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Beschäftigt mit dem, was den Alltag ausmacht: Wie die Jünger Jesu, die sich wieder ihrem Beruf als Fischer zuwandten, widmen wir uns nach dem Fest der Auferstehung erneut den ganz profanen Dingen. Das Leben geht schließlich weiter. Ostern ist vorbei. Ist es das? Nein – denn die Gegenwart des Auferstandenen begleitet uns und wirkt in die Welt. Wenn wir, seine Jüngerinnen und Jünger, sie wirken lassen. Foto: Jumpot Tharungsri
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Natalie Gabisch (22) ist Theologiestudentin an der Ruhr-Universität Bochum.

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Osterzauber im Alltag

Andacht

Von Natalie Gabisch | 23. April 2017

Andacht über den Predigttext zum Sonntag Quasimodogeniti: Johannes 21, 1-14

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Beschäftigt mit dem, was den Alltag ausmacht: Wie die Jünger Jesu, die sich wieder ihrem Beruf als Fischer zuwandten, widmen wir uns nach dem Fest der Auferstehung erneut den ganz profanen Dingen. Das Leben geht schließlich weiter. Ostern ist vorbei. Ist es das? Nein – denn die Gegenwart des Auferstandenen begleitet uns und wirkt in die Welt. Wenn wir, seine Jüngerinnen und Jünger, sie wirken lassen. Foto: Jumpot Tharungsri
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Natalie Gabisch (22) ist Theologiestudentin an der Ruhr-Universität Bochum.

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Predigttext

1 Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. (...) 3 Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. 4 Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. 5 Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. 6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten‘s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. 7 Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! (...) 9 Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot. 10 Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! 11 Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht. 12 Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. 13 Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt‘s ihnen, desgleichen auch den Fisch. 14 Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

 

Das ist nun das dritte Mal, dass Jesus den Jüngern offenbart wurde, nachdem er von den Toten auferstanden war.“ Mit diesem letzten Satz klappte ich die Bibel zu. Anna sah mich verwirrt an. „Aber Ostern ist doch schon vorbei. Warum liest du mir das vor?“ Mir huschte ein Schmunzeln über die Lippen. „Ist es das?“

„Weißt du, ich glaube, viele Menschen haben einfach nur vergessen, was die Ostergeschichte wirklich bedeutet. Nach ein paar schönen Tagen packen sie all die bunt bemalten Eier wieder in Kisten und verstauen sie in ihren Kellern. Und mit ihnen auch den Osterzauber. Der Alltag kommt. Ihre Gedanken an Jesus schlummern einpackt zwischen den Engeln und Zimtstangen bis zur Adventszeit. Dabei ist Ostern so viel mehr als ein paar schöne Tage. Und genau deshalb hab ich dir diese Geschichte von Jesus und seinen Jüngern vorgelesen. In ihr steckt, was Ostern wirklich bedeutet.

Für die Fischer damals war nach Jesu Tod wieder der Alltag eingekehrt. Ihr Leben hatte seinen Lauf genommen. Jeden Tag gingen sie ihrer Arbeit nach, um genügend Geld für die Familie zu verdienen. So auch in dieser Geschichte. Nach einer mühseligen Nacht, in der sie nichts fangen konnten, waren sie gerade dabei, ihre Netze zu säubern, als Jesus zu ihnen tritt. Doch sie erkennen ihn erst gar nicht. Er ist ein Fremder für sie. Und das macht die Geschichte zu etwas Besonderem. Jesus offenbart sich den Jüngern zuerst nicht, sondern steht ihnen mit gutem Rat im täglichen Leben zur Seite. Sie erkennen erst, wer er ist, nachdem sie für ihr Vertrauen auf sein Wort mit einem reichen Fang belohnt werden.“

„Ich verstehe immer noch nicht, was das nun mit Ostern zu tun hat“, sagte Anna und sah mich weiterhin skeptisch an. „Nun ja, es ist ähnlich wie bei uns heute. Wir leben in einer Welt, in der die Gedanken vom Arbeiten, Geldverdienen und vom Leben meistern bestimmt werden. Täglich gehen wir unseren Verpflichtungen nach und leben unseren Alltag. Einen Alltag, in dem Gedanken und Zeit für Jesus rar sind. Indem wir uns vielleicht auch oft fragen, wo er eigentlich ist. Es ist oft schwierig, ihn im Alltag zu finden. An Festen wie Weihnachten und Ostern können wir unseren Glauben und unsere Gedanken an Jesu zwar stärken, aber danach rücken sie oft schnell wieder in den Hintergrund.

Ich glaube, dass es so auch den Fischern ging. Nach seinem Tod war Jesu aus ihrem Alltag verschwunden. Beschäftigt mit ihrer Arbeit, bemerken sie gar nicht, wie er zu ihnen tritt. Aber irgendwann erkennen sie ihn. Ich finde diese Geschichte so toll, weil sie uns den Osterzauber erklärt. Ostern ist nicht nur der Zeitpunkt, an dem Jesu wieder lebendig wurde und wir von nun an auf ihn warten. Es ist der Zeitpunkt, an dem er uns zusichert, in unseren Alltag zu treten.

Ich wünsche mir oft, dass auch wir, wie die Jünger damals, Jesus in unserem Alltag erkennen. Dass wir erkennen, dass Auferstehung für uns bedeutet, dass Jesus immer da ist. An jedem Tag, an jedem Ort, zu jeder Zeit. Dass er uns nie vergisst. Dass Offenbarung nicht nur bedeutet, dass er uns leibhaftig gegenübersteht, sondern in Tat und Wunder wirkt. Dass wir nie allein sind. Und dass Jesu Nähe nichts damit zu tun hat, ob wir ihn sehen oder anfassen können.

Wenn du richtig hinhörst, kannst du ihn spüren. Denn der Osterzauber wirkt an jedem Tag.“

Gebet: Herr, schenke uns wachsame Augen, um in den kleinen Wundern des Alltags den Zauber von Ostern wahrzunehmen. Schenke uns ein offenes Herz, um Jesu Nähe zu spüren und einen starken Geist, um uns auch in einsamen Momenten nicht allein zu fühlen. Amen.

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