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Der 0-Euro-Schein ist kein Zahlungsmittel, hat aber alles, was ein Geldschein haben muss. Foto: privat

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Der Gnadeneuro

Glauben

Aus der Printausgabe - UK 30 / 2017

Von Karin Ilgenfritz | 25. Juli 2017

Das wäre toll – die christliche Botschaft in wenigen Worten auf einem Geldschein. Dieser Gedanke ließ Dieter Kohl von gott.net nicht mehr los. Die Erfolgsgeschichte einer spontanen Idee

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Der 0-Euro-Schein ist kein Zahlungsmittel, hat aber alles, was ein Geldschein haben muss. Foto: privat

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Mit diesem Erfolg hatte Dieter Kohl nicht gerechnet: Der 0-Euro-Schein unter dem Motto „Gottes Gnade gibt es umsonst“ ging mit einer Auflage von 10 000 an den Start. „Inzwischen haben wir Bestellungen aus aller Welt für über 150 000 Scheine“, sagt Dieter Kohl.

Die Idee zu diesem Geldschein kam Dieter Kohl, Geschäftsführer von gott.net, einem überkonfessionellen Verein, als er auf der Wartburg zum ersten Mal einen solchen 0-Euro-Schein gesehen hat. „Darauf war die Wartburg abgedruckt und ich habe erfahren, dass es solche Scheine als Souvenier gibt, beliebt bei Sammlern.“

Keine politischen und religiösen Botschaften

Kohl fand, dass ein wertloser Geldschein gut geeignet ist, um die Gnade Gottes zu verdeutlichen. „Das passt theologisch gut. Gottes Gnade gibt es ja auch umsonst.“ Also entwickelte der Journalist einen Voschlag mit dem Satz „Gottes Gnade ist umsonst“ und schickte ihn ein. Doch das hat die Europäische Zentralbank (EZB) abgelehnt mit der Begründung, dass auf diese Scheine keine politischen oder religiösen Botschaften gedruckt werden. Nur Denkmäler, quasi geschichtliche Ereignisse, hätten die Chance, als Souvenier-Euro gedruckt zu werden.

„Dann habe ich es nochmal versucht, diesmal mit Martin Luther und dem Reformationsjubiläum“, berichtet Dieter Kohl. „Und siehe da – es hat geklappt.“ Auf dem Schein ist nun das Luther-Denkmal von Wittenberg zu sehen, daneben ein Zitat des Reformators. „Erst hatte ich einen Bibelvers vorgeschlagen, aber der war zu lang. Es sollte ein Lutherzitat sein.“ Nach einigem Suchen ist er fündig geworden: „So viel Glauben du hast, so viel Lachen hast du.“

Überraschenderweise hat dann der ursprüngliche Satz „Gottes Gnade gibt es umsonst“ auch noch Platz auf dem Geldschein gefunden. „Da haben wir uns gefreut, als wir das festgestellt haben.“ Und im Katalog heißt der Schein nicht etwa Luther- oder Reformations-Euro, sondern ist gelistet unter: „Gottes Gnade gibt es umsonst.“
Der Geldschein ist auf echtem Europapier gedruckt und hat die üblichen Sicherheitsmerkmale wie Wasserzeichen, Hologramm und individuelle Seriennummer. „Der Druck ist aufwändig, deswegen dauert es auch so lange, bis die Scheine nachgedruckt werden“, sagt Kohl. 50 000 Scheine sind inzwischen verkauft und verschickt. 100 000 stehen noch aus.

Es geht nicht ums Geld, sondern um den Glauben

Dabei hat er anfangs noch gedacht, er sei echt mutig, wenn er nicht 5000, sondern 10 000 Scheine als Erstauflage in Auftrag gibt. „Wir dachten, die dürften wir bis zum Reformationstag im Oktober schon irgendwie loswerden.“ Doch als die Meldung durch die Presse ging, gab es innerhalb kurzer Zeit sogar Bestellungen aus Neuseeland, Kanada und China.

Mit den „wertlosen Geldscheinen“ kann man nichts kaufen – sie haben einen Wert von 0 Euro. Wer einen solchen Schein haben möchte, muss allerdings zwei Euro dafür bezahlen. „Das ist der Selbstkostenpreis“, berichtet Dieter Kohl. „Uns geht es nicht ums Geld, sondern um die Botschaft. Sonst hätten wir den Schein für drei Euro oder mehr verkauft.“

Der Verein gott.net mit Sitz in Dülmen wurde im November 2002 gegründet. „Uns ging es von Anfang an darum, die christliche Botschaft auf ungewöhnliche Weise zu verkündigen.“ Ihr erstes Projekt waren große Plakate entlang der Autobahn, die auf den christlichen Glauben aufmerksam machen mit Texten wie: „Wir müssen reden. – Gott“ oder „Ich halte dich. – Gott“. Der Verein finanziert sich durch Spenden.

Internet: www.gott.net

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