hg
Bild vergrößern
Liebe ist keine Frage der Größe. Auch nicht der Leistung oder der Vollkommenheit. Bei Gott sind vielmehr die geliebt, die klein sind, fehlerhaft, unvollkommen. Auch dann, wenn sie keine süßen, unschuldigen Babys mehr sind, sondern Menschen, die sich bewusst für das Falsche entscheiden. Das zeigt sich unter anderem in Gottes Geschichte mit seinem Volk Israel. „Das Geheimnis von Liebe und Erwählung lautet: Trotz allem!“, schreibt der Autor unserer Andacht dazu. Foto: zffoto
Bild vergrößern
Maik Fleck (55) ist Pfarrer an der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Detmold-West und Beauftragter der Lippischen Landeskirche für das Gespräch mit Kunstschaffenden

Anzeige

Gott ist mit den Kleinen

Andacht

Maik Fleck | 22. Juli 2017

Über den Predigttext zum 6. Sonntag nach Trinitatis: 5. Mose 7, 6-12

Bild vergrößern
Liebe ist keine Frage der Größe. Auch nicht der Leistung oder der Vollkommenheit. Bei Gott sind vielmehr die geliebt, die klein sind, fehlerhaft, unvollkommen. Auch dann, wenn sie keine süßen, unschuldigen Babys mehr sind, sondern Menschen, die sich bewusst für das Falsche entscheiden. Das zeigt sich unter anderem in Gottes Geschichte mit seinem Volk Israel. „Das Geheimnis von Liebe und Erwählung lautet: Trotz allem!“, schreibt der Autor unserer Andacht dazu. Foto: zffoto
Bild vergrößern
Maik Fleck (55) ist Pfarrer an der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Detmold-West und Beauftragter der Lippischen Landeskirche für das Gespräch mit Kunstschaffenden

Anzeige

Predigttext
6 Denn du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott. Dich hat der Herr, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. 7 Nicht hat euch der Herr angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, 8 sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der Herr euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. 9 So sollst du nun wissen, dass der Herr, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, 10 und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. 11 So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust. 12 Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der Herr, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat.

Der Predigttext versetzt uns in eine eigentümliche innere Spannung. Da ist zuerst das, was wir am Gott Israels so bewundernswert und glaubwürdig finden: sein Faible für das Kleine. Ihm imponiert nicht, was uns manchmal imponiert. Macht, Glanz, Größe sind nicht seine Kategorien. Nein: Er erwählt das kleinste aller Völker. Und – er hält, was er verspricht. Er widerruft nicht, sondern ist sich und damit seinen Menschen treu. Wankelmütigkeit ist das letzte, was man von ihm sagen kann.

Sofort schließt sich Achselzucken an: Die Väter, das sind nicht unsere Väter. Das kleinste der Völker – das sind nicht wir. Das „Du“ ist ein anderer. Es ist das Volk Israel: ein heiliges Volk, erwählt aus den Völkern, Gottes Eigentum. Von ihm heißt es: „aus Ägypten aus der Knechtschaft geführt“. Luther hielt das für irrelevant. Also hat er diesen Satz in den Zehn Geboten gestrichen. Aber was geht verloren, wenn Gott nicht der Befreier ist?

Erwähltsein hat seinen Preis

Dann wird es unangenehm: Gott fordert. Erwähltsein hat einen Preis – Gehorsam. Ungehorsam hat Konsequenzen. Es ist Gott nicht egal, wenn Israel an ihm vorbeilebt. Und manche sagen dann: Das ist eben Altes Testament  – für uns gilt das nicht. Wieder kann man an Luther sehen, welche Möglichkeit man hat, das Unbequeme Gottes zu umgehen – Streichen oder als jüdisch verleumden.

Mein Umgang ist das nicht. Eben weil mir das am Gott Israels imponiert, dass er das Kleine liebt, will ich das andere verstehen. Ich merke, ich kann nicht das eine wollen und das andere wegwerfen. Ein Glaube an den Gott, der das Kleine achtet ohne die Geschichte, die dazu erzählt werden muss – das geht nicht.

In der Geschichte Israels wird für mich sichtbar, dass Gott nicht denen auf den Leim geht, die protzen. Gott hat nicht auf Ägypten gesetzt. Er hat auf das Schreien Israels gehört und sie befreit. Die Heermacht der Ägypter geht unter im Meer. Wie anders erlebe ich Welt: Da ertrinken momentan eher die, die vor Unterdrückung fliehen und nicht die Unterdrücker. Und ich höre Israel, das in Verfolgung immer wieder die Hoffnungsgeschichte erzählt, dass Gott bei den Kleinen ist.

Wer zum Unterdrücker wird, verliert sich

Eine andere Erfahrung wurde mit erzählt. Der Gott, der das kleine Israel liebt, kämpft gegen die äußere Bedrohung und lässt die Menschen fliehen. Und er kämpft gegen die innere Bedrohung. Sie lautet: Auch ich möchte groß sein und andere beherrschen. Da ist er unnachgiebig mit dem Gebot. Israel hat erfahren müssen: Wenn ägyptischer Geist einzieht, steht seine Existenz von Gott her auf dem Spiel. Wer zum Unterdrücker wird, verliert sich.

Das hält Gott nicht auf: Er hält Bund und Barmherzigkeit. Er gibt die Erwählten, das Eigentum nicht auf. Er lässt sich auch von ihrer Sünde nicht beeindrucken.
Das Geheimnis von Erwählung und Liebe lautet: Trotz allem! Also erbarmt er sich, immer wieder und wieder.

Alles das darf ich in der Geschichte Israels, im Alten Testament entdecken. Und ich darf es mir von Jesus predigen lassen – als Einladung, dem Gott Israels zu trauen, ein Kleiner zu werden und aus Barmherzigkeit zu leben.

Gebet: Du Gott Israels, wie gut, dass du das Kleine liebst. Dass dir weder Macht noch Sünde imponiert. Dass du unnachgiebig im Gebot bist und noch unnachgiebiger in der Barmherzigkeit. Aus diesem Guten will ich leben. Und ich warte darauf, dass du es immer wieder tust – die Kleinen retten und Befreier sein. Amen

0

Leser-Kommentare öffnen

Bitte melden Sie sich erst an, um einen Kommentar zu verfassen
zum Login
Per E-Mail empfehlen