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Die Bibel lesen

Walter Schroeder | 11. August 2017

Woche vom 13. bis 19. August

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Sonntag:     Psalm 14
Montag:     Apostelgeschichte 23, 12-35
Dienstag:     Apostelgeschichte 24, 1-21
Mittwoch: Apostelgeschichte 24, 22-27
Donnerstag: Apostelgeschichte 25, 1-12
Freitag:     Apostelgeschichte 25, 13-27
Samstag:     Apostelgeschichte 26, 1-23

Im sicheren Caesarea kommt es zu einer ausführlichen Klärung. Der dortige Statthalter Felix wird offiziell und schriftlich vom Vorgefallenen unterrichtet: Paulus habe Aufruhr unter den Juden auf dem ganzen Erdkreis gestiftet und außerdem Tempelschändung betrieben, er gehöre zu den führenden Leuten jener Sekte der Nazarener. Da fällt der Name, der immerhin beweist, dass die Christen schon eine größere Gruppierung bildeten. Die Anklagepunkte waren – wie im Prozess Jesu – höchst gefährlich. Aber jener Felix wäscht nicht seine Hände in Unschuld, sondern geht der Sache auf den Grund. Paulus kann sich in Ruhe verteidigen und den Vorwurf des Aufruhrs entkräften. Zu dem anderen Punkt sagt er einen ganz wichtigen Satz (24,14): Ich gehe nur einen anderen Weg, aber ich diene dem Gott meiner Väter in der Weise, dass ich allem (!) glaube, was geschrieben ist in der Thora und in den Propheten.

Bei dem Loslösungsprozess des Christentums von der jüdischen Orthodoxie muss man immer im Blick behalten, dass – wie etwa Schalom Ben-Chorin in seinem Paulusbuch betont – der Apostel ganz und gar in der rabbinischen Tradition geblieben ist. Selbst den Gegensatz „Gerechtigkeit aus Glauben oder Gerechtigkeit aus dem Befolgen des Gesetzes“ findet man in rabbinischen Texten. So argumentiert der Talmud damit, dass letztlich alle Gesetze auf einem beruhen und zitiert Habakuk 2,4: „Der Gerechte lebt aus dem Glauben!“

Dieses „doppelte“, ambivalente Verhältnis zum Judentum wird ein schwieriger Prozess bleiben. Und dann die römische Weltmacht im Hintergrund! Das römische Reich ist trotz der Märtyrer im Grunde ein religionsliberales Imperium gewesen. Gewiss, es hat Unruhen unterdrückt, aber es war nicht sein primäres Ziel, Religionen zu bekämpfen. Rom führte keine Religionskriege.

Festus, der nach Felix Kommandant in Caesarea wurde, erweist sich als fairer Beamter, der sogar inhaltliches Interesse beweist. Eine besondere Spannung liegt in der Verteidigungsrede des Paulus noch darin, dass sie in zwei Richtungen geht, also nicht nur vor Festus gehalten wird, sondern sich ebenso deutlich an den König Agrippa wendet. Der ist als jüdischer König auch fast schon so weit, dass er selber Christ wird (26,28). Wobei Festus hier denn doch einschreitet und Paulus zügelt, nicht mit Begeisterung nur sein großes religiöses Wissen vorzutragen, sondern zur juristischen Sache zu kommen (26,24). Aber der eigentliche Prozess läuft dann ins Leere. Paulus wird nach Rom abgeschoben.

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