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Taufe eines 31-jährigen Asylbewerbers aus der Zentralafrikanischen Republik durch Pfarrer Ernst-Ludwig Fellechner am 28. Februar 2016 in der evangelischen Auferstehungsgemeinde in Mainz. Foto: epd
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Schutzgrund oder Trickserei?

Flüchtlingstaufe

Aus der Printausgabe - UK 25 / 2017

16. Juni 2017

Debatte nach tödlicher Gewalt eines Konvertiten. Die Kirchen betonen ihre grundsätzlich einladende Haltung, wollen jeden Fall aber auch weiterhin kritisch überprüfen

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Taufe eines 31-jährigen Asylbewerbers aus der Zentralafrikanischen Republik durch Pfarrer Ernst-Ludwig Fellechner am 28. Februar 2016 in der evangelischen Auferstehungsgemeinde in Mainz. Foto: epd

Bonn/Hannover/Karlsruhe Nach der tödlichen Gewalttat eines afghanischen Konvertiten ist eine Debatte über die Taufe von Asylbewerbern entbrannt. Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister rief die Kirche zu einer kritischen Prüfung von Flüchtlingen auf, die zum Christentum übertreten wollen. Die katholischen Bischöfe warnten in der Debatte  vor Fehleinschätzungen. Die katholische Kirche gehe nicht leichtfertig mit Taufen um, sagte der Pressesprecher der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, in Bonn.

Bund Kriminalbeamter grundsätzlich skeptisch

Grundsätzliche Skepsis gegenüber Taufen muslimischer Flüchtlinge äußerte der Bund Deutscher Kriminalbeamter. Der kirchliche Flüchtlingsexperte Jürgen Blechinger wie auch der Leiter des Bischöflichen Seelsorgeamtes im Bistum Augsburg, Bertram Meier,  wiesen den Vorwurf zurück, Asylbewerber würden in Deutschland vorschnell getauft.
Ein afghanischer Asylbewerber hatte Anfang Juni einen fünfjährigen Jungen in einer Flüchtlingsunterkunft in Bayern erstochen. Anschließend wurde der Angreifer von der Polizei erschossen. Der verurteilte Straftäter war vor Jahren zum christlichen Glauben übergetreten und hatte sich mit diesem Argument erfolgreich gegen eine Abschiebung nach Afghanistan gewehrt.
Bischof Meister sagte, es sei notwendig, die jeweilige Lebenssituation des Taufwilligen genau zu kennen. Dennoch sei „bei aller Sorgfalt im Umgang mit Taufbegehren von Geflüchteten nicht auszuschließen, dass es im Einzelfall zu Missbräuchen kommt“, sagte der evangelische Theologe. Für Sanktionen sei nicht die Kirche, sondern der Staat zuständig. Es sei die Aufgabe staatlicher Gerichte, gegen diese Form von Missbrauch entschieden vorzugehen. „Missbräuchliche, erschlichene Taufen können nicht geduldet werden“, sagte Meister dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“.
Der stellvertretende Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Ulf Küch, hält Konversionen muslimischer Flüchtlinge zum Christentum für einen „Trick, um im Land bleiben zu können“. „Muslime dürfen den Glauben nicht wechseln“, sagte Küch den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Es müsse schon viel passieren, damit Muslime ihre Religion aufgeben. „Wenn die Abschiebung des Täters daran gescheitert ist, dass er seinen Glauben gewechselt hat, dann muss man nur eins und eins zusammenzählen.“
Der Jurist Jürgen Blechinger, Referent für Migration und Flucht bei Landeskirche und Diakonischem Werk Baden, betonte indes, in den evangelischen Landeskirchen und den katholischen Diözesen gehe den Taufen immer eine intensive Vorbereitung voran. Blechinger wies darauf hin, dass die Gerichte und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Taufe sehr genau und teilweise „komplett überzogen“ prüften. „Eine Taufurkunde alleine reicht nicht“, sagte er. Blechinger führte weiter aus, dass manche Anhörungen inzwischen eher einem theologischen Staatsexamen glichen als einer Überprüfung, ob es dem Asylbewerber mit seiner Hinwendung zum Christentum ernst sei.

