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Die Bibel lesen

Walter Schroeder | 16. Juni 2017

Woche vom 18. bis 24. Juni

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Sonntag:        Psalm 13
Montag:          Apostelgeschichte 9, 19b-31
Dienstag:       Apostelgeschichte 9, 32-43
Mittwoch:     Apostelgeschichte 10, 1-23
Donnerstag: Apostelgeschichte 10, 23-33
Freitag:           Apostelgeschichte 10, 34-48
Samstag:       Apostelgeschichte 11, 1-18

Nach der Bekehrung des Paulus, die im Neuen Testament mehrfach jeweils mit kleinen Varianten beschrieben wird, liest sich die Apostelgeschichte fast wie eine Paulus-Biographie. Aber anders als in seinen Briefen, wo Paulus immer wieder auf das nahe bevorstehende Ende und damit die Vorläufigkeit der christlichen Existenz in dieser Welt hinweist, wird er nun – eine Generation später – als der große Baumeister für die lange Zeit der Kirche dargestellt. Ein Meinungsumschwung vollzog sich: Gott kann seinen neuen Bund nicht geschlossen haben, um ihn sogleich in einer Katastrophe untergehen zu lassen.
Was Paulus vor Damaskus erlebte, war eine Begegnung mit Christus, aus der er völlig verwandelt hervorgegangen ist. Aus einem, der Gott begreifen wollte, ist einer geworden, der von Christus ergriffen, ja überwältigt worden ist. Im Philipperbrief (3,12) beschreibt er: Jesus habe ihn ganz und gar durchdrungen! Auch wenn die Namensvarianten „Saulus“(Shaul hebräisch: der Erbetene) und „Paulos/Paulus“ (griechisch/ lateinisch: der Kleine) ursprünglich kaum mit diesem Ereignis zusammenhängen. Wahrscheinlich nannte ihn schon sein Umfeld in Tarsus wegen seiner Körpergröße so, später hat man damit diese Wandlung sprichwörtlich zum Ausdruck gebracht. Aber auch der Nachsatz der göttlichen Weisung ist vielsagend: Ich will dir zeigen, wie viel du leiden musst um meines Namens willen.
Saulus erscheint zunächst wie bewegungsunfähig. In Damaskus sucht er die Gemeinde nicht selbst, sondern wird auf wunderbare Weise aufgesucht von Hananias. Das anfängliche Misstrauen verwandelt sich in brüderliche Fürsorge. Eine interessante Frage ist: Woran erkannten sich die Christen in dieser Phase überhaupt? Nicht am Gebet, denn das taten die Juden auch, weithin sogar mit denselben Texten. Die Selbstbezeichnung der Christen lautet: die Heiligen! Beim Hauptmann Kornelius erlebt Petrus, dass die für Juden ausgesprochen wichtigen „Grenzlinien“ und Erkennungszeichen in der Gemeinde nicht mehr gelten, und das waren die Speisegebote und die Beschneidung.
Damals gab es offenbar in den Großstädten Antiochia und Damaskus lebendige jüdische Gemeinden, in denen Synagoge Paulus unverzüglich seine neue Mission anfing. Daneben hatte sich schon deutlich eine „christliche“ Gemeinde gebildet, bei der die Taufe als „Eingangsritus“ üblich war und nicht mehr die Beschneidung vollzogen wurde. Durch das Wirken „des Neuen“ scheint sich der Prozess der Trennung zu beschleunigen.

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