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Die Predigt ist das Herzstück des Gottesdienstes. Gilt das noch immer? Und: Wann ist eine Predigt eigentlich „gut“? Foto: TSEW

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Damit das Wort auch ankommt

Verkündigung

Aus der Printausgabe - UK 19 / 2017

Von Anke von Legat | 6. Mai 2017

Gar nicht so einfach, alle Predigthörerinnen und -hörer anzusprechen und zufriedenzustellen. Trotzdem verdient die Predigt ihren zentralen Platz im Gottesdienst

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Die Predigt ist das Herzstück des Gottesdienstes. Gilt das noch immer? Und: Wann ist eine Predigt eigentlich „gut“? Foto: TSEW

„Fritzchen, worüber hat der Pfarrer denn gepredigt?“ – „Über die Sünde.“ – „Und was hat er gesagt?“ – „Er war dagegen.“

Ob wohl alle, die mit Fritzchen im Gottesdienst waren, die Predigt ebenso knapp und prägnant zusammenfassen könnten? Ob sie überhaupt alle das Gleiche gehört haben? Und wie sie diese Predigt wohl bewerten würden?

Vielleicht fühlten sich einige bestätigt durch die Aufforderung, ein Leben gemäß den Geboten zu führen. Andere fanden dieses Moralisieren abstoßend. Und wieder andere haben sich während der Predigt überlegt, ob der Pfarrer wohl die geforderten hohen Maßstäbe im eigenen Leben umsetzt, wo doch sein Sohn gerade …
Jede Gottesdienstbesucherin, jeder Gottesdienstbesucher kommt mit anderen Erwartungen, hört auf andere Stichworte, nimmt unterschiedliche Aussagen mit. Bei der gleichen Predigt fühlen sich die einen bestätigt, die anderen angegriffen; die einen angeregt, die anderen gelangweilt.

Da stellt sich die Frage: Ist die Predigt, wie wir sie kennen – rund 15 Minuten reiner Vortrag, ohne Bilder, ohne Multimedia-Präsentation, ohne kurze Filmchen als „Einspieler“, ohne aktive Beteiligung der Zuhörenden – überhaupt das Mittel der Wahl, um Gottes Wort unter die Menschen zu bringen? Steht ihr die zentrale Rolle, die sie hat, auch heute noch zu?

Die Antwort muss wohl heißen: Ja – aber.

Ja: Die Predigt als die Rede eines Einzelnen im Gottesdienst bleibt wichtig. Weil sie persönlich ist – da steht ein echter Mensch, der nach bestem Wissen und Gewissen einen Bibeltext auslegt und von seinem Glauben erzählt. Er „gibt Zeugnis“, um ein vielleicht veraltetes Wort zu bemühen. Auch dann, wenn er gar nicht explizit von sich selbst spricht. Das ist es, was interessiert und im besten Fall auch beeindruckt und weiterhilft – anrührender und überzeugender als viele professionell gemachte Youtube-Videos oder Multimedia-Vorträge.

Aber: Die Verkündigung des Evangeliums, das Wort Gottes, ist – wie jedes gesprochene Wort – von den Menschen abhängig, die es sprechen, und von denen, die es hören. Daher ist es für Predigerinnen und Prediger wichtig, sich intensiv darüber Gedanken zu machen, wie sie etwas vermitteln wollen – also die Form genauso gewissenhaft zu gestalten wie den Inhalt.

Zwar haben die, die auf der Kanzel stehen, es letztlich nicht in der Hand, ob ihre Worte Glauben schaffen. Aber sie haben durchaus den Auftrag, alles dafür zu tun, dass Menschen ihnen aufmerksam und interessiert zuhören können. Wer das lernen möchte, muss manchmal aus seiner Komfortzone heraustreten (siehe Seite 2). Aber es lohnt sich: „Man kann immer noch etwas verbessern“, sagt Kathrin Oxen, die Leiterin des EKD-Predigtzentrums in Wittenberg.

Übrigens: Auch die, die zuhören, tragen zum Gelingen einer Predigt bei. Durch zugewandte Aufmerksamkeit, durch Zeichen des Interesses, durch konstruktive Kritik nach dem Gottesdienst. Und durch das Vertrauen auf den Geist Gottes, der weht, wo er will.

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Leser-Kommentare öffnen

Atlantica, 6. Mai 2017, 11:36 Uhr


Also. Predigen ist Verkündigung. Mir scheint die zentrale Stellung der Predigt aus dem Grundsatz sola scriptura (Martin Luther) hervorzugehen. Authentischer als Berichte in Boulevard-Blättern oder YOU-TUBE Filme. Ja, das erlebe ich auch so. Doch ist damit nicht angedeutet, dass eine gute Predigt zumindest manchmal auch unterhaltenden Charakter haben sollte? Unterhaltung gilt uns Protestanten ja oft als nebensächlich oder auch ablenkend. Aber war es nicht Martin Luther, der in seinen Tischreden auch einmal sagte, ohne Gott könne kein Witz und kein herzliches Lachen sein?
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Alwite, 6. Mai 2017, 18:32 Uhr


Die Taufe meines Sohnes ist Jahrzehnte her, doch erinnere ich, aus diesem Gottedienst gingen wir alle tief berührt heim. Obwohl dieser Pfarrer eine ausnehmend heitere Sprache gewählt hatte, beindruckte er damit selbst die gottesdiensterprobte Patin, die bei Kirchens tätig ist. Wenn ein Gottesdiener, wie Fritzchen im Beispiel - oder - Frau Merkel in ihren Ansprachen, sein Anliegen mit ganz einfachen klaren Worten vorzutragen im Stande ist, erreicht er das Ohr des Zuhöhrers direkter, als mit noch so gut gemeinten Wortgebilden, die nicht jedem Lauschenden geläufig sind.
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Atlantica, 6. Mai 2017, 21:24 Uhr


Sehr richtig, Alwite. Ich kann mich auch noch an eine Predigt aus der Zeit vor fast 40 Jahren erinnern, so gut war sie.
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