Meier: Christ wird man nicht im Galopp

Auch das Bistum Augsburg, wo der afghanische Flüchtling getauft wurde, unterstrich: „Bevor jemand getauft und damit in die Kirche aufgenommen wird, muss er einen monatelangen Prozess der Vorbereitung und der Prüfung durchlaufen.“ Dies gelte für alle Taufbewerber, unabhängig von Herkunft oder kulturellem Hintergrund. „Christ wird man nicht im Galopp“, sagte der Leiter des Bischöflichen Seelsorgeamtes, Bertram Meier.
Bevor die Taufe gespendet werde, müsse die ausdrückliche Erlaubnis des Bischöflichen Ordinariats eingeholt werden, sagte Meier weiter. „Damit stellen wir sicher, dass sich niemand die Taufe ‚erschleicht‘. Uns ist deshalb auch kein einziger Fall bekannt, dass die Taufe als Vorwand genutzt wurde, um nicht abgeschoben zu werden.“ Die Zahl der Muslime, die sich taufen ließen, sei in den vergangenen Jahren gering gewesen – bistumsweit weniger als zehn Personen pro Jahr.

Käßmann warnt vor Generalverdacht

Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die Theologin Margot Käßmann, warnte vor einem Pauschalverdacht gegenüber Flüchtlingen, die zum Christentum konvertieren wollen. Die allermeisten Menschen gingen diesen Schritt „aus tiefster Überzeugung“, schrieb Käßmann in der „Bild am Sonntag“.
Das Verwaltungsgericht München hatte im Juli 2014 festgestellt, der Afghane habe einen „ernsthaften Glaubenswechsel vollzogen und praktiziere den christlichen Glauben auch nach außen hin“. 2012 habe er sich taufen und firmen lassen, er gehe nach eigenen Angaben regelmäßig in die Kirche. „Bei dieser Sachlage ist davon auszugehen, dass der Kläger in Afghanistan aufgrund seines Abfalls vom moslemischen Glauben und der Zuwendung zum christlichen Glauben der konkreten Gefahr von schwerwiegenden Übergriffen auf seine Person ausgesetzt wäre.“ epd/KNA/UK

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Leser-Kommentare öffnen

Atlantica, 16. Juni 2017, 20:13 Uhr


Wenn ein Getaufter, in diesem Fall ein Geflüchteter, zum Täter wird, kann man dann in diesem Zusammenhang retrospektiv von einem Missbrauch der Taufe sprechen? Die Argumentation läuft wohl so:

-er ließ sich taufen, um nicht abgeschoben zu werden

-dann wurde er zum Täter, daran sieht man, die Taufe war nur ein Trick


Ist es nicht vielmehr so:

-er ließ sich taufen

-er hatte Angst, in Afghanistan bestraft zu werden für seinen Abfall vom Islam

-er wurde später aus ganz anderen Gründen zum Täter?


Die zweite Erklärung erscheint realistisch, die erste konstruiert.


Auf eine kurze Formel gebracht:

jemand der (vorausgesetzt, dass er es getan hat) sein Asylrecht missbraucht, wird aus diesem Grund noch nicht zum Totschläger oder Mörder. Mich wundert auch und vor allem dies hier:

"Grundsätzliche Skepsis gegenüber Taufen muslimischer Flüchtlinge äußerte der Bund Deutscher Kriminalbeamter."

Mit welchem Recht will man Geflüchteten ihre Religions-Freiheit streitig machen?

Aus christlicher Perspektive muss man umgekehrt an den Missionsbefehl Jesu denken!

Zur Vorstellung eines "Tricks" noch: hier scheint die uralte (mittelalterliche) Idee eine "bösen Vorsatzes" eine Rolle zu spielen. Der "böse Vorsatz" ist eine gedankliche Figur, die eine Gesinnung - womöglich dämonischer Natur - zur Grundlage des Rechts macht. - Das moderne Strafrecht bindet die Rechtsfolge einer gesetzlich kodifizierten Tat an Wissen und Wollen der Folgen des Tuns des Täters: ein aufgeklärter Begriff von Schuld.
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Alwite, 17. Juni 2017, 9:33 Uhr


Dem eine kriminelle Vergangenheit nachzuweisen ist, ist Berechnung zuzutrauen. Die Bewährung vorwegzunehmen widerspricht der Realität.
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Atlantica, 17. Juni 2017, 10:22 Uhr


a) Ist es in diesem Fall so? War der Getaufte nachweislich kriminell?

b) Für reuige Sünder gilt, dass sie getauft werden können, sollen, müssen.

