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Ärztekammer: Anonyme Berichtssysteme nutzen

Gesundheit

30. Mai 2017

Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein, hat zur Nutzung von anonymen Berichtssystemen aufgerufen, um die Gründe für ärztliche Behandlungsfehler aufzudecken

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Köln (epd). Die Ärztekammer Nordrhein hat zur Nutzung von anonymen Berichtssystemen aufgerufen, um die Gründe für ärztliche Behandlungsfehler aufzudecken. In diesen bereits eingerichteten Systemen könnten Ärzte anonym auch von Beinahe-Fehlern berichten, von denen sie wüssten, sagte der Verbandspräsident Rudolf Henke am Dienstag im WDR5-Radio. «Das ist ein wichtiges Instrument, um dann in Qualitätszirkeln oder auf Konferenzen herauszuarbeiten, welchen Chancen wir haben, um das abzustellen.» Der Medizinische Dienst der Krankenkassen wollte am Dienstag in Berlin seine neue Statistik zu ärztlichen Behandlungsfehlern im vergangenen Jahr vorstellen.

«Wo Menschen arbeiten, werden Fehler gemacht», betonte Henke. «Das gilt auch für die Ärztinnen und Ärzte, die weder Halbgötter noch Götter sind.» Mit Blick auf die Krankenhäuser komme dazu, dass die personelle Besetzung sowohl bei den Pflegekräften als auch bei den Ärzten zu knapp sei. Zwar müssten Ärzte trotzdem die geschuldete Sorgfalt erbringen. «Aber es ist natürlich so, dass ein Klima allgemeiner Eile und eines übertriebenen Tempos dazu führt, dass auch Dinge durchgehen», sagte der Ärztekammerpräsident.

Um das aufzudecken, könnten die anonymen Berichtssysteme helfen, sagte Henke. In NRW wurde das «Critical Incident Reporting System» nach seinen Worten unter Mitwirkung der beiden Ärztekammern, der Kassenärztlichen Vereinigungen, der Krankenkassen und der Krankenhausgesellschaft eingerichtet.

Henke empfiehlt Ärzten, Mitgefühl zu zeigen, wenn sie von Patienten mit angeblichen Behandlungsfehlern konfrontiert werden.Mediziner seien verpflichtet, den Patienten den Behandlungsverlauf wahrheitsgemäß zu schildern. Allerdings könnten sie wegen ihrer Haftpflichtversicherung keine Schuld eingestehen. «Und das ist natürlich manchmal das, was für den Patienten das Allerwichtigste wäre, weil es ihm gar nicht um die Frage nach Schadensersatz geht, sondern darum, dass sich jemand für verantwortlich erklärt für das, was der Patient erlitten hat», sagte Henke.

«Ich empfehle den Ärztinnen und Ärzten, jedenfalls Mitgefühl, Empathie und Betroffenheit zu zeigen», sagte der Mediziner weiter. Das könne man auch tun, ohne zu sagen: «Ich war dafür verantwortlich und bin schuldig.»

Das Interview zum Nachhören: http://u.epd.de/su5

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