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Die Bibel lesen

Walter Schroeder

23. April 2017

Woche vom 23. bis 29. April: Sonntag: Psalm 116; Montag: Kolosser 1, 21-23; Dienstag: Kolosser 1, 24-29; Mittwoch: Kolosser 2, 1-7; Donnerstag: Kolosser 2, 8-15; Freitag: Kolosser 2, 16-19; Samstag: Kolosser 2, 20-23

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Die Gemeinde in Kolossä wurde wahrscheinlich nicht von Paulus selbst, sondern von einem seiner Vertrauten von Ephesus aus gegründet. Offenbar handelte es sich um eine rein „heidnische“ (1,21.27) Gemeinde, also eine solche, die keine jüdische „Urzelle“ hatte. Ein hohes Lob gilt ihrem Glauben, aber genau wie anscheinend alle Nachbargemeinden wird sie von einer Irrlehre bedroht, gegen die sich Epaphras, ein Helfer des Paulus, zunächst allein stemmte, dann aber doch die Hilfe des Apostels erbat. Weil der aber im Gefängnis saß (4.3), musste er schreiben. Mit diesem Schriftdokument dürfen wir nun auch an diesen spannenden frühen Jahren der Christenheit teilhaben. Der Brief führt mitten hinein in jene Zeit, als die Christen nach innen ihr Bekenntnis ausformen und nach außen ihre Abgrenzungen finden mussten. Die Irrlehre in Kolossä ist nicht in der Gemeinde selbst entstanden (wie in Korinth oder in Galatien), sondern von außen an sie herangetragen worden.

Worum es sich dabei genau handelte, kann man nur indirekt aus den Argumenten des Briefes erschließen, was natürlich manche Fragen offen lässt. Klar ist allerdings, dass es sich bei diesen Gegnern nicht etwa um Juden handelt, die ihre Orthodoxie verfechten und auch nicht um irgendeine der vielen religiösen Strömungen jener Zeit. Vielmehr handelte es sich um Christen, die ihre Lehre als Philosopia, Weisheit, bezeichneten (2,8) und für sich in Anspruch nahmen, die „wahren“ Christen zu sein. Die Auseinandersetzung mit solchen internen Gegnern war insofern sehr kompliziert, als es durchaus Gemeinsamkeiten in Glaube und Frömmigkeit gab und es darum darauf ankam, die entscheidenden Unterschiede klar herauszuarbeiten. Die Frage war auch: Konnte man solche Abweichler wieder in die Mitte der Gemeinde integrieren oder musste man sich von ihnen trennen? Überhaupt: Wann bereichern unterschiedliche Lebensstile eine Gemeinde oder auch eine ganze Kirche und ab wann sind diese Unterschiede kirchentrennend?

Im Kolosserbrief, der schon fast so etwas wie eine Kampfschrift ist, geht es um die Lehre von „Weltelementen“, die zwischen der irdischen und himmlischen Welt ihre Macht ausüben (2,10.15). Irgendwie stehen sie mit den Engeln in Verbindung, sind jedenfalls personal gedacht und regieren über die Welt und die Menschen. Sie verlangen Verehrung (2,18), die dadurch geleistet wird, dass bestimmte Satzungen eingehalten werden müssen(2,10.14).

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