt. Jesus sagt:

Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute ... (siehe Predigttext).
Ganz gleich, ob Wohnwagen, Zelt oder Strandvilla: Wie stabil eine Behausung ist, erweist sich erst im Gewittersturm. Im übertragenen Sinne gilt das auch für unser Lebenshaus. Denn früher oder später endet jede Schönwetterphase. Eine Krankheit kehrt zurück, Beziehungen zerbrechen, der Arbeitsplatz geht verloren. Sicheren Halt in den Stürmen des Lebens, sagt Jesus, bietet allein Gottes Wort. Und zwar in der Kombination von Hören und Tun.

Gottes Wort zu hören ist wichtig. Aber Hören alleine bewirkt erst einmal nichts. Ebenso wenig wie die Überzeugung, dass das, was Gott sagt, prinzipiell gut ist und richtig. Erst wenn das Tun hinzukommt, bekommt der Glaube Substanz.
Die zwei Bauherren, von denen Jesus erzählt, haben viel gemeinsam. Beide bringen ihre Bauvorhaben erfolgreich zu Ende. Erst als die Elemente toben, wird sichtbar, worin sie sich unterscheiden.  Der eine hatte sich für ein sandiges Baugrundstück entschieden, der andere für einen felsigen Platz.

Jeden Tag treffen wir unzählige Entscheidungen. Darüber, wofür wir unser Geld ausgeben. Welche Seiten wir im Internet aufrufen. Wie wir reagieren, wenn uns jemand schlecht behandelt. Ob wir wahrhaftig sind, auch wenn wir Nachteile befürchten. Mit jeder Entscheidung bauen wir am Fundament unseres Lebens.
In der Tat: Es mag radikal sein, was Jesus in der Bergpredigt fordert: Die Feinde lieben, keine vergänglichen Schätze ansammeln, die eheliche Treue bewahren. Aber was ist die Alternative?

Jesus droht nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Er sagt nicht: Sorge und Gier sind unmoralisch. Sondern er warnt: So zu leben ist gefährlich! Jesus rät: Sei nicht dumm. Setze dein Leben nicht in den Sand. Sei klug und entscheide dich dafür, nach den Regeln von Gottes neuer Welt zu leben. Heute kannst du damit anfangen. Hier, auf diesem festen Grund, kann wachsen, was das Leben gut macht und reich: Geborgenheit bei Gott, verlässliche Beziehungen. Ein einfacher Lebensstil, der zufrieden macht, großzügig und innerlich stark.

Ein solches Lebensfundament entsteht nicht von jetzt auf gleich. Nach und nach wird es zusammen gefügt. Stein auf Stein, Entscheidung für Entscheidung. Ein Leben lang. Im Hören und im Tun von Gottes Wort.

Gebet: Herr, danke, dass du uns zeigst, wie unser Lebenshaus sicher und stabil werden kann. Hilf uns, dass wir dein Wort nicht nur hören, sondern es uns gelingt, es auch in die Tat umzusetzen. Ermutige uns, wenn wir dabei scheitern oder nur langsam vorankommen. Amen.

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