Ich verstehe diese ganze Diskussion nicht, finde sie vollkommen unchristlich. Was ist das ein Begriff von "Realität", der immer nur sich selbst sieht???
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Alwite, 17. Juni 2017, 17:12 Uhr


Vertrauen gut, Kontrolle besser, lese ich aus dem Artikel der die Frage stellt, wie geht der Schutz der Allgemeinheit mit dem womöglichen Trick eines Einzelnen, der Bedürfnis nur vortäuscht, christlich zusammen.
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Schallblech, 17. Juni 2017, 19:17 Uhr


Ich habe bei einem anderen Artikel zum Thema schon Ähnliches geschrieben: Die Gefängnisse des "christlichen Abendlandes" sind voll von christlich getauften Menschen, darunter auch Mörder. Sie sind gefallen, sie haben etwas getan, was nicht mit ihrer Religion vereinbar ist. Es ist ihnen passiert.
Ich habe noch nirgendwo gelesen, daß sich darüber jemand aufgeregt oder den Glauben anderer, nicht betroffener Menschen in Zweifel gezogen hätte.
Wenn nun dieser Ägypter so etwas getan hat, dann stehen plötzlich alle Flüchtlinge in Verdacht, den Glauben nur vorgetäuscht zu haben? diese ganze Diskussion ist unwürdig und diskriminierend!
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Atlantica, 17. Juni 2017, 22:06 Uhr


SO ist es, Schallblech. Dieses Mal hat sich Alwite verrannt.
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Alwite, 18. Juni 2017, 10:17 Uhr


Es geht mir nie darum recht zu haben:-)
Die Sicht zum Thema ist jedem Leser unbenommen zugestanden und regt mich zum Nachdenken an.
"Emotionale Intelligenz" ist die Begabung im Umgang mit den eigenen und fremden Empfindungen – oder wie Goethe es genannt hat: Herzensbildung. Wer von uns möchte darin nicht eingebunden sein.
Dass Männer und Frauen die Dinge anders sehen, ist der Emotionalen Intellegenz lange bekannt. Darum bemühe ich mich so gut ich kann , mich nicht zu den "Herunterachern" zu gesellen.

Die Bedenken ausräumen zu wollen, dass sich ein skrupelloser Mensch mit krimineller Berechnung, durch die Taufe eine Tarnung verspricht, erschließt sich mir in der Tat, nach wie vor, als umsichtig.
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Atlantica, 18. Juni 2017, 19:10 Uhr


Emotionale Intelligenz: Lustig!! Ich habe dieses Argument einmal einer Psychologin mit einem IQ von 140 vorgehalten, die sich daraufhin halb totgelacht hat.

Alwite, um Fakten wissenschaftlich zu ordnen und ein-zuordnen, braucht man nicht sonderlich intelligent zu sein. Man tut nur seine Arbeit, etwa wie ein Schuhmacher. Das tun Schallblech und ich. Möchtest du nicht mittun? Stichwort Goethe: Dichtung und Wahrheit.
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Alwite, 18. Juni 2017, 20:01 Uhr


Gemeinschaft

Nicht gleiche Antworten
aber die gleichen Fragen,
nicht gleiche Wege
aber das gleiche Ziel
nicht gleiche Frömmigkeit
aber den gleichen Herrn
nicht alle gleich
aber alle eins
sich gleichzeitig geliebt wissen
und liebend.

W. Hoffmann
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Atlantica, 19. Juni 2017, 9:21 Uhr


Hallo Alwite, lass es mich noch einmal anders versuchen. Persönlich war meine Vorstellung immer, dass man durch die Taufe ein neuer Mensch wird. Das glaube ich nach wie vor. Daher hat mich dieser Fall ein wenig erstaunt! Doch weiß ich aus der Forschung, dass man alles statistisch erklären kann: durch die Bindungen an Kirche werden Menschen tatsächlich seltener straffällig, und zwar Katholiken am wenigsten!

