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Der Pfarrer der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Gemeinde in Windhuk (Namibia), Achim Gerber, mit seiner Ehefrau Katja vor einem Modell der Christuskirche in Windhuk aus Legosteinen. Foto: epd

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Gesangbuch und Ersatzreifen

Auslandspfarrer

Von Christiane Ried | 12. Juli 2017

Gottesdienste auf einer Farm zu halten gehört ebenso zum Alltag wie Reifen wechseln am Geländewagen. Pfarrer Achim Gerber und seine Familie sind seit sieben Jahren in Namibia

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Der Pfarrer der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Gemeinde in Windhuk (Namibia), Achim Gerber, mit seiner Ehefrau Katja vor einem Modell der Christuskirche in Windhuk aus Legosteinen. Foto: epd

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Nicht zu wissen, wie man einen Autoreifen wechselt – da wäre man in Namibia schön aufgeschmissen. Vor allem als Pfarrer. Denn selbst zum Sprengel der Hauptstadt Windhuk mit seinen 320 000 Einwohnern gehören auch Farmen, die hunderte Kilometer entfernt liegen. Einzige Verbindung: Schotterstraßen. Grundausstattung eines Pfarrers sind neben dem Gesangbuch: ein Geländewagen mit Wasser- und Benzinreserven, Ersatzreifen und ein GPS-fähiges Handy. Zweimal sei er schon im Busch liegen geblieben, erzählt der Pfarrer der deutschsprachigen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Windhuk, Achim Gerber. „Reifen wechseln zu können, ist hier ein Muss.“

Im Urlaub Liebe zu Namibia entdeckt

Seit fast sieben Jahren ist der 49-Jährige aus Ansbach mit seiner Frau Katja und seinen zwei Söhnen (15 und 17) schon in Windhuk. Achim Gerber ist Pfarrer der bayerischen evangelischen Landeskirche, entsendet hat ihn die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Gerbers verbrachten einen Urlaub in Namibia – und verliebten sich in Land und Leute. Als die EKD Monate später einen Pfarrer für Windhuk suchte, war Gerbers klar: Sie wollten nach Namibia.

Zwischen Namibia und Deutschland herrscht eine besondere Verbindung: Zwischen 1884 und 1915 war das Land deutsche Kolonie. Bis heute erinnern Architektur oder Straßennamen an die deutschen Kolonialherren. Deutsch ist eine der elf offiziellen Sprachen des Landes. Rund 20 000 Deutschprachige unter den 2,5 Millionen Einwohnern gibt es in Namibia. Eines der dunkelsten Kapitel unter der deutschen Besatzung war der Völkermord an den Herero und Nama, für den sich Ende April auch die Evangelische Kirche in Deutschland offiziell entschuldigt hat.

Das Interesse der Namibier an Deutschland sei groß, erzählen die Gerbers. Viele deutsche Touristen kämen in das Land, etliche Namibier gingen zum Studium nach Deutschland, außerdem gebe es viele Geschäftsbeziehungen zwischen den Ländern. Die deutschsprachige evangelische Gemeinde hat 2500 Mitglieder, unter ihnen sind deutschsprachige Namibier oder Deutsche, die für einige Jahre in Namibia arbeiten. Ihre Heimat hat die Gemeinde in der imposanten Christuskirche, die ab 1907 gebaut wurde und heute Wahrzeichen und Touristen-Hotspot ist.

Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man im beschaulichen Franken als Pfarrer arbeitet oder im Süden Afrikas. „Namibia ist abhängig von der Natur. Für die Farmer ist Regen existenziell“, sagen die Gerbers. Das haben sie in den vergangenen Jahren hautnah erlebt. Vier Jahre lang hatte es nicht geregnet, das Land war vertrocknet, das Vieh verendete. „Die Menschen waren verzweifelt.“ Im Januar kam der erlösende Regen. Das sei ein bewegender Moment gewesen, eine „Gotteserfahrung“ erzählt Katja Gerber, die an einer deutschen Schule Lehrerin ist.

Der Wassermangel in Namibia hat die Familie geprägt: Bei einem tropfenden Wasserhahn melde sich sofort das schlechte Gewissen, auch bei ihren Söhnen, erzählen die Gerbers. Ihr Duschwasser zum Beispiel sammeln sie und verwenden es als Toilettenspülwasser wieder. Die Adventszeit sei für viele Namibier wegen der anstehenden Regenzeit ein „tiefes religiöses Erlebnis“. Das Warten auf den Heiland ist verbunden mit dem Warten auf Regen. Und überhaupt: „Wie Regen duftet. Und wenn man dann die Wolken kommen sieht“, schwärmt Katja Gerber. Ihr Mann nickt. So sehr er auch blauen Himmel schätze. „Aber irgendwann bekommst du eine Sonnendepression.“

Für die Handvoll evangelische Farmersfamilien, die rund um Windhuk leben, ist Achim Gerber ein wichtiger Ansprechpartner. Regelmäßig fährt er mit seinem Auto raus aufs Land und hält Farmgottesdienste. Dazu kommen auch die übrigen Farmer aus der Umgebung. „Das ist so ähnlich wie Kirche im Grünen“, sagt Achim Gerber. So ein Gottesdienst, verbunden mit Essen, Trinken und meist auch Übernachtung, ist für die Farmer eine willkommene Abwechslung.

In zwei Jahren geht es für die Gerbers zurück nach Bayern. Neun Jahre – länger erlaubt die EKD nicht. Achim Gerber: „Die Trennung wird uns schwerfallen.“

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