Aber ganz nüchtern betrachtet, verstehe ich deine Haltung ganz einfach nicht, bei einer Erwachsenentaufe vorher "zu kontrollieren". Wie soll das geschehen? Man kann nie sicher ausschließen, dass jemand zum Täter wird. Manche Kriminal-Psychologen sagen sogar, dass jeder ein potentieller Täter sein kann. Das glaube ich nicht, aber deine Sicht ist mir unverständlich.

Gruß
Atlantica
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Atlantica, 19. Juni 2017, 9:21 Uhr


Hallo Alwite, lass es mich noch einmal anders versuchen. Persönlich war meine Vorstellung immer, dass man durch die Taufe ein neuer Mensch wird. Das glaube ich nach wie vor. Daher hat mich dieser Fall ein wenig erstaunt! Doch weiß ich aus der Forschung, dass man alles statistisch erklären kann: durch die Bindungen an Kirche werden Menschen tatsächlich seltener straffällig, und zwar Katholiken am wenigsten!

Aber ganz nüchtern betrachtet, verstehe ich deine Haltung ganz einfach nicht, bei einer Erwachsenentaufe vorher "zu kontrollieren". Wie soll das geschehen? Man kann nie sicher ausschließen, dass jemand zum Täter wird. Manche Kriminal-Psychologen sagen sogar, dass jeder ein potentieller Täter sein kann. Das glaube ich nicht, aber deine Sicht ist mir unverständlich.

Gruß
Atlantica
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Alwite, 19. Juni 2017, 10:49 Uhr


Lieber Atlantica,
"Sei stark und gerüstet auf jedem Gebiet und pflege das Leben, wo du es antriffst. Bekümmere dich um die Deinen und halte dich selber aufrecht, auf daß dein Herz erleuchtet werde in der Sonne. Gib die Sorge für die dir Anvertrauten nicht auf." (Hildegard von Bingen)

Der Schutz der Anvertrauten mit dem Begehren eines Täuflings, der böses im Schilde zu führen im Stande wäre, abzuwägen - bitte Du kannst so viel wie Du magst argumentieren - wenn dieser Konvertierte Menschen zu ermorden fähig ist, und es auch tut, möchte ich nicht verantworten, dies NICHT bedacht zu haben!
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Atlantica, 19. Juni 2017, 11:35 Uhr


Liebe Alwite, das habe ich ja verstanden. Aber woher möchtest du vorher wissen, welcher Täufling (kommt ja wohl nur bei Erwachsenentaufen infrage) solche Taten begeht. Ich glaube, du bist einem Trugbild erlegen. Ein Trugbild eines menschlich durchschaubaren kalkulierbaren Gottes. Und einen SOLCHEN Gott gibt es, glaube ich jedenfalls, nicht.

Du kannst den Täufling doch nicht fragen: werden Sie ein christliches Leben führen und keine schweren Straftaten begehen? - Das ist vollkommen absurd!
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Alwite, 19. Juni 2017, 22:30 Uhr


Der Andersgläubige, der sich mit der christlichen Taufe die gewünschte Tarnung erschleicht, wird Dir ganz sicher auch noch bei Deinem Gott schwören, dass er nichts gegen Dich Schilde führt. Da ist ein Leumundszeugnis letzlich doch ein wenig glaubwürdiger...
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Atlantica, 20. Juni 2017, 8:41 Uhr


Alwite...

Ein Führungs-Zeugnis zu verlangen, ist nicht falsch. Aber ich wette, der Ägypter hätte keinen Eintrag gehabt...

Zum Begriff Andersgläubiger. Sage besser deutlich, klar und unmissverständlich: Muslim!
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Atlantica, 20. Juni 2017, 8:41 Uhr


Alwite...

Ein Führungs-Zeugnis zu verlangen, ist nicht falsch. Aber ich wette, der Ägypter hätte keinen Eintrag gehabt...

Zum Begriff Andersgläubiger. Sage besser deutlich, klar und unmissverständlich: Muslim